Das schlechte Image der Gentechnik

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Bayer übernimmt nun Monsanto für 66 Milliarden Dollar. Damit stellen sich auch Fragen zur Zukunft der Grünen Gentechnik. Ihr Image ist maßgeblich vom „Modell Monsanto“ geprägt. Doch es könnte ein Auslaufmodell sein. Umweltschützer befürchten, dass damit eine Landwirtschaft gestärkt wird, die auf Gentechnik und Pestizide setzt. Doch es könnte auch anders kommen.

Von Gábor Páal | SWR2

Rückblick: Vor zwanzig Jahren wurden in den USA die ersten gentechnisch veränderten Sojabohnen angepflanzt. Bald folgten Mais, Raps und Baumwolle. Den Markt der Grünen Gentechnik dominieren Pflanzen, die genetisch resistent gemacht werden gegen Glyphosat. Das Herbizid kann dann gespritzt werden, ohne dass es der Kulturpflanze schadet. Monsanto vertreibt das Saatgut gleich im Paket mit den dazugehörigen Herbiziden. Dieses Modell beherrscht inzwischen fast die komplette Mais- und Sojaproduktion in Nord- und Südamerika. Die Folgen sind bekannt: Riesige Monokulturen, ökologische Einöde, viel Glyphosat.

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Fonds für »Märtyrer«

Europäische Steuergelder für den Terror? Diese Frage ist so alt wie die Palästinensische Autonomiebehörde selbst, deren Haushalt weitestgehend durch Hilfsleistungen der internationalen Gemeinschaft finanziert wird – auch aus Deutschland.

Von Paul Bentin | Jüdische Allgemeine

Neu dagegen ist das Eingeständnis der Bundesregierung, dass ein Teil dieser Gelder, die eigentlich für den Aufbau von Schulen, Krankenhäusern und einer zivilen Infrastruktur gedacht sind – Berlin zählt mit jährlich über 160 Millionen Euro immerhin zu den größten Geberländern –, zweckentfremdet wird und in einen Fonds für sogenannte Märtyrer fließt. Das jedenfalls brachte eine Anfrage des grünen Bundestagsabgeordneten und Vorsitzenden der Deutsch-Israelischen Parlamentariergruppe, Volker Beck, zutage.

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Ein Niqab hat nichts mit Religion zu tun – Dummheit entfacht shitstorm

Bild: Seekrug, Bielefeld/Facebook
Bild: Seekrug, Bielefeld/Facebook
„Mein Haus, meine Regeln.“ So einfach ist die Rechnung für den Wirt des Lokals Seekrug in Bielefeld. Vergangenen Samstag hatte er eine verschleierte Frau seines Biergartens verwiesen, als diese sich ihm und seiner Frau gegenüber weigerte, das Gesicht zu zeigen. Der Vorfall ereignete sich kurz vor einem Fest im Biergarten, zu dem bis zu 1.000 Gäste kommen.

Von VICE Staff

So kurz vor einer großen Feier war dem Wirtspaar Christian und Rita Schulz unwohl gewesen, eine Nikab tragende Frau an einem ihrer Tische zu sehen: „Es waren schon ein paar hundert Leute da, als zwei Frauen mit einigen Kindern auftauchten. Die eine Frau war komplett schwarz gekleidet. Nur ihre Augen waren durch einen Schlitz zu sehen“, so Christian Schulz gegenüber dem Westfalen-Blatt.

In der Stadtbahn oder der Fußgängerzone müsse er vollverschleierte Frauen hinnehmen. „Aber nicht in meinem Lokal. Ich möchte meine Gäste sehen.“ Deshalb habe er die Frau gebeten, ihr Gesicht offenzulegen. Im Gegenzug fragte ihn die Aufgeforderte, ob er eine Textilallergie habe und wollte mit dem Wirt über die Situation diskutieren: „Das tue ich aber grundsätzlich nicht, wenn ich Leute vor die Tür setze, zum Beispiel erkennbare Neonazis“, so Schulz. Auch Gäste in Kleidung der Marke Thor Steinar oder bekleidet mit anderen Insignien der Neonaziszene habe er schon mal rausgeworfen, erklärt der Wirt gegenüber der Neuen Westfälischen.

