„Endlich sagt eine Frau den Paschas, wo’s lang geht“


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Der Streit über den verweigerten Handschlag eines Imams erzürnt nicht nur Frauen. Die Bosnierin Safeta Obhodjas ist überzeugt, dass es Muslimas sind, die über das Gelingen der Integration entscheiden.

Von Claudia Becker | DIE WELT

Safeta Obhadjas, 65, wurde 1992 im Zuge der „ethnischen Säuberung“ als Muslima aus ihrer bosnischen Heimat vertrieben. Seitdem lebt die Mutter zweier Töchter in Wuppertal. Schon im ehemaligen Jugoslawien schrieb sie Hörspiele, Erzählungen und Romane. Seit 1995 veröffentlicht sie auch in deutscher Sprache. Zuletzt erschien ihr Roman „Die Bauchtänzerin“.

Die Welt: Frau Obhodjas, in Berlin hat ein Imam eine Lehrerin wegen Verletzung seiner religiösen Gefühle angezeigt. Er wollte ihr nicht die Hand geben, woraufhin sie sich weigerte, mit ihm zu reden. Hat das nicht etwas Belehrendes, wie sich die Pädagogin verhalten hat?

Safeta Obhodjas: Ganz im Gegenteil. Ich finde es wunderbar, wie sich die Lehrerin verhalten hat. Endlich kommt eine neue Generation von Frauen, die den Paschas sagt, wo es lang geht. Lehrerinnen haben viel zu lange diese patriarchalischen Strukturen des Islam mitgetragen. Heiraten mit 15? „Das ist ihre Kultur!“ Ein Mädchen soll nicht am Schwimmunterricht teilnehmen? „Kein Problem! Bring mir eine ärztliche Bescheinigung!“ Ein Mädchen darf nicht mit auf die Klassenfahrt? „Schade, aber das muss ja auch nicht sein!“ Das sind die Botschaften einer falschen Verständniskultur. Es ist schrecklich. Sie wollen multikulti sein und unterstützen Verhältnisse, die sie für sich ablehnen würden.

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