Europa ist der Wahnsinn, Europa ist der Mord


An der Klagemauer, hundert Jahre später. Szene aus Jerusalem im Juli 2016.Foto: dpa/Abir Sultan
Erstveröffentlichung in der Ursprungssprache Deutsch: Mosche Ya’akov Ben-Gavriêl erinnert an Jerusalem zur Zeit des Ersten Weltkriegs.

Von Rolf Brockschmidt | DER TAGESSPIEGEL

m Vorspann zu seinem Tatsachenroman „Jerusalem wird verkauft oder Gold auf der Straße“ über die Zeit um den Ersten Weltkrieg schreibt Mosche Ya’akov Ben-Gavriêl: „Deutsche, Österreicher und Türken führten hier bis zum Einzug Allenbys einen Krieg nicht um eine Idee, nicht von Mann gegen Mann, sondern einen Kampf um die höchsten Goldkurse, gegen eine Bevölkerung, die infolge dieses Krieges der militärischen Spekulanten in unvorstellbarer Weise hungerte.“

Ben-Gavriêl (1891–1965), ein in der Bundesrepublik der fünfziger Jahre gern gelesener und dann vergessener Autor aus Israel, hieß eigentlich Eugen Hoeflich. Er diente als österreichischer Soldat im Ersten Weltkrieg, ein für ihn prägendes Erlebnis. Nach Einsätzen an der Ostfront und einer schweren Verwundung wurde er 1917 zur österreichisch-ungarischen Armee nach Jerusalem abgeordnet, wo er das Kommando über das im Kloster Ratisbonne zu groß geratene Lazarett für die Gazafront übernahm.

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