Gerd Lüdemann – Der den Herrn liebt


Gerd Lüdemann hatte sich öffentlich vom christlichen Glauben losgesagt. Foto: epd
Der Neutestamentler Gerd Lüdemann, einer der schärfsten Kritiker des traditionellen Verständnisses der Bibel, wird 70 Jahre alt. Und spricht im FR-Interview über Ehrgeiz, den Traum vom Gott-Sein und Hilferufe ohne Adressaten.

Von Arno Widmann | Frankfurter Rundschau

Herr Lüdemann, am 5. Juli werden Sie siebzig Jahre alt. Schauen Sie jetzt manchmal zurück?
Nein.

Sie schreiben an einem neuen Buch?
Ja. Ich betreue auch Dissertationen. Darunter auch die eines Amerikaners, der hoch interessante Thesen aufstellt. Ich bin beschäftigt.

Sie sind der Pro-Jahr-Ein-Buch-Mann.
Das war mein Ehrgeiz. Mit dreißig habilitiert, mit 35 ein Ruf und dann jedes Jahr mindestens ein Buch. Die deutschen und die englischen Ausgaben unterscheiden sich manchmal sehr. So komme ich dann in manchen Jahren auf mehr als ein Buch.

Sie sprechen von Ehrgeiz?
Ja. Ja, schon. Vielleicht hat das mit meiner Herkunft zu tun. Meine Eltern waren nicht arm, aber wir lebten doch sehr bescheiden. Ich durfte zunächst nicht aufs Gymnasium. Meine Lehrer verhinderten das. Ich weiß nicht, warum. Wahrscheinlich wollte ich es denen zeigen.

weiterlesen