USA: „Man braucht gar nicht den offenen Rassenhass“


foto: ap / bob brown In Richmond, der Hauptstadt von Virginia, wurde eine Polizeistatue beschmiert und Gerechtigkeit für Alton Sterling gefordert. Der 37-jährige Schwarze wurde am 5. Juli in Baton Rouge von Polizisten erschossen. Danach kam es zu Massenprotesten und den tödlichen Schüssen auf Polizisten in Dallas.

Rassismus hat sich verändert, sagt Experte Norbert Finzsch, der nach den Schüssen in Dallas einen Freifahrtschein für Polizisten befürchtet

Interview Kim Son Hoang | derStandard.at

STANDARD: Kann man zurecht behaupten, dass Polizeigewalt gegen Schwarze zugenommen hat?

Finzsch: Das täuscht, es ist ein Problem, das bereits in den vergangenen 100 Jahren deutlich hervorgetreten ist. Aufgrund der verstärkten medialen Aufmerksamkeit und der sozialen Netzwerke wirkt es wie eine Zunahme. Dazu muss man sagen, dass offizielle Zahlen dazu nicht vorliegen, weil die Polizei in den USA dezentral organisiert ist und es deshalb keine landesweiten Statistiken gibt.

STANDARD: Wo hat diese Entwicklung seinen Ursprung genommen?

Finzsch: In der Sklaverei und in dem System, das nach der Abschaffung der Sklaverei in den Südstaaten etabliert wurde: eine Form der Lohnknechtschaft, die die Sklaverei ersetzt und die Afroamerikaner politisch, sozial und kulturell in einer untergeordneten Position gehalten hat. Dafür wurde auch Gewalt eingesetzt, und da spielte Polizeigewalt eine entscheidende Rolle. Die Exekutive griff immer zugunsten jener ein, die diese Form alltäglicher sozialer Kontrolle praktiziert haben.

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