„Mit keiner Religion lässt sich Nizza erklären“


Abendschau rbb/Panorama
Nach dem Schock von Nizza hat am Montag ein Gottesdienst für die Opfer des Attentats im Berliner Dom stattgefunden. Unter den mindestens 84 Todesopfern waren auch drei Berliner. Offiziell gelten sie noch immer als vermisst. Mehrere Hundert Menschen kamen am Montag zu der Trauerfeier.

rbb|24

Berlin hat am Montag mit einem ökumenischen Gottesdienst im Berliner Dom der Opfer des Anschlags in Nizza gedacht. Mehrere Hundert Menschen kamen zu der Trauerfeier. Die Einladung richtete sich an die Schüler und Lehrer aller zehn Berliner Schulen, die zum Zeitpunkt des Attentats in der südfranzösischen Stadt waren, und deren Familien. Der Gottesdienst sollte ihnen Raum geben, die Ereignisse in Frankreich zu verarbeiten und der Toten zu gedenken. Willkommen seien aber auch Berliner und Berlinbesucher, hatte die Evangelische Kirche zuvor mitgeteilt.

Die Gottesdienstbesucher legten eine Schweigeminute für die Opfer ein. Schüler zündeten Kerzen für die Opfer an. Unter den Teilnehmern des Gottesdienstes waren auch Schüler der Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Charlottenburg, von der zwei Schülerinnen und eine Lehrerin immer noch als vermisst gelten. Vor der Schule stehen Kerzen und Blumen. Unterricht gab es dort am Montag nicht. Stattdessen wurde über die Ereignisse vom letzten Donnerstag gesprochen.

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1 Comment

  1. Nur ein kurzer Zwischenruf:

    Ich empfinde diesen »Gottesdienst« der drei Religionen samt Politprominenz eine Anmaßung sondergleichen. Wie kommen diese selbsternannten Vertreter der Opfer von Nizza dazu, eine weltanschaulich so einseitige Veranstaltung allen anderen Menschen aufzudrängen?

    In Berlin sind über 60 Prozent der Bürger nicht Mitglied in einer der beiden großen Kirchen. Laut einer neuen repräsentativen Umfrage von Emnid und fowid (die Ergebnisse wurden im Juni 2016 vorgestellt) sind von den Kirchenmitgliedern etwa die Hälfte ebenfalls nicht mehr gläubig, sondern neigen einer mehr oder weniger naturalistisch-humanistischen Weltanschauung zu. M.a.W. die weit überwiegende Mehrheit der Berliner hält nichts mehr von diesen bronzezeitlichen Märchen, die in Kirchen, Synagogen und Moscheen allen Vernunftgründen zum Trotz verbreitet werden. Das Mindeste wäre gewesen, einen Vertreter der Nichtreligiösen mit einzuladen, um auf diese Weise wenigstens den Anschein weltanschaulicher Neutralität zu demonstrieren.

    Eigentlich wäre es Sache eines religiös neutralen Staates, was unser Kirchenstaat leider nicht ist, zu einer weltanschaulich unabhängigen Trauerfeier zu laden. Aber die Ergebenheit unserer führenden Politiker gegenüber den Kirchen lässt sie vergessen, dass wir eigentlich keine Staatskirche haben und dass eigentlich Staat und Religion getrennt sein sollten. So steht es jedenfalls in unserer Verfassung. Diese wird aber an so vielen Stellen missachtet, dass es offenbar darauf auch nicht mehr ankommt.

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