Bruchstücke zu einer Theologie nach Auschwitz


Ehemaliges Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau, Blick auf einen Wachturm (picture alliance / zb / Fritz Schuhmann)
Der Wiener Dogmatiker Jan-Heiner Tück warnt den Papst davor, weiter auf die Piusbruderschaft zuzugehen. Es wäre „fatal, wenn Franziskus im Jahr der Barmherzigkeit, die Piusbrüder zurückholen würde in den Schoß der katholischen Kirche“, sagte Tück im Deutschlandfunk. Die katholischen Traditionalisten müssten eine „ganz klare theologische Selbstkorrektur“ vollziehen – gerade auch mit Blick aufs Judentum.

Jan-Heiner Tück, Günther Bernd Ginzel im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Wie beten nach Auschwitz? Wie Theologie treiben nach Auschwitz? Diese Fragen beschäftigt die sensibleren unter denen, die Religion berufsmäßig reflektieren, seit 1945. Auch Jan-Heiner Tück. Er ist Dogmatik-Professor an der Katholisch-Theologischen Fakultät in Wien, der ältesten ununterbrochen bestehenden theologischen Fakultät der Welt. Sein neues Buch hat den Titel: „Gottes Augapfel. Bruchstücke zu einer Theologie nach Auschwitz“. Gelesen hat es der Publizist Günther Bernd Ginzel aus Köln, der seit Jahrzehnten im christlich-jüdischen Dialog engagiert ist. Tück und Ginzel versuchen, das Einende und Trennende ihrer Positionen herauszuarbeiten.

Andreas Main: In diesen Sommer noch wird Papst Franziskus nach Auschwitz reisen. Das Verhältnis zum Judentum gehört seit 50 Jahren ins Zentrum katholischer Theologie – auch des päpstlichen Lehramts. Die Erinnerung an den Holocaust oder die Shoa, der massenhaften Ermordung von Juden durch ein deutsches Regime, das vom Gros der Deutschen zumindest geduldet wurde, diese gehört und gehörte für Johannes Paul II. ebenso wie für Benedikt XVI. oder Franziskus ins Zentrum theologischen Denkens, ebenso wie die Zusammenarbeit mit Juden heute.

Und um das Ganze nicht katholisch eng zu führen, auch große evangelische Theologen von Jüngel bis Moltmann haben sich gefragt: Wie können wir nach Auschwitz Theologie treiben? Das ist seit Jahren auch die zentrale Frage von Jan-Heiner Tück. Er ist Professor für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien. Jan-Heiner Tück hat in diesem Frühjahr ein Buch vorgelegt, ein Buch mit dem Titel „Gottes Augapfel. Bruchstücke zu einer Theologie nach Auschwitz.“ Herzlich willkommen, Jan-Heiner Tück.

Jan-Heiner Tück: Danke. Ja.

Main: Herr Tück, Sie haben Ihrem Buch diesen poetischen Titel gegeben: „Gottes Augapfel“. In diesem Titel klingt viel an. Erklären Sie uns bitte die Intention.

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