Sila Gencoglu: Du gehörst der finsteren Erde


© Archiv Sie reiht sich nicht ein in den Chor der Erdogan-Jubler: Die Sängerin Sila Gencoglu.
Präsident Erdogan lädt zur Massenkundgebung, und alle folgen seinem Ruf . Nur die berühmte Sängerin Sila nicht. Daraufhin wird sie mit Hass und Häme überschüttet: Ein Lehrstück aus der neuen Türkei.

Von Bülent Mumay | Frankfurter Allgemeine

Wie in jeder anderen Sprache gibt es die Vokabel „mögen“ selbstverständlich auch im Türkischen. Doch leider bedeutet das Zusammenspiel von fünf oder zehn Buchstaben nicht, dass die Gesellschaft auch mit der Bedeutung des so zustande kommenden Verbs vertraut wäre. Wir Türken lieben oder hassen. Von „mögen“ verstehen wir nichts. Ebenso wenig verstehen wir etwas vom „nicht mögen“. Entweder wir vergöttern, oder wir sind erbitterte Gegner. Eine türkische Redewendung lautet: „Entweder gehörst du mir oder der finsteren Erde.“ Anders gesagt: Wer uns nicht gehören will, den bedrohen wir nett mit dem Tod. Was wir in der jüngsten Vergangenheit erlebt haben, hat zweifellos unsere Intoleranz gegenüber „dem anderen“ um ein Vielfaches erhöht. In einer zunehmend polarisierten Gesellschaft wird es immer schwieriger, eine abweichende Stimme zu sein. Anders zu denken und zu sagen, was man denkt, ist in der Türkei schon immer schwierig gewesen. Heutzutage erfordert es jedoch mehr als Mut.

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