Atheisten: Flüchtlinge ohne Religion


Nein Danke. Brauchen wir nicht. Image. Godless Atheists/FB
Nein Danke. Brauchen wir nicht.
Image. Godless Atheists/FB
Wie viele Flüchtlinge aus muslimischen Ländern Atheisten sind, weiß niemand. Manchmal wird ihnen nicht geglaubt, oft fürchten sie sich vor Mobbing oder Gewalt.

Von Marcus Latton | ZEIT ONLINE

Einen Antrag auf Kirchenaustritt zu stellen, ist in Deutschland ein eher banaler Verwaltungsakt für all jene, die den Glauben verloren haben, sich enttäuscht von ihren Gemeinden abwenden oder einfach die Kirchensteuer sparen wollen. Für Ahmad Othman Adi war der Antrag eine Offenbarung. Seine deutschen Freunde erzählten ihm vor drei Jahren von dieser Möglichkeit. Damals ging er noch in Recklinghausen zur Schule. 2012 war er vor dem Krieg in seiner syrischen Heimat geflohen. „Ich fragte sie: Ihr könnt einfach so die Kirche verlassen und das war’s?“, sagt der heute 22-jährige Adi.

Ein Austritt aus dem Islam ist nicht vorgesehen

Der Islam hat gar keine Kirche, ein Austritt ist nicht vorgesehen. In der syrischen Stadt Hama wuchs Adi als sunnitischer Muslim auf. Doch als Jugendlicher begann er zu rebellieren. Er produzierte mit Freunden Hip-Hop-Beats und begann mit 14 Jahren am Islam zu zweifeln – und Fragen zu stellen. An seine Eltern, an seine Religionslehrer in der Schule. „Ich mochte es nicht, wie der Islam Sexismus verbreitet und Hass gegen Homosexuelle“, sagt Adi, der seit vergangenem Jahr in Berlin lebt. „Auch diese ganzen Wundergeschichten aus dem Koran hatten irgendwann keinen Sinn mehr für mich. Etwa, dass alle Menschen von Adam und Eva abstammen. Oder dass der Prophet Mohammed mit seinem Pferd in nur einer Nacht von Arabien nach Palästina geritten sein soll. Wie kann man das ernsthaft glauben?“

weiterlesen