Rettet die Religion! Es gibt keinen vernünftigen Grund, das zu tun


Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Darum geht es in allen Religionen. Bild: AAA
Wer den Glauben an einen Gott für den Urgrund aller Intoleranz hält, mag sich nach Würzburg wieder bestätigt sehen. Falsch: Unsere Gesellschaft braucht jetzt nicht weniger Frömmigkeit, sondern mehr.
 

Von Lucas Wiegelmann | DIE WELT

Wenn Papst Johannes Paul II. bei einer Diskussion über ein schwieriges Problem mal nicht weiterwusste, was in einer Amtszeit von gut 26 Jahren ja schon mal vorkommen kann, pflegte er zu sagen: „Wir sehen keine Lösung. Weil wir zu wenig gebetet haben. Beten wir also.“

So erzählt es sein früherer Sekretär, der fromme Anekdoten liebt. Man wüsste gern, was Johannes Paul II. zum Terrorismusproblem von heute zu sagen gehabt hätte. Einfach ein bisschen beten? Ist beten, ist Religion, ist Gott nicht gerade das Problem?

Im Windschatten des Streits über die Frage, ob der Islam nun böse oder lieb ist, hat längst eine noch grundsätzlichere Debatte neue Fahrt aufgenommen. Es geht um die alte These, dass Religion an sich eine Gefahr für den Frieden sei, nicht nur für Angehörige der jeweils konkurrierenden Religionen, sondern für alle Menschen, auch für solche, die an gar nichts glauben (tatsächlich nennen die islamistischen Terroristen ihre Feinde ja meist nicht „Christen“, sondern „Ungläubige“).

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