In Geiselhaft


Inzwischen dicht gemacht: Redaktionsgebäude der Zeitung „Zaman“ in Istanbul. (Foto: dpa)
Ein Journalist taucht unter – und seine Ehefrau wird verhaftet. Auch ansonsten landen in der Türkei immer weiter Journalisten im Gefängnis – mit hanebüchenen Begründungen.

Von Yavuz Baydar | Süddeutsche.de

Die Nacht zum Sonntag war für uns alle sehr lang, wir saßen gebannt vor unseren Computern und verfolgten, wie es weitergeht mit der Pressefreiheit. Und wie zur Bestätigung all unserer Ängste wurden am Ende der Nacht sechs weitere Journalisten verhaftet.

Ihre Verteidiger rechneten eigentlich damit, dass ihre Fälle erst an diesem Montag verhandelt werden. Sie wurden aber schon nachts nach einem langen Verhör ins Gefängnis gebracht. Alle sechs gehören zur Tageszeitung Zaman, die im Zentrum der Anklage steht, dass einige Medien der „verlängerte Arm der Fetö-Terror-Organisation“ seien.

Das richterliche Urteil ist ein Generalangriff auf die freie Meinungsäußerung und die Pressefreiheit. Begründet werden die Verhaftungen mit zwei Argumenten: Zum einen hätten die sechs Journalisten mit ihren Kolumnen und Äußerungen in den sozialen Medien die staatsanwältlichen Untersuchungen gegen die bewaffneten Terrorstrukturen behindert. Außerdem wird ihnen vorgeworfen, dass sie ihre Kolumnen weitergeschrieben hätten, nachdem ihr Chefredakteur Ekrem Dumanlı außer Landes geflohen sei. Seufz.

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