Ein BGH-Richter wütet gegen politische Korrektheit


Jazzer des Rechts: Kein deutscher Richter schreibt spannender, keiner sorgt für mehr Recht-Streit als Thomas Fischer Foto: Martin U. K. Lengemann
Thomas Fischer, Deutschlands berühmtester Strafrichter, provoziert und polarisiert. Zuletzt in der „Nein heißt Nein“-Debatte. Dabei will er nur dem Volk zu seinem Recht verhelfen.
 

Von Uwe Schmitt | DIE WELT

Die öffentliche Figur des Thomas Fischer gibt es in mindestens dreifacher Ausfertigung. Da ist der höflich-empfindsame Gesprächspartner, der niemandem Böses will und von der Jurisprudenz schwärmt wie von einer Geliebten. Dieser Mann verschwindet seit 2013 an Sitzungstagen unter der dunkelroten Robe des Vorsitzenden Richters des 2. Strafsenats am Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe. Fischers exquisiter Sachverstand wird selbst von jenen gerühmt, die ihm, gewöhnlich anonym, brachialen Führungsstil und mangelnde Ausgleichsfähigkeit im Senat nachsagen. Beide Varianten des Mannes verdichten sich in einer dritten, der des „Zeit“-Kolumnisten. In „Fischer im Recht“ entzückt er seine Fans mit brillantem Wüten gegen Politische Korrektheit und rechtliche Überregulierung ebenso wie er etliche Fachkollegen entsetzt.

Thomas Fischer schreibt assoziativ, mit satirischen Finten und Stilbrüchen zwischen Schriftsatzdiktion und obszönem Gassenjargon über ein Thema improvisierend, er geht dabei auf volles Risiko. Rockmusiker wollte er mit 20 werden, dann Schriftsteller, endlich, erst mit 28 Jahren, Jurist. Der Kolumnist Fischer versöhnt seine Seelen in der Gedankenfreiheit des Jazz. Kein deutscher Richter schreibt spannender, keiner sorgt für mehr Recht-Streit.

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