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Atheismus: Immer wieder sonntags

HP der Sunday Assembly, Screenshot: BB
HP der Sunday Assembly, Screenshot: BB
Vor zwei Jahren wurde der deutsche Ableger der Sunday Assembly in Hamburg gegründet. Unter diesem Namen trifft sich eine bekennend säkulare Gemeinde. Es gibt Musik, Lesungen und gemeinsames Schweigen. Die Kirche ohne Gott hat dieselben Probleme wie die mit Gott: Das Publikumsinteresse lässt nach.

Von Arne Schulz | Deutschlandfunk

„Wir sind heute hier, um das Leben zu feiern. Wir vergessen leider viel zu oft, das Leben zu feiern. Und es ist so toll, dass wir da sind, dass wir überhaupt existieren. Unser Motto ist: Lebe besser, hilf oft und staune öfter.“ Es ist ein heißer Spätsommertag im Herzen St. Paulis. In einem autonomen Kulturzentrum in der Sternstraße hat sich die „Gemeinde“, von den Stühlen erhoben: Kreisende Hüften, schnipsende Finger und Stimmen, die nach der passenden Tonlage suchen.

Der Ablauf ist immer derselbe. Die beiden Erfinder aus London, die Komiker Sanderson Jones und Pippa Evans, haben ihn fest vorgegeben. Es gibt unter anderem eine Lesung, einen Vortrag, Zeit für eine stille Reflexion. Aber vor allem viel Musik. Viele der Elemente erinnern an einen christlichen Gottesdienst.

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Flüchtlinge: Rückkehrabkommen mit Afghanistan bis Ende des Jahres

Das Bundesinnenministerium will mit Afghanistan bis Ende des Jahres ein Abkommen zur Rückführung abgelehnter Asylbewerber vereinbaren. Die Verhandlungen hätten Fortschritte erbracht, ein Abschluss werde noch im laufenden Jahr angestrebt, sagte ein Sprecher des Ministeriums am Donnerstag in Berlin.

evangelisch.de

Dabei soll vor allem auf die freiwillige Rückkehr der Asylbewerber gesetzt werden. Nach Angaben des Ministeriums gab es im ersten Halbjahr dieses Jahres 18 Abschiebungen, im selben Zeitraum aber 2.305 freiwillige Ausreisen. Für die Betroffenen werden dabei die Transportkosten übernommen. Dazu gibt es eine „Reisebeihilfe“ sowie im Fall von Afghanistan auch eine Starthilfe in Höhe von 500 Euro.

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Dodo Marx redet bei den Gebärmüttern mit

Quelle: www.bgland24.de
Quelle: http://www.bgland24.de

Kardinal Marx an die teilnehmenden Lebensschützer: „Durch den alljährlichen Marsch setzen Sie ein augenfälliges Zeichen des Respekts vor der Würde eines jeden menschlichen Lebens.“

kath.net

Der Bundesverband Lebensrecht e. V. ruft am kommenden Samstag (17. September 2016) zur Teilnahme beim jährlich stattfindenden „Marsch für das Leben“ unter dem Leitthema „Jeder Mensch ist gleich wertvoll“ in Berlin auf. Die Aktion plädiert für den Schutz menschlichen Lebens von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod und richtet sich gegen Eingriffe in das vorgeburtliche Leben sowie Praktiken der Sterbehilfe. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, wendet sich in einem Grußwort an die Teilnehmer der Veranstaltung und wünscht ihnen gutes Gelingen.

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2016 ist das bislang tödlichste Jahr im Mittelmeer für Flüchtlinge

Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Seit Beginn des Jahres sind Tausende Flüchtlinge im Mittelmeer gestorben. dpa
Der Flüchtlingsdeal mit der Türkei könnte brüchig werden, über das Mittelmeer kamen in diesem Jahr 294.450 Flüchtlinge, davon 166.880 nach Griechenland

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise gelingt möglicherweise ein Waffenstillstand in Syrien. Der von der deutschen Regierung, vor allem von der Bundeskanzlerin, mit der Türkei ausgehandelte Flüchtlingsdeal geht allerdings allmählich in die Brüche, obgleich Merkel verbissen daran festhalten will, um ihre Regierung nicht durch Opposition aus den eigenen Reihen und der AfD, aber auch nicht durch den Widerstand aus anderen EU-Mitgliedsländern zu gefährden. Solange nur sehr wenige Flüchtlinge aus der Türkei nach Griechenland gelangen wie in letzter Zeit, kann Merkel von Erfolg ihrer Politik sprechen.

