Strobl und die Atheisten


Bild: Screenshot Youtube
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Gestern Abend gab es im Fernsehen einen dieser Momente, in denen man sich als Atheist schäbig und bloßgestellt vorkommt, in eine Ecke mit der AfD gestellt. Der christliche Regierungssender ZDF lud bei Maybrit Illner zu illustrer Runde zum Thema „Kanzlerin der Flüchtlinge“. Ohne Widerspruch blieb dabei eine verbale Entgleisung des Gastes Thomas Strobl

Von Bernd Kammermeier | Richard Dawkins-Foundation

Als Landesvorsitzender der CDU Baden-Württembergs und einer der stellvertretenden Vorsitzenden der Bundes-CDU gehört Thomas Strobl eher zu den ruhigeren Politikern. Zwar fragt man sich, warum ein Demokrat Mitglied einer pflichtschlagenden Studentenverbindung sein muss, da gerade diese die Mensur als wichtige Hilfe zur Persönlichkeitsbildung ansieht, aber die Geschmäcker sind verschieden. Auffälliger ist da schon eher Strobls diesjährige Äußerung bei der Bundestagsdebatte zum sogenannten „Asylpaket“ von CDU/CSU. Er sprach sich für Gesetzesänderungen im Asylrecht aus: „Die Gesetze macht bei uns in Deutschland nicht der Prophet, die macht bei uns in Deutschland das Parlament.“ Der Journalist Peter Zudeick nannte diese Weisheit satirisch überspitzt „den dämlichsten Satz der Woche“.

Der kretschmannsche Innenminister befürwortet natürlich Stuttgart 21. Als Landespolitiker, der die Verantwortung dafür mitträgt, muss er das wohl. Aber musste er dem prominentesten Gegner des Projekts, dem Schauspieler Walter Sittler, „mangelndes Demokratieverständnis“ unterstellen und ihn als jemand bezeichnen, „der in Wahrheit mit unserer Demokratie nichts am Hut hat“? Strobls Begründung: Sittlers Vater war einst Mitglied der NSDAP. Das nennt man Sippenhaft, wie die Südwestpresse vom 30. Oktober 2010 feststellte. Ein Ausrutscher in der Hitze des Gefechts? Nein. In einem Newsletter veröffentlichte Strobl ein Bild des Schauspielers mit der Behauptung: „Sein Vater war Nazi-Funktionär und arbeitete für Reichspropagandaminister Joseph Goebbels: Walter Sittler, Propagandist der S21-Bewegung.“ Der Beleidigte erwiderte, sein Vater sei kein Funktionär, sondern NSDAP-Mitglied gewesen und habe nicht für Goebbels, sondern für das Auswärtige Amt gearbeitet. Immerhin entschuldigte sich Strobl hinterher – nach einer Aufforderung.

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2 Gedanken zu “Strobl und die Atheisten

  1. Natalie Vu

    Das war eine bodenlose Frechheit und man möchte sich nicht ausmalen was passiert wäre, wenn er so etwas gegenüber einer bestimmten Religions Gemeinschaft gesagt hätte.
    Ich fordere solange eine Entschuldigung, bis ich eine bekomme.
    Er denkt wirklich dass ganz Deutschland christlich ist und dass sein Club die Moral, Anstand & Hilfsbereitschaft gepachtet hat.
    Nach meinem Wissen sind über 45% der Deutschen konfessionslos.
    Der Rest teilt sich in Katholiken, Evangelen, Muslimen, Hindus, Juden usw.
    auf. Unter den 45% mag der ein oder andere Deist sein oder welche die von organisierter Religion nichts halten, sich jedoch als „spirituell“- was auch immer damit gemeint ist, bezeichnen.
    Trotzdem sind wir eine beträchtliche Zahl.
    Ein Politiker der religiös argumentiert und dass in unserer Zeit, ist absolut daneben.
    Wir wissen auch ganz genau dass er nur hilft- oder pro Helfen ist, weil er es als seine christliche Pflicht sieht und sich somit goldene Punkte für den Himmel sichern will.
    Wenn ich helfe dann tue ich es weil ich etwas Positives & Gutes tun möchte und nicht weil ich muss und dafür belohnt werden will.
    Denn das ist egoistisch!

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