Francis Fukuyama: „Es gibt Grenzen, was Neuankömmlinge anbetrifft“


Foto: Lynn Bo Bo-picture alliance / dpa Francis Fukuyama gehört zu den bekanntesten Historikern und Politologen unserer Zeit. Berühmt wurde er mit seiner These vom „Ende der Geschichte“. Kurz nach dem Fall der Mauer in Berlin prophezeite Fukuyama, die liberale Demokratie werde bald für eine dauerhaft sichere politische Zukunft der Menschheit sorgen
Islam und Demokratie? Überhaupt kein Problem, sagt der US-Politologe Francis Fukuyama. Die größte Gefahr für Europa sieht er woanders. Besonders deutlich rechnet er mit Angela Merkel ab.

Von Antonello Guerrera | DIE WELT

Frage: Professor Fukuyama, sie vertreten die These, dass man gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) keinen Krieg führen dürfe. Aber wäre das nicht eine plausible Lösung, angesichts der immer häufigeren Attacken?

Francis Fukuyama: Nein. Die wahre Bedrohung wäre eine Überreaktion unsererseits. Das ist doch genau das, was der Terrorismus erreichen will, vor allem der Islamische Staat. Wir dürfen den fürchterlichen Fehler des Irakkriegs von 2003 nicht wiederholen. Die Bürger wollen eine schnelle Lösung für dieses Problem. Doch ganz ehrlich: So eine Lösung gibt es nicht.

Kleine, aber heftige Attentate von labilen Individuen, wie bei den letzten, die wir erlebt haben, und wie sie auch in den USA immer wieder passieren, sind nicht vorhersehbar. Alle zu beschützen ist vollkommen unmöglich.

Gleichzeitig jedoch dürfen wir die Rechte und die Freiheit eines Teils unserer Gesellschaft nicht einschränken, wie es die fremdenfeindlichen und rassistischen Bewegungen fordern. Damit würden wir die Grundpfeiler unserer Demokratie untergraben.

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