Aber nun steigt die Zahl der Flüchtlinge, die aus der Türkei nach Griechenland gelangen, wieder deutlich an. Waren sie zunächst über den Landweg gekommen, so wurde dieser von Griechenland mit EU-Unterstützung durch den Bau einer Mauer gesperrt, die damit am Anfang des neuen Drangs zur Festung Europa durch Grenzsperren stand, sieht man einmal von den Abwehrzäunen in den spanischen Enklaven Melilla und Ceuta ab. Erst als die Flüchtlinge aus den Krisengebieten Syrien, Irak und Afghanistan über das Mittelmeer zu den griechischen Inseln kamen und diese letztes Jahr immer mehr wurden, ist klar geworden, dass diese Grenze mit den vielen Inseln nahe dem türkischen Festland nur mit hohem Aufwand zu sichern wäre. Allerdings müssen Flüchtlinge auf dem Meer gerettet werden und sie können nicht einfach zurückgeschickt werden, wenn die Türkei sie nicht aufnimmt.

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Ungarn: Großoffensive gegen „Brüsseler Reichsbürokratie“

Viktor Orban will keine Flüchtlinge aufnehmen. Foto: AFP
Viktor Orban will keine Flüchtlinge aufnehmen. Foto: AFP
Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán liegt im Dauerstreit mit der EU. In der Flüchtlingsdebatte benutzt er die Ressentiments gegen Flüchtlinge und die europäische Wut auf seinen Rechtspopulismus.

Von Ulrich Krökel | Frankfurter Rundschau

Ungarn aus der EU werfen: Luxemburgs Außenminister Jean Asselborn hat mit seinem Vorstoß viel Staub aufgewirbelt. Mittlerweile hat sich der ein wenig gelegt und den Blick auf die schwierige Wirklichkeit freigegeben. Zu sehen ist ein Land, das 1989 flüchtenden DDR-Bürger half und nun Schutzzäune gegen Asylsuchende errichtet. Migration sei „ein Gift“, sagt der rechtsnationale Ministerpräsident Viktor Orbán: „Jeder Einzelne, der kommt, stellt eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit dar.“

Asselborn gestand am Mittwoch, seinem Unmut über die „propagandistische Hysterie in Ungarn“ mit einem allzu „plumpen Aufschrei“ Luft gemacht haben. An seiner Kritik hält er aber fest. „Wir dürfen in Wertefragen nicht gleichgültig bleiben, sonst wird die Idee dieses großartigen Projekts EU ersticken“, sagte er im Deutschlandfunk.

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Der unantastbare Glaube

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Ich erinnere mich, wie die Menschen aus den brennenden Türmen sprangen. Ich nahm Bush damals nicht ernst, als er sagte: Die Terroristen hassen uns für unsere Freiheiten.
 

Von Jonathan Raphael

Terror ist nach fünfzehn Jahren ein Codewort geworden für Islamismus. Jetzt will der Senat die Codierung beenden. Sie verwirrt diesen Terror mit anderen Formen, entmenschlicht die Opfer des Islam und erschwert die Auseinandersetzung mit ihm. Obama weigert sich. Die Mehrheit der Muslime sei friedlich und deute den Islam also richtig (er ist eine Religion des Friedens).

Natürlich ist die relative Zahl der Märtyrer (darauf läuft es hinaus, den Westen anzugreifen) gering. Was nicht mehr codiert oder verschleiert werden darf: Die Angriffe auf den Westen, der Islam und die Verhältnisse in den islamisch-mitregierten Staaten bilden ein Kontinuum. Von friedlichen Muslimen und einer Religion des Friedens zu reden, ist in der Tat Appeasement.

Westliche Muslime sprechen nicht für den Islam. Die Verhältnisse in islamisch-mitregierten Staaten sprechen für den Islam. Gruppen wie der Islamische Staat vertreten dieselben Regeln, unter denen die Mehrheit aller Muslime weltweit leidet. Ganz banal und ohne Aufschrei droht Schwulen, Atheisten und Konvertiten im Nahen Osten Verfolgung und oft die Todesstrafe (die einzige freie Gesellschaft dort ist Israel). Eine winzige Minderheit der Frauen im Islam kann davon träumen, sich nach Laune zu kleiden oder zu heiraten, wann und wen sie will.

