„Das christliche Abendland ist eine Chimäre“


Das Bündnis Pegida verteidige christliche Werte, die es selber nicht hoch halte, kritisierte der Theologe Manfred Becker-Huberti im Interview mit dem Deutschlandfunk. (dpa / Kay Nietfeld)
Das Bündnis Pegida verteidige christliche Werte, die es selber nicht hoch halte, kritisierte der Theologe Manfred Becker-Huberti im Interview mit dem Deutschlandfunk. (dpa / Kay Nietfeld)
Vorrang für Zuwanderer aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis: Das fordert die CSU. Das „christliche Abendland“ sei ein Kampfbegriff, sagte der Theologe und Brauchtumsforscher Manfred Becker-Huberti im DLF. Oft werde er benutzt, um unchristliche Ziele durchzusetzen. Die Ausgrenzung von Fremden sei „völlig daneben“ für einen Christen.

Manfred Becker-Huberti im Gespräch mit Christiane Florin | Deutschlandfunk

Christiane Florin: „Vorrang für Zuwanderer aus dem christlich-abendländischen Kulturkreis“, lautet eine der Forderungen aus dem CSU-Papier vom Wochenende. Weil das nach unchristlicher Selektion klingt, stellte die Partei auf Nachfragen klar, dass Schutzbedürfigen weiterhin unabhängig von der Religionszugehhörigkeit geholfen werden sollte. Wer aber einwandern will, solle dem genannten Kreis angehören.

Damit verbindet sich der Glaube, dass christliche Abendländer leichter integrierbar sind als – wie wäre der Gegensatz? – muslimische Morgenländer vielleicht? Um das Christlich-Abendländische einzukreisen, möchte ich nun mit Manfred Becker-Huberti sprechen. Er ist Theologe, Kommunikationswissenschaftler und Autor zahlreicher Bücher über das christliche Brauchtum. Das Abendland geht meistens erst dann auf, wenn selbiges unterzugehen droht. Wann wurde der Begriff „christliches Abendland“ erstmals erwähnt?

Manfred Becker-Huberti: Der Begriff Abendland ist alt. Er kommt aus der Antike, ist aber ein politischer Begriff und ist es auch geblieben bis in die Romantik hinein, wo dann gelegentlich von christlichem Abendland die Rede ist. Das lag völlig quer zu der historischen und politischen Erfahrung und wurde benutzt unter den Nationalsozialisten im Hintergrund, die sich dann das „christlich“ wieder aus dem Bart strichen. Das kam dann wieder in den 60er-Jahren neu auf, ging wieder unter und ist jetzt erst in jüngerer Zeit wieder im Gespräch. Es beschreibt eine Chimäre, die es nie gegeben hat.

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