War die „Neue Welt“ gar nicht so neu?


Blonde und rothaarige Kinder – sogenannte „Gringuitos“ – werden in abgelegenen Bergdörfern der Chachapoya-Region immer mal wieder geboren, obwohl die Eltern aus alteingesessenen peruanischen Familien stammen und indianisch aussehen. Schon den Konquistadoren des 16. Jahrhunderts fiel dieses Phänomen auf. Genetische Analysen ergaben, dass die Gringuitos westeuropäische Vorfahren haben. Bild: heise.de
Deutscher Forscher legt Kontakte zwischen Alter und Neuer Welt bereits in der Antike nahe. Kelten könnten die ersten Europäer in Amerika gewesen sein.

Von Stefan Korinth | TELEPOLIS

Der Kulturwissenschaftler Hans Giffhorn hat transatlantische Kontakte in der Antike rekonstruiert. Eine Emigrantenflotte iberischer Kelten und Krieger von den Baleareninseln erreichte Amerika bereits im ersten Jahrhundert vor Christus, ist sich der frühere Göttinger Uni-Professor sicher. Die Einwanderer gingen schließlich in der bis heute rätselhaften Chachapoya-Kultur Perus auf. Vor drei Jahren veröffentlichte Giffhorn seine Theorie zusammen mit einer interdisziplinären Indizienkette, die er seitdem immer weiter unterfüttert hat. Die Fachwelt ignoriert seine umfassenden Forschungsergebnisse mehrheitlich.

Ursprünglich war er auf der Suche nach einem Kolibri, der als ausgestorben galt: Als der Dokumentarfilmer und Kulturwissenschaftler Hans Giffhorn im Jahr 1998 in den Andenwäldern des nordöstlichen Perus unterwegs war, wurde er vor Ort auf die Reste einer untergegangenen Zivilisation aufmerksam gemacht. Die von den Inka so genannten Chachapoya („Nebelwaldkrieger“), die in dieser Region einst lebten, hatten beeindruckende Bauten und Mumiengräber hinterlassen.

Doch war über dieses untergegangene Volk kaum etwas bekannt. „Das faszinierte mich“, erinnert sich Giffhorn im Gespräch mit Telepolis. „Die archäologische Forschung zu den Chachapoya steckte in einer Sackgasse.“ Giffhorn, der sich nie durch Grenzen zwischen wissenschaftlichen Fachdisziplinen einengen ließ, wie er sagt, wollte zur Lösung des Rätsels beitragen.

Heute, rund 18 Jahre später, weiß der Kulturwissenschaftler mehr über diese unbekannte Zivilisation, die durch europäische Krankheiten im 16. Jahrhundert so gut wie ausstarb. Seine Nachforschungen führten ihn dabei zu Thesen, die durchaus geschichtswissenschaftlichen Zündstoff enthalten: Einige Vorfahren der rätselhaften Chachapoya waren Menschen aus Europa. Kelten von der iberischen Halbinsel und Krieger von den Balearen waren gemeinsam im 1. Jahrhundert v. Chr. mit Schiffen nach Südamerika gefahren, um sich dem römischen Kultur- und Eroberungsdruck zu entziehen, und hatten sich schließlich in der heutigen Chachapoya-Region niedergelassen.

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