Chiffre für die Ohnmacht der Aufklärung


Die Türme des brennenden World Trade Center in New York am 11. September 2001 (picture-alliance / dpa)
Die Türme des brennenden World Trade Center in New York am 11. September 2001 (picture-alliance / dpa)
„Es wird nichts mehr so sein, wie es war“, behaupteten „FAZ“ und „Bild“ am Tag nach 9/11. Stockhausen sprach vom „größten Kunstwerk“ und die „New York Times“ teilte die Welt in ein Vorher und Nachher ein. Bedeutete der Angriff auf das World Trade Center wirklich eine welthistorische Zäsur?

Von Arno Orzessek | Deutschlandradio Kultur

Kaum nötig zu sagen: Der antike römische Philosoph Lukrez konnte von der Glotze, die 9/11 spä­ter zu einem globalen Gemeinschaftsereignis machen würde, noch nichts wissen.

Er wusste aber einiges über Zuschauer-Psychologie.

Lukrez behauptete, es sei „süß“, vom festen Ufer aus die Seenot anderer zu beobachten, und eben­falls „süß“, einer Schlacht von sicherer Warte aus zuzusehen.

Wollte Lukrez Schadenfreude anpreisen? Nein, es ging ihm, wie Hans Blumenberg in „Schiffbruch mit Zuschauer“ gezeigt hat, um das selbstbewusste Verhältnis des Philosophen zur tumultuösen Wirklichkeit. Und näher um den Vorzug, so Blumenberg, „einen unbetreffbaren festen Grund der Weltsicht zu haben“.

Im Original flötete Lukrez, am süßesten sei es angesichts des Unberechenbaren, die „wohlbefestig­ten heitern Tempel innezuhaben, erbaut durch die Lehre der Weisen.“ Nicht nur Montaigne sah’s ge­nauso. Gelassenheit heißt das Programm.

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