Homeschooling: Die böse Welt bleibt draussen


Daheim in einem 200-jährigen Holzhaus. (Bild: Bilder Karin Hofer / NZZ).
Bernice Zieba unterrichtet einen Teil ihrer sieben Kinder daheim – und will sie so vor Stress, Drogen und Sexualisierung bewahren. Auf der Suche nach noch mehr Freiheiten zieht die Familie nun weiter.

Von Simon Hehli | Neue Zürcher Zeitung

Das Mädchen ist erst dreieinhalb und versucht doch schon, seinen Namen zu schreiben. Dazu klaubt es Kartonbuchstaben aus einer Schachtel. Die Szenerie erinnert zwar an ein Klassenzimmer: Schiefertafeln, Tintenfass, Holzbänke. Doch es ist eine Schule aus längst vergangenen Zeiten. Und die Frau, die hilft, die Schriftzeichen in die richtige Reihenfolge zu bringen, ist weder Kindergärtnerin noch Lehrerin. Sondern Emilias Mutter.

Bernice Zieba praktiziert Homeschooling, was weniger verstaubt klingt als Heimunterricht. An diesem Mittwochvormittag haben die 40-Jährige und ihr Mann Jan fünf ihrer Kinder in den weissen Van gesetzt und sind ins Ortsmuseum Merenschwand gefahren. Grosse Sehenswürdigkeit in der nachgebauten Schule: der Schulthek von Doris Leuthard, der berühmtesten Persönlichkeit, die Merenschwand hervorgebracht hat. Bernice zeigt ihrem achtjährigen Sohn Alwin eine Schwarz-Weiss-Luftaufnahme des Dorfes an der Wand und lässt ihn raten, aus welchem Jahr das Bild stammt. In einer alten Schuhwerkstatt gibt es echtes Schlangenleder. Das wäre heute nicht mehr erlaubt, erklärt sie ihren Kindern. «Wir müssen die Tiere schützen.» Sie sagt es auf Englisch, als Tochter einer Schweizerin und eines Briten aus Guyana ist sie selber in der Schweiz und in England aufgewachsen.

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