Daniele Ganser und die Querfront


Daniele Ganser. Bild: agoravox.fr
1985 erschien ein Aufsatz von Jürgen Habermas über „Die neue Unübersichtlichkeit“ und dabei ging es um den gesellschaftlichen Wandel in den 1980er Jahren weg von der Industrie- und hin zur Informationsgesellschaft mit all den damit verbundenen Brüchen. 2016 lässt sich erneut eine Unübersichtlichkeit des politisch-publizistischen Terrains ausmachen, Feindbilder und Fronten scheinen vermischt und am Horizont taucht das Gespenst eine „Querfront“ auf. Eine Spurensuche in einem verminten Terrain.

Von Rudolf Stumberger | TELEPOLIS

Für in Deutschland lebende freischaffende Intellektuelle gilt ja die Regel: verhungern oder verblöden. Oder wie es ein Soziologieprofessor ausdrückte: „Von intellektueller Arbeit kann man nicht leben.“ Die Schweizer gehen da anders heran. Daniele Ganser zum Beispiel, Historiker aus Basel und in seinem Metier Experte für verdeckte Kriegsführung, seine Doktorarbeit hat er über die geheime „Stay-Behind“-Gruppen der Nato geschrieben.

Wer sich mit Ganser beschäftigt, stößt auf verschiedene interessante Phänomene. Zum Beispiel, dass er es fertig bringt, für Sätze wie „Bush gehört wegen des Irakkrieges vor den Internationalen Gerichtshof“ in Deutschland nicht nur viel Applaus, sondern auch mehrere tausend Euro pro Vortrag zu bekommen. Dem herkömmlichen deutschen Intellektuellen mit Stundensätzen von 35 Euro bei der Volkshochschule wird da schwindelig.

Schwindelig wird einem aber auch bei Erkundung der neuen Fronten und Schützengräben, die sich im deutschen Medienterrain auftun. Denn von der bürgerlichen Presse wird dem Schweizer gerne das Etikett „Verschwörungstheoretiker“ angeklebt, während er von manchen Linken der „Querfront“ bezichtigt wird. Und dann ist die Schublade zu.

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