Mittelalterliche „Judensau“: Wittenberger Streit


Mahnmal gegen die mittelalterliche „Judensau“, ein Schmäh- u. Spottbild auf die Juden, an der Stadtkirche St. Marien in der Lutherstadt Wittenberg. Foto: © epd-bild / Norbert Neetz
Ein Londoner Theologe fordert, das „Judensau“-Relief an der Stadtkirche zu entfernen und nur in einem Museum zu zeigen.
 

Von Dirk Pilz | Frankfurter Rundschau

Seit 700 Jahren findet sich an der Wittenberger Kirche St. Marien ein Sandsteinrelief. Es ist ein Spottbild, eine „Judensau“: Man sieht eine Sau, an deren Zitzen eine Schar Menschen säugen; sie tragen Spitzhüte und sind so als Juden gekennzeichnet. Hinter der Sau ist ein Rabbiner zu erkennen, der den Schwanz und eines der Hinterbeine der Sau hebt, um ihr in den Anus zu schauen.

Das ist unzweifelhaft eine antisemitische Karikatur: Juden im intimen Kontakt mit jenem Tier, das in der Thora als unrein gilt. 1570 wurde zudem die Inschrift „Rabini Schem Ha Mphoras“ hinzugefügt. Sie spielt auf eine Buchstabenspekulation der Kabbala an und gilt als Name Gottes. Martin Luther, der in der Stadtkirche predigte, hat in einer seiner antisemitischen Schriften von 1543 darauf Bezug genommen und die Karikatur indirekt verteidigt.

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