Religiöse Gewalt und Rechte

Die Regime, Kriege, Genozide und generelle Rückständigkeit des Nahen Osten haben natürlich mit der Religion zu tun. Deutungen haben sich an der Wirklichkeit auszurichten, andersrum ist es Schönfärberei. Prägung (aus Jahrhunderten der Kirchenherrschaft) gibt uns ein, den Namen des Glaubens, der mehr getan hat als irgendetwas sonst, das Abendland zu beuteln, gleichbedeutend mit „gut“ zu verwenden (christlich). Die Neigung zu glauben, der Islamische Staat könne mit der wahren Religion nichts zu tun haben (er sei unislamisch), erklärt sich auf dieselbe Weise.

Bezeichnend auch, dass sich Deutschlands Kirchen nach 1945 im Widerstand zeigen. Wer über die Verstrickung der Kirche, die Religiosität Nazideutschlands und die Vorgeschichte der Shoah liest, wird sich wundern. Moderne Hobbyreligiosität (Sonntagsglaube oder glauben, bis es beinah ernst wird) verträgt sich schlecht mit dem, was der Monotheismus ist, wo er herrscht wie heute in der Dritten Welt, der islamischen Welt und in Nischen noch bei uns. Als Phänomen des Kulturalismus waren Kinderehen bis eben (September 2016) erlaubt. Erst nach den Anschlägen im vergangenen Sommer (bei denen Deutsche der religiösen Gewalt in Deutschland persönlich begegnet sind) fanden wir den moralischen Kompass wieder.

Neu ist die Islamophobie-Hysterie. Das Wort Islamophobie ist instrumentalisierte Sprache. Es macht eine Ideologie, einen Glauben (so vielfältig der Islam sein mag), unantastbar. Wer ohne Selbstzensur redet, begibt sich in Terrorgefahr und wird zugleich als Populist isoliert. Die Liste ernsthafter Islamkritiker ist voller Fatwas. Wer sonst hat ins Schwarze getroffen, wenn nicht Konvertiten wie Ayaan Hirsi Ali.

Seit Theo van Goghs Tod wird Islamkritik wahrgenommen wie Rassismus. Nicht islamische Gewalt wird wahrgenommen, sondern ihre Gegenreaktion amplifiziert. Es gilt das Gebot, Muslime nicht zu reizen. Vierundzwanzig Stunden nach dem Massaker in der Redaktion von Charlie Hebdo brachte Asghar Bukari auf Sky News diese neue Sichtweise auf den Punkt: Europas Umgang mit Muslimen sei wie die Rassentrennung in den Südstaaten der Dreißigerjahre.

In Teilen ist die Islamkritik der neuen Rechten sicher fremdenfeindlich. Solange es keine vernünftige Kritik von Seiten des Mainstreams gibt, wird das nur zunehmen. Man begegnet der neuen Rechten genauso falsch wie den Muslimen. Die einen behütet man vor nötiger Kritik, die anderen erklärt man rundheraus für schlecht. Überall fehlt Glaubenskritik (rein sachliche, atheistische Auseinadersetzung mit Ideen) und echter Respekt vor den Menschen.

Die Niederschlagung immer neuer Terrorgruppen wird den Islamismus nicht besiegen. Sogar umgekehrt, die Radikaliserung setzt sich fort—auch in Nischen des Westens. Gerade jetzt im Informationszeitalter, mit seiner eigenen Ahistorität und Fragmentierung, brauchen wir ein klares Bekenntnis zur Vernunft. Die Islam-Auseinandersetzung, die den Republikanern im Senat von Obama vorschwebt, wäre bestimmt kein guter Kompromiss. Zu sehr hängen die amerikanischen Politiker heute (die Gründerväter waren anders) am Christentum und einer provinziellen Vorstellung von Amerika. Bessere Alternativen liegen an uns.

Was macht eine freie Gesellschaft aus?

Wie wir handeln, ergibt sich immer aus dem, was wir glauben. Auf der einen Seite steht das Glauben, das mit der Welt einen (mehr oder weniger) logischen Dialog führt, das (mehr oder weniger) kluge Glauben. Daneben steht der unantastbare Glaube, abgehoben von der Wirklichkeit: Religionen, Sekten, privater Wahn und weltliche Ideologien.

Die Kritik-Tabuisierung (Islamkritik gleich Islamophobie) ist die Umkehr der Tabu-Kritik der Aufklärung, ein Verrat an den Idealen der eigenen Gesellschaft. Man tut fast so, als kenne das kritiklose Geltenlassen potentiell gefährlicher Ideen nur die Alternative einer Dystopie wie in Minority Report. Glaubenskritiker erscheinen uns, wenn nicht als Nazi, doch als Faschisten der Gedankenpolizei. Dieser Haltung liegt ein Begriff von Freiheit zugrunde, der sein Gegenteil bedeutet.

