„Der Antijudaismus ist noch nicht überwunden“


Foto: epd-bild/Alexander Baumbach. bearb.: bb
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Negatives in der Bibel wurde oft dem Alten Testament und damit dem Judentum zugeschrieben. Die Theologie müsse diese „Schuldgeschichte“ reflektieren, sagt die Grazer Bibelwissenschaftlerin Irmtraud Fischer.

Von Franziska Lehner | Die Presse.com

„Der Dialog mit dem Islam ist so dominant, dass das Gespräch mit dem Judentum unterzugehen droht“, sagt Irmtraud Fischer, Professorin für alttestamentliche Bibelwissenschaften an der Universität Graz. Migrations- und Fluchtbewegungen beeinflussten die Themen, die in der Aufnahmegesellschaft relevant werden. Die Theologin fordert dazu auf, sich nicht zu selektiv auf den Islam zu konzentrieren: Sie fürchtet um die Errungenschaften des christlich-jüdischen Dialogs in Österreich. „Der Antijudaismus ist noch nicht überwunden“, sagt Fischer. In ihrem jüngsten Forschungsprojekt hat sie die christlich-jüdische Versöhnung nach 1945 analysiert.

„Wenn auch christliche Kirchen nicht direkt an der Erarbeitung und Verbreitung des arischen und antisemitischen Gedankenguts beteiligt waren, ließen sich viele Theologen doch von den Ideen der Nationalsozialisten beeinflussen“, sagt Fischer. Der Boden für antisemitische Gedanken war bereitet und Jüdisches wurde automatisch abgewertet. Daher galt das Alte Testament als Verheißungserzählung, nicht aber als Erfüllung. Die positive Bedeutung der Bibel wurde nur dem Neuen Testament zugebilligt.

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