Rückkehrer als „potenzielle Terroristen“


Terrorangriffe und Festnahmen 2015. Bild: Europol Bild: heise.de
In diesen Tagen wird nervös diskutiert, ob Attacken von Einzeltätern, wie die von Würzburg oder Ansbach, hätten verhindert werden können. Die europäische Polizeibehörde Europol in Den Haag, die solche Fälle bevorzugt beobachtet und analysiert, geht in einer aktuellen Einschätzung davon aus, dass solche Einzeltäter kaum rechtzeitig aufzuspüren und derartige Anschläge zu verhindern seien. Mit Blick auf den Dschihad spricht die Behörde in einem Report von mehreren hundert potenziellen Terroristen in Europa.

Von Arno Kleinebeckel | TELEPOLIS

Hierbei handele es sich vor allem um Europäer, die in Syrien oder dem Irak „ausgebildet“ wurden. Darauf weist Europol in seinem aktuellen „European Union Terrorism Situation and Trend Report“ hin, der gerade veröffentlicht wurde (TE-SAT 2016). Der Bericht liefert Erkenntnisse zum derzeitigen Stand des dschihadistischen Terrorismus wie auch zur Zahl der „foreign fighters“ (ausländische Kämpfer).

Kämpferinnen mit Familiensinn

Heimgekehrte „foreign fighters“ – radikalisierte Personen aus der EU, die in Syrien oder im Irak für die Terrormiliz IS gekämpft haben und anschließend wieder zurückgekehrt sind – bereiten den Sicherheitskräften zunehmend Sorge. Europol beziffert deren Gesamtzahl auf rund 5.000, die Zahl der Rückkehrer auf gegenwärtig rund ein Drittel, also auf etwa 1.500 bis 1.800. „Viele davon haben weder die Absicht noch die Fähigkeit, terroristische Anschläge zu verüben“, schreibt Europol. „Dennoch bleiben hunderte potenzielle Terroristen übrig, die eine Gefahr für die Sicherheit in Europa darstellen.“

Laut „TE-SAT 2016“ ist ein erheblicher Teil der potenziellen Attentäter weiblich – Kämpferinnen, die ihren Ehemännern nach Europa folgen, um hier zu leben und Familien zu gründen.

Sowohl die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) als auch al-Qaida hätten mehrfach Muslime in westlichen Ländern dazu aufgerufen, Anschläge – individuelle Anschläge – in ihrem Wohnland zu verüben. Attentate von Einzeltätern, wie die von Nizza oder Würzburg, gelten dabei als „bevorzugte Taktik“, sie können insofern als ein Muster angesehen werden.

Die nationalen Behörden würden gegen Verdächtige intensiv ermitteln, Europol unterstütze sie dabei. Rob Wainwright, seit 2009 Europol-Direktor, setzt dabei auf wachsende „strategische Intelligenz“, mit der wolle man auch die politischen Führer und Gesetzgeber beraten.

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