„Sie werden sterben wie Kanalratten“


Unterstützer des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan schwenken die türkische Flagge auf Bosporus-Brücke in Istanbul. (Foto: dpa)
Der Wirtschaftsminister droht den Putschisten grausame Strafen an. Unterdessen begleichen einige Journalisten uralte Rechnungen, anstatt ihren inhaftierten Kollegen zu Hilfe zu eilen.
 

Von Yavuz Baydar | Süddeutsche.de

Aus den Worten von Nihat Zeybekçi, des Wirtschaftsministers der Türkei, hallt die „totale Finsternis“ wider, in die das Land gerissen wird. Als er sich in Denizli und Uşak an die Massen wandte, nahm er in Bezug auf die inhaftierten Putschisten kein Blatt vor den Mund: „Wir werden sie so hart bestrafen, dass sie flehen werden: ,Lasst uns sterben, damit wir erlöst werden!‘ Wir werden sie zwingen uns anzuflehen. Wir werden sie in so tiefe Löcher werfen, dass sie kein Sonnenlicht mehr sehen, solange sie atmen. ,Tötet uns‘, werden sie uns anflehen. Selbst wenn wir sie hinrichteten, fände mein Herz keinen Frieden. Sie werden in zwei Quadratmeter großen Löchern sterben wie Kanalratten.“

Kemal Kılıçdaroğlu, Vorsitzender der kemalistischen Oppositionsparty, der CHP, ist in einer äußerst schwierigen Situation. Er hatte geschworen, Präsident Erdoğan nach dem Putsch niemals in seinem Palast zu besuchen. Nachdem er die vergangenen Tage mitansehen musste, wie brachial der Staat umstrukturiert wird, sagte er nun der Hürriyet: „Drei bis vier Leute entscheiden alles allein, und wir sprechen von Entscheidungen, die noch weit über den Ausnahmezustand hinausreichen. Das Parlament wäre hierfür eigentlich die Instanz. Was momentan geschieht, ist inakzeptabel. Man kann einen Staat nicht unter der Begründung eines Putschversuchs komplett umgestalten, indem man alle sozialen Gruppen ausschließt, die sich diesem Putsch widersetzt haben.“

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