Atheisten aus Desinteresse


„Beten verboten“ – manche Atheisten sind geradezu stolz darauf, dass bei ihnen nicht gebetet wird. (dpa picture alliance/ Arno Burgi)
Die Mehrheit der Deutschen sieht ihren gelebten Atheismus als Beleg für die eigene Aufgeklärtheit, sagt der Journalist Uwe Bork. Nicht der Islam kappe die christlichen Wurzeln in Deutschland, sondern der zunehmende Atheismus.

Von Uwe Bork | Deutschlandradio Kultur

Es gehört schon einiges dazu, mit einem einzigen Satz in die Geschichte einzugehen. Christian Wulff ist es gelungen. Deutschlands glückloser Ex-Präsident gehört zweifellos zu jenen, die sich mit nur wenigen Worten in die Geschichtsbücher geredet haben. „Der Islam gehört inzwischen auch zu Deutschland“ betonte er 2010 und fand damit nicht nur bei deutschen Muslimen Anerkennung.

Das Märchen vom christlichen Westen

Recht hat er, finde ich. Und dennoch: Der Anteil der Muslime in unserem Land liegt bei bloß fünf Prozent, die eigentlichen Umbrüche in der deutschen Gesellschaft gibt es anderswo. So bezeichnen sich etwa in Berlin nur noch 30 Prozent und in Leipzig gar nur 15 Prozent der Bevölkerung als Christen, selbst im pietistischen Stuttgart ist es kaum mehr als die Hälfte. Mögen die Scheinriesen eines rechten Populismus also noch so sehr gegen eine drohende Islamisierung wettern, eigentlich müssten sie einräumen: Es ist ein zunehmender Atheismus, der dem vorgeblich christlichen Abendland seine christlichen Wurzeln kappt und der unser Land verändert. Und zwar flächendeckend.

Zu den Märchen – oder etwas intellektueller formuliert: zu den Narrativen des deutschen Bewusstseins gehört es zwar, dass der Westen Deutschlands Teil der christlichen Kernlande dieser Welt war, während im Osten jahrzehntelang die Heiden herrschten und statt die Dreifaltigkeit lieber das Dreigestirn Marx, Engels und Lenin anbeteten.

Dieses Bild ist jedoch falsch. Sicher, in der DDR gehörte der Atheismus trotz einer Blockflöte spielenden Ost-CDU gleichsam zum Tafelsilber einer im dialektischen Materialismus geschulten Elite. Aber auch im Westen ist das Bekenntnis zum christlichen Gott schon lange nicht mehr zwingend für Seelenheil und Karriere.

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