Richard Dawkins über die Unwahrscheinlichkeit Gottes


Bild: RDF
Wie entstand die Komplexität und Vielfalt des Lebens? Warum erweckt es den Anschein von Design? Auf diese und andere Fragen gibt Richard Dawkins Antworten.

Von Richard Dawkins | Richard Dawkins-Foundation

Vieles von dem, was Menschen tun, tun sie im Namen Gottes. Iren sprengen sich in seinem Namen gegenseitig in die Luft. Araber sprengen sich in seinem Namen selbst in die Luft. Imame und Ayatollahs unterdrücken in seinem Namen Frauen. Jüdische Schächter schneiden in seinem Namen lebenden Tieren die Kehle durch. Die religiösen Errungenschaften der Vergangenheit – blutige Kreuzzüge, folternde Inquisitionen, massenmordende Konquistadoren, Kultur-zerstörende Missionare, rechtlich durchgesetzter Widerstand gegen jedes neue Stück wissenschaftlicher Wahrheit bis zum letzten Augenblick – sind sogar noch beeindruckender. Und wozu war all das gut? Ich denke, es wird immer klarer, dass die Antwort lautet: Für absolut gar nichts. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass irgendein Gott jemals existiert hat und gute Gründe für die Annahme, dass Götter nicht existieren und nie existiert haben. Es war alles eine riesige Zeitverschwendung und eine riesige Verschwendung von Menschenleben. Es wäre ein Witz kosmischen Ausmaßes, wenn es nicht so tragisch wäre.

Warum glauben Menschen an Gott? Für die meisten Menschen ist der Grund noch immer eine Variante des alten Arguments vom Design. Wir sehen um uns herum die Schönheit und Komplexität der Welt – der aerodynamische Flügelschlag einer Schwalbe, die Zartheit der Blumen und der Schmetterlinge, die sie bestäuben; durch ein Mikroskop beobachten wir das Gewimmel des Lebens in jedem Tropfen und Tümpel Wasser, durch ein Teleskop machen wir die Baumkrone eines gigantischen Mammutbaums aus. Wir denken über die elektronische Komplexität und die optische Perfektion unserer Augen nach, mit denen wir das alles sehen. Haben wir auch nur die geringste Vorstellungskraft, löst all dies bei uns ein Empfinden der Ehrfurcht und der Andacht aus. Uns fällt die offenkundige Ähnlichkeit lebender Organe mit den sorgfältig geplanten Entwürfen menschlicher Ingenieure ins Auge.

Die Uhrmacher-Analogie des Priesters William Paley aus dem 18. Jahrhundert ist der berühmteste Ausdruck dieses Arguments für die Existenz Gottes. Selbst, wenn man nicht wüsste, was eine Uhr ist, müsste einen der offensichtliche Design-Charakter ihrer Zahnräder und Federn zu der Schlussfolgerung nötigen, „dass die Uhr einen Uhrmacher gehabt haben muss; dass es zu einer bestimmten Zeit an dem einen oder anderen Ort einen Handwerker oder mehrere Handwerker gegeben haben muss, dass der Macher die Uhr zu dem Zweck entwickelte, zu dem sie uns heute dient; dass er ihren Aufbau verstanden hat und dass er ihre Bestimmung festlegte.“ Falls dies schon auf eine simple Uhr zutrifft, wie viel wahrer muss es dann für das Auge, das Ohr, für die Lunge, für das Ellbogengelenk, für das Gehirn sein? Diese schönen, komplexen, verzwickten und offensichtlich zu einem Zweck gebauten Strukturen müssen ihren eigenen Designer, ihren eigenen Uhrmacher gehabt haben – Gott.

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