Religionspolitik: „Die Kritik an Ditib ist berechtigt“


ditib

Nach Hamburg und Bremen wollten weitere Bundesländer Staatsverträge mit Islamverbänden schließen, um etwa islamischen Religionsunterricht zu regeln. Doch nun ist der größte Vertragspartner in Ungnade gefallen: die Ditib. Es stehe zu befürchten, dass die türkische Politik über Ditib Einfluss in deutschen Schulen nehme, erklärt der Journalist Ulrich Pick.

Monika Dittrich im Gespräch mit Ulrich Pick | Deutschlandfunk

Monika Dittrich: Die Ditib ist der größte Islamverband in Deutschland, der allerdings eng mit der staatlichen türkischen Religionsbehörde Dianet verbunden ist – vom verlängerten Arm Erdogans ist dieser Tage oft die Rede. Angesichts der politischen Lage in der Türkei wurde nun wohl manch einem deutschen Politiker mulmig zumute bei der Vorstellung, einen Staatsvertrag ausgerechnet mit der Ditib zu schließen, und sowohl in Niedersachsen als auch in Rheinland-Pfalz steht es mit den Verhandlungen nicht zum Besten. In Mainz bin ich jetzt mit meinem Kollegen Ulrich Pick verbunden, früherer Türkeikorrespondent und ein ausgewiesener Kenner deutscher Religionspolitik. Seit Jahren beobachtet er die Islamverbände und die Diskussion über Staatsverträge und Islamunterricht. Herr Pick, die Verträge, sowohl in Niedersachsen als auch in Rheinland-Pfalz waren ja eigentlich längst Unterschriftsreif. Worüber wird jetzt im Kern noch gestritten?

Ulrich Pick: Ja, momentan, wird gestritten über den Status von Ditib, vor allen Dingen was in der Folge des Putsches in der Türkei hier in Deutschland in den Moscheen geschehen ist. Nämlich, das Stichwort heißt: Erdogan in den Moscheen, Erdogan möglicherweise dann auch im Klassenzimmer, und das will man natürlich vermeiden.

„Ditib – der deutsche Arm des türkischen Religionsministeriums“

Dittrich: Sie beobachten die Ditib seit vielen Jahren. Halten Sie die Kritik denn für berechtigt? Mit wem haben wir es hier zu tun?

Pick: Ich halte die Kritik für berechtigt. Wir müssen allerdings ganz genau hingucken. Die Ditib ist sozusagen der deutsche Arm des türkischen Religionsministeriums. Das heißt, dieses Religionsministerium entsendet seine Imame, die türkische Staatsbeamte sind und von der Türkei bezahlt werden, in die deutschen Moscheen. Es sind knapp tausend, die die Ditib hier unterhält. Das heißt, hier fließt Geld nach Deutschland und hier sind auch Abhängigkeiten von der Finanzierung aus Ankara.

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