Streit über die Konsequenzen aus Luthers Judenhass


Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
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Wird das Verhältnis von Juden und Christen von Gegensätzen oder von Unterschieden bestimmt? Eine Kirchenhistorikerin betont den Gegensatz und warnt die Protestanten davor, ihre Überzeugungen aufzugeben.

Von Wiebke Rannenberg | evangelisch.de

Auch wenige Monate vor dem Beginn der Feiern zum 500. Reformationsjubiläum 2017 treibt Theologen und Kirchenleute noch immer eine Frage um: Welche Konsequenzen sollen die Protestanten aus den judenfeindlichen Schriften ihres Reformators Martin Luther (1483-1546) ziehen? Ging es bisher meist um die geschichtliche Wirkung der Schriften bis in das 20. Jahrhundert, stehen nun mit dem Bekenntnis zu Christus und der Rechtfertigung allein aus Gnade zentrale theologische Überzeugungen im Mittelpunkt.

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Nach Ansicht der Berliner Kirchenhistorikerin Dorothea Wendebourg gehen manche Theologen – und auch die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) – zu weit in ihrer Abgrenzung vom Reformator und in der Annäherung an die Juden: Sie seien dabei, die eigene Tradition abzuschmelzen, „bis kein fundamentaler Widerspruch anderer und zu anderen mehr übrig bleibt“, schreibt Professorin Wendebourg in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „Zeitzeichen“ und kritisiert, das Reformationsjubiläum solle zur großen Feier der „theologischen Harmlosigkeit“ werden.

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