Nicht nur folgt unser Handeln immer aus dem, was wir von Moment zu Moment glauben, sondern auch Freiheit, die immer persönliche Freiheit ist, besteht nur in bestimmten Formen der Gesellschaft. Solche sind mehrmals in der Geschichte entstanden. Das frühe Bagdad ist ein Beispiel aus dem Mittelalter. Während Europa vom Christentum in einen Fieberwahn versetzt worden war, herrschte relative Offenheit im Kalifat, ein Pragmatismus, zeitweise fast frei von Dogmatismus, mit bleibenden Errungenschaften. Das hier entscheidende ist aber, dass diese Blütezeit zu Ende ging, als Ghazali die Theologie zur zentralen, zur einzigen Wissenschaft im Islam etablierte, und dass seit tausend Jahren keine Tradition des Humanismus oder der Wissenschaft im Islam entstehen konnte.

Wie in der islamischen Welt bis heute sichtbar, bilden Monotheismus und Feudalstaat eine natürliche Einheit. Europa begann sich ab der Renaissance vom Monotheismus zu erholen. Das betraf Christen und Juden, die in Europa lebten. Wie man sich an die Vorbilder aus der Antike erinnerte, wuchs die Skepsis am Obrigkeitsdenken. Von der Kirche zunächst verfolgt und dann Schritt für Schritt absorbiert (die Kirche behauptet heute, sie entstünden aus ihr) entstanden Wissenschaft und Humanismus erneut.

Es ist die Essenz jeder Religion, bereits etablierte Weisheiten mit absurden Behauptungen zu verwirren. In der ersten Phase des Wiedererwachens der Vernunft in Europa riskierte sein Leben, wer die alten Ideen anzweifelte. Man tat es oft nur indirekt, verdeckt. Atheisten in Ländern wie Saudi-Arabien und dem Iran sind noch heute gezwungen, es so zu tun. In Europa entstand eine Streitkultur, angelehnt an das Beispiel der Griechen und Römer, die Streitkultur der Aufklärung. Die Virginia Bill of Rights 1776 (die erste moderne Grundrechtserklärung) und die amerikanische Revolution waren ihr Sieg. Hier fanden konstitutive Form: die Glaubensfreiheit, die Trennung von Kirche und Staat, die Meinungsfreiheit, das Petitionsrecht, das Versammlungsrecht und die Pressefreiheit.

Das sind die Fundamente freier Gesellschaften, und freie Gesellschaften sind das Merkmal der modernen Zivilisation. Die Welt ist besser durch sie, bei allen Fehltritten des Westens. Neben Semperoper und Ballermann mag die Einfachheit des Glaubens ein Idyll erscheinen. Unsere Freiheiten gelten mehr.

Keine Probleme bekannt mit der doppelten Staatsbürgerschaft

Der Doppelpass © Fotomontage: MiG
Der Doppelpass © Fotomontage: MiG
Die doppelte Staatsbürgerschaft wird von Unionspolitikern immer wieder Problematisiert. Wie die Bundesregierung jetzt einräumt, haben diese Diskussionen keine Datengrundlage. Grünen-Politiker Beck wirft Unionspolitikern vor Pokemons in der Fata Morgana zu jagen.

MiGAZIN

In Deutschland wurden in den Jahren 2000 bis 2015 fast eine Million (958.701) Menschen eingebürgert und behielten dabei ihre bisherige Staatsangehörigkeit. Laut Mikrozensus 2015 lebten in Deutschland insgesamt rund 1,7 Millionen Menschen mit doppelter Staatsangehörigkeit. Die Meisten hatten neben der deutschen Staatsbürgerschaft einen russischen, polnischen, türkischen oder einen kasachischen Pass. Das teilt die Bundesregierung auf eine parlamentarische Anfrage des Grünen-Bundestagsabgeordneten Volker Beck mit. Die Antwort liegt dem MiGAZIN vor.

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Bayer Just Bought Monsanto, Here’s Why You Should Care

Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
Glyphosat ist nicht der einzige Inhaltsstoff in Pflanzenschutzmitteln, der bedenklich ist. (Foto: Flickr/ Roundup, Monsanto by Mike Mozart CC BY 2.0)
A giant company just bought another giant company, but if you’re not an investor or a farmer, you may not have noticed. Bayer—the aspirin company that also makes farm products like pesticides—announced on Wednesday it was merging with Monsanto, the massive genetically-modified seed producer that owns about a third of the seed market in the US.

