Schwuler Imam: „Das kann nicht der Gott sein, den ich anbeten will“


Mushin Hendricks. Bild: FB
Mushin Hendricks. Bild: FB

Muhsin Hendricks gilt als der erste offen schwul lebende Imam der Welt. Von seiner Heimat Südafrika aus kämpft der 48-Jährige für die Akzeptanz sexueller Vielfalt im Islam. Ein Besuch.

Von Agnes Fazekas | evangelisch.de

Wynberg ist einer der südlichen Vororte von Kapstadt – weit weg von Strand und hippen Bars liegen graue Straßen neben Bahntrassen. Der Taxifahrer zögert, die Tür zu öffnen. Wen um Himmels Willen man hier treffen wolle? Mädchen mit Schuluniform und Hidjab auf dem Kopf huschen in Grüppchen nach Hause, vorbei an einer kleinen Moschee – und bettelnden Junkies. Und nicht weit davon, in einer Art Gewerbehof, hat Muhsin Hendricks sein Büro.

Die Sekretärin im schicken Kostüm bittet einen Moment zu warten. Hendricks ist ein beschäftigter Mann. Neben seiner Berufung als spiritueller Führer hat sich der 48-Jährige der praktischen Seelsorge verschrieben. Mit seiner Organisation „The Inner Circle“ hilft er Muslimen aus einem vermeintlichen Dilemma: schwul und gläubig.

Über einer grauen Adidas-Jogginghose trägt der Imam eine weiße Tunika mit Stickereien. Wie um auf den ersten Blick klarzumachen, dass es kein Paradox ist, die eigene Natur in den Einklang mit gesellschaftlichen Konventionen zu bringen. Doch die Kombi wirkt auch in ästhetischer Hinsicht keineswegs zufällig. Immerhin war Hendricks in einem seiner früheren Leben Designer. Pompöse Hochzeits- und Abendkleider hat er damals entworfen. Das Nähen hat er sich als kleiner Junge selbst beigebracht.

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