Psychiatrie in Polen: „Den Opfern eine Stimme geben“


Die Journalistin Justyna Kopinska. Foto: Jakub Plesniarsk
Die soeben preisgekrönte Journalistin Justyna Kopinska prangert polnische Psychiatrien an.

Von Philipp Fritz | Frankfurter Rundschau

Frau Kopinska, wie ist die Situation in psychiatrischen Kliniken in Ihrem Heimatland Polen?

Ich möchte nicht verallgemeinern, aber in vielen Kliniken sind die Zustände weder für die Patienten noch für die Mitarbeiter gut. Das liegt daran, dass die Häuser unterfinanziert sind und viele Ärzte sich nicht die nötige Zeit nehmen, Bedürftige ernsthaft zu therapieren. Es geht lediglich um Schadensbegrenzung. Meine Arbeitsmethode ist die folgende: Dadurch, dass ich das extremste Beispiel zeige, möchte ich Aufmerksamkeit auf mögliche Gefahren in geschlossenen Einrichtungen lenken, das heißt, in psychiatrischen Krankenhäusern, Kinderheimen oder Gefängnissen.

Was ist das für ein extremes Beispiel? Und was hebt geschlossene von offenen Einrichtungen ab?

Offene Einrichtungen geben die Möglichkeit des Kontakts mit Menschen von außerhalb. Geschlossene hingegen, wie der Name schon sagt, sind von der Gesellschaft isoliert. Es gibt viele großartige Ärzte und Betreuer in geschlossenen Einrichtungen. Aber wenn eine wenig empathische Person Arzt oder Stationshilfe in einem psychiatrischen Krankenhaus wird, erlangt sie so beinahe uneingeschränkte Macht. Das ist gefährlich für die Ruhe und die Sicherheit der Patienten.

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