By Kaleigh Rogers | MOTHERBOARD

The $66 billion merger is the largest this year, and means Bayer now controls more than a quarter of all seeds and pesticides on the planet, according to the BBC. But what’s even crazier is that this is just the latest in a long list of big mergers of agricultural companies this year, meaning the options for where farmers buy their seeds, pesticides, and fertilizers are shrinking at lightning speed.

If this all sounds vaguely threatening but you’re not sure why, it’s because there’s a chance these mergers could put additional pressure on farms, leading to higher food prices, or even threaten food security.

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Kaliforniens Gouverneur verärgert Frauen mit Festhalten an „Tampon-Steuer“

 Weniger Mehrwersteuer für Tampons? Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown lässt das nicht zu. © ShatShare/Getty Images
Weniger Mehrwersteuer für Tampons? Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown lässt das nicht zu. © ShatShare/Getty Images
Kaliforniens Gouverneur Jerry Brown hat sein Veto gegen die Aufhebung der sogenannten „Tampon-Steuer“ eingelegt und sich damit den Zorn von Frauen zugezogen.

stern.de

„Meine Gebärmutter muss die Last der verantwortlichen Haushaltsführung dieses Bundesstaats tragen“, kritisierte die kalifornische Abgeordnete Cristina Garcia über Twitter. Garcia hatte den Gesetzentwurf eingebracht, der für Hygienewaren wie Tampons und Windeln einen ermäßigten Steuersatz vorsah. In den USA findet die Idee wachsenden Rückhalt, Artikel für weibliche Hygiene niedriger zu besteuern – so wie das etwa bei Lebensmitteln oder Wasser der Fall ist. Die Bundesstaaten New York und Illinois haben dies bereits beschlossen.

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Bautzen: Randale zwischen Flüchtlingen und Rechten

Ein Großaufgebot der Polizei steht in Bautzen (Sachsen) auf der
Ein Großaufgebot der Polizei steht in Bautzen (Sachsen) auf der „Platte“, dem Kornmarkt. Foto: dpa
Im sächsischen Bautzen kommt es erneut zu schweren gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen jungen Flüchtlingen und rechten Bautzenern. Die Polizei muss mit einem Großaufgebot einschreiten.

Frankfurter Rundschau

In der sächsischen Stadt Bautzen ist es zu Auseinandersetzungen zwischen Einheimischen und Flüchtlingen gekommen. Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, seien mehrere Notrufe eingegangen, die Beamten seien mit einem Großaufgebot zum Bautzener Kornmarkt ausgerückt. Rund 80 gewaltbereite Männer und Frauen, laut Polizei „augenscheinlich gewaltbereit“ und aus dem „politisch rechten Spektrum“, hätten sich dort zusammengerottet und Parolen skandiert. Unter anderem hätten sie „Bautzen und der Kornmarkt den Deutschen“ skandiert, wie der MDR zitiert. 20 junge Flüchtlinge hätten der Menge gegenüber gestanden.

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Türkei: 60.000 Lehrer fehlen – Heldenkunde als Ersatz

 Schüler der weiterführenden Tevfik-İleri-İmam-Hatip-Schule in Ankara im Jahr 2014, vor dem Putsch. (Foto: REUTERS)
Schüler der weiterführenden Tevfik-İleri-İmam-Hatip-Schule in Ankara im Jahr 2014, vor dem Putsch. (Foto: REUTERS)
Die Ferien gehen zu Ende und 60 000 Lehrer fehlen. Kein anderer Bereich ist so sehr von den Nachwirkungen des Putschversuchs betroffen wie die Schulen in der Türkei.

Von Mike Szymanski | Süddeutsche.de

Für Zekeriya Çakmak, Türkisch- und Literaturlehrer am Istanbuler Galatasaray-Gymnasium, beginnt das neue Schuljahr mit dem Fach: allerneueste Geschichte. Am 15. Juli hat ein versuchter Militärputsch die Türkei erschüttert. Das Land nach den Ferien ist ein anderes als vor den Ferien, das muss den Schülern erklärt werden. Çakmaks Schule startet am 19. September deshalb mit einer Projektwoche. Erste Instruktionen vom Erziehungsministerium sind eingetroffen: Die erste Schulwoche möge man einem „Programm zum Sieg der Demokratie“ widmen. Heldenkunde.

