Die Sprache des Grundgesetzes verstehen – die Amtssprache is Deutsch


Auch auf der Pro-Erdogan-Demonstration in Köln wurden Rufe nach der Wiedereinführung der Todesstrafe laut. Foto: dpa
Wenn bei der Pro-Erdogan-Demo in Köln türkischstämmige Deutsche nach der Todesstrafe rufen, vertreten sie eine Position, die jahrzehntelang in der Bundesrepublik größte Zustimmung fand.
 

Von Christian Bommarius | Frankfurter Rundschau

Im Jahr 1977 ergab eine Umfrage, dass 50 Prozent der Bundesbürger für die Wiedereinführung der Todesstrafe seien. Einer der aggressivsten Befürworter des staatlichen Tötens war seit den 60er Jahren Bundestagsvizepräsident Richard Jäger (CSU) – vormals Mitglied der SA, später Bundesjustizminister (1965/66) –, für den die Wiedereinführung derart selbstverständlich war, dass er sich nur noch über die Methode der Vollstreckung Gedanken machte: „Vermutlich wird man nicht den Galgen, sondern die Guillotine wählen.“ Bis heute sind gelegentlich Rufe nach der Wiedereinführung der Todesstrafe zu hören, zuletzt immer mal wieder aus den Reihen der rechtsradikalen AfD. Wenn nun in Deutschland lebende Türken oder türkischstämmige Deutsche in Übereinstimmung mit Präsident Recep Tayyip Erdogan für die Wiedereinführung der Todesstrafe in der Türkei plädieren, vertreten sie eine Position, die jahrzehntelang in der Bundesrepublik größte Zustimmung fand. Das ist wahr. Wahr ist aber auch, dass diese Position auf zwei massive Integrationsprobleme verweist.

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