NS-Raubgut: Leihverkehr mit Buchenwald


Weltberühmt: Weimars 1761 gegründete Anna-Amalia-Bibliothek. Foto: REUTERS
Mehr als 12.000 Bücher in Weimars Herzogin Anna Amalia-Bibliothek stehen unter Raub-Verdacht. Jedes nach 1933 erworbene Buch kommt auf den Prüfstand.

Von Christian Eger | Frankfurter Rundschau

Im November 1942 erhält die Thüringische Landesbibliothek in Weimar Leserpost aus Buchenwald. Der SS-Hauptsturmführer Waldemar Hoven mahnt, dass er zwei bestellte Bücher „noch nicht“ (unterstrichen) erhalten habe. „Experimentelle Untersuchungen über Rußinhalationen bei Tieren“ und einen ähnlichen Titel zur Sache. „Für eine möglichst baldige Beschaffung wäre ich dankbar.“

Hoven ist seit Juli 1942 Standortarzt im Konzentrationslager Buchenwald. Im Dienst der chemischen Industrie führt er Versuche mit Impfstoffen durch, tötet Hunderte Häftlinge mit Injektionen. Mit einer Schrift über die Behandlung von Tuberkulose wird er 1943 an der Universität Freiburg promoviert. Heute weiß man, dass der 1948 hingerichtete stellvertretende Leiter der Abteilung Fleckfieber- und Virusforschung des Hygiene-Instituts der Waffen-SS in Buchenwald die Dissertation nicht selbst geschrieben hat. Zwei Häftlinge hatten diese Arbeit zu erledigen. Ein Betrug, für den die Bücher so „dringend“ benötigt worden sind.

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