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Glaubensfehde in luftiger Höhe?

jesus_schaukel

Unbekannte haben in Bayern Gipfelkreuze zerstört. Die Wut auf das Glaubenssymbol zeugt von Engstirnigkeit. Wer Toleranz predigt, muss sie auch gegenüber den Christen walten lassen
 

Von Thomas Goppel | Cicero

Es gehört zu unserem Leben – das Kreuz. Es prägt unsere Kultur, unseren Alltag. Es fungiert als punktgenaue Markierung, in seinem Kern als Zielpunkt, als Lotzeichen, als Schlussstrich, als Signal. Es bewirkt in der Bekreuzigung nicht nur für Olympioniken Selbstvertrauen und Ermutigung, wischt Bedenken weg und bändigt Hyperventilation. Es mobilisiert zusätzliche Kräfte und beschließt viel, auch, was wir erst zögerlich und im Verbund mit anderen angehen. Es steht für „Auf geht’s“ ebenso wie für ein erleichtertes „geschafft“, steht als Ersatz für die tatsächliche Empfindung für (fast) alles.

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Deutschland schließt Botschaft in der Türkei

© dpa Diese Woche geschlossen: die deutsche Botschaft in Ankara (Archivbild)
© dpa Diese Woche geschlossen: die deutsche Botschaft in Ankara (Archivbild)
Die deutsche Botschaft in Ankara bleibt dieser Tage dicht. Der Grund ist die Sicherheitslage in einer für Muslime wichtigen Woche.

Frankfurter Allgemeine

Die deutsche Botschaft und deutsche Schulen in der Türkei sind ein weiteres Mal geschlossen worden. In der Türkei verlautete am Mittwoch, es gebe Sicherheitsbedenken. Aus dem Auswärtigen Amt in Berlin hieß es zunächst nur, in der laufenden Woche, in der in der Türkei das islamische Opferfest gefeiert werde, seien die deutschen Auslandsvertretungen „eingeschränkt erreichbar und für den Publikumsverkehr geschlossen“. Das solle noch bis Freitag so bleiben.

Zunächst hatte die „Bild“-Zeitung darüber berichtet. Der Grund sind Hinweise auf geplante Anschläge gegen diplomatische und konsularische Vertretungen, die sich nicht abschließend überprüfen lassen.

Astronomen entschlüsseln Geheimnis der rasanten Entwicklung des Zentralsterns im Stingray-Nebel

Diese Abbildung des Stingray-Nebels, einem planetarischen Nebel, der 2.700 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, wurde 1998 mit der Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) des Hubble-Weltraumteleskops aufgenommen. Im Zentrum des Nebels befindet sich der Stern SAO 244567, der sich schnell entwickelt. Beobachtungen aus den vergangenen 45 Jahren zeigten, dass die Oberflächentemperatur des Sterns um fast 40.000 Grad Celsius stieg. Nun ergeben neue Beobachtungen, dass der Stern SAO 244567 wieder begonnen hat abzukühlen. Bild: ESA/Hubble & NASA
Diese Abbildung des Stingray-Nebels, einem planetarischen Nebel, der 2.700 Lichtjahre von der Erde entfernt ist, wurde 1998 mit der Wide Field and Planetary Camera 2 (WFPC2) des Hubble-Weltraumteleskops aufgenommen. Im Zentrum des Nebels befindet sich der Stern SAO 244567, der sich schnell entwickelt. Beobachtungen aus den vergangenen 45 Jahren zeigten, dass die Oberflächentemperatur des Sterns um fast 40.000 Grad Celsius stieg. Nun ergeben neue Beobachtungen, dass der Stern SAO 244567 wieder begonnen hat abzukühlen. Bild: ESA/Hubble & NASA
Einem internationalen Team von Astronomen ist es mithilfe von Daten des Hubble-Weltraumteleskops gelungen, eine bisher nicht beobachtete Sternentwicklung in Echtzeit zu studieren. Frühere Beobachtungen des Sterns mit dem Namen SAO 244567 ließen einen dramatischen Anstieg seiner Temperatur erkennen.

innovations report

Neueste Daten belegen nun, dass sich der Stern in den vergangenen Jahrzehnten deutlich abgekühlt haben muss und damit in eine frühere Lebensphase wiedergeboren wurde. SAO 244567 ist bisher der einzige wiedergeborene Stern, der sowohl während der Aufheizungs- als auch der Abkühlungsphase beobachtet wurde.

Die Studienergebnisse werden nun in den Monthly Notices of the Royal Astronomical Society publiziert. Neben Professor Klaus Werner und Dr. Thomas Rauch gehörte auch die Erstautorin der Studie Dr. Nicole Reindl zum Institut für Astronomie und Astrophysik der Universität Tübingen; sie forscht mittlerweile an der britischen University of Leicester.

Obwohl sich das Universum ständig verändert, laufen die meisten Prozesse viel zu langsam ab, als dass man sie während eines Menschenlebens beobachten könnte. „SAO 244567 bildet eine Ausnahme. Er ist eines der seltenen Beispiele von Sternen, die es uns erlauben, die Sternentwicklung in Echtzeit mitzuerleben“, erklärt Nicole Reindl.

Zwischen 1971 und 1990 hatte sich die Temperatur des Sterns verdoppelt, so Reindl. Der Stern sei dabei sogar so heiß geworden, dass es möglich gewesen sei zuzusehen, wie er seine früher abgestoßene Hülle ionisiert habe.

Dieser leuchtende Nebel ist seitdem aufgrund seiner Form als Stingray-Nebel bekannt – Stingray ist das englische Wort für Stachelrochen. Beobachtungen von SAO 244567 wurden über die vergangenen 45 Jahre aufgenommen. Während ihrer Doktorarbeit in Tübingen, die von der Astronomischen Gesellschaft als die beste 2015 im deutschsprachigen Raum erschienene Doktorarbeit ausgezeichnet wurde, analysierte Reindl sämtliche Beobachtungen von SAO 244567, die über die letzten Jahrzehnte aufgenommen wurden.

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Theologie der Taufe gegen Rechts

In den europäischen Staaten sind rechtspopulistische Parteien auf dem Vormarsch. Egal ob in den Niederlanden, Frankreich, England, Schweden oder eben jetzt auch in Deutschland. Scheinbar mühelos erreichen sie derzeit zweistellige Wahlergebnisse. Sie bedienen mit ihren Auftritten Ressentiments und schüren Ängste, die weit in die Mitte der Gesellschaften hinein reichen: Angst vor dem Fremden und dem eigenen sozialen Abstieg.

Von Thomas Klatt | evangelisch.de

Im Grunde könne man bei allen rechten Parteien in Europa ähnliche Denkmuster finden. Sie seien extrem exklusiv, weil es um das vermeintlich zu bewahrende und zu schützende „Wir“ einer Nation und eines Volkes gehe: „Beim Rechtspopulismus kommt zum vertikalen Gegensatz zwischen den Eliten oben und dem Volk unten noch der horizontale Gegensatz zwischen einem homogen imaginierten Volk, das für ein positives Image steht, und den nicht zum Volk gehörenden Menschen, die draußen bleiben sollen“, erklärt der katholische Theologe Wolfgang Palaver von der Universität Innsbruck.

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Verlag zieht Arbeitsblatt mit Erdogan-Karikaturen zurück

Bild: Magazin "The Economist"
Bild: Magazin „The Economist“
Die Türkei nach dem gescheiterten Putsch, das ist auch Thema in deutschen Schulen. Ein Arbeitsblatt mit Erdogan-Karikaturen stößt nun auf Kritik des türkischen Konsulats, der Schulbuchverlag reagiert.

Von Swantje Unterberg | SpON

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan im Sultanskostüm, Hermelin über den Schultern, eine Gasmaske in der linken Hand, eine Gebetskette in der rechten: In dieser Pose der Macht hat das britische Magazin „The Economist“ den Präsidenten bereits 2013 auf der Titelseite abgebildet. Jetzt ist die Karikatur Diskussionsgrundlage im Politikunterricht. Oder besser gesagt, war: Der verantwortliche Verlag hat das Arbeitspapier nach Protesten aus dem Generalkonsulat vorerst zurückgezogen.

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Europe Has Added 1.1 Billion Stars to Its Milky Way Map

An annotated version of Gaia's sky map. Image: ESA/Gaia/DPAC
An annotated version of Gaia’s sky map. Image: ESA/Gaia/DPAC
The European Space Agency (ESA) has released the first batch of data from its Gaia star mapping project—a mission that is currently on track to chart one billion stars in the Milky Way.

By Ben Sullivan | MOTHERBOARD

The space telescope launched in 2013 and its first data dump contains the precise celestial position and brightness of a mammoth 1,142 million stars. The release also contains the distances and movements for more than two million stars so far.

ESA’s director of science Alvaro Giménez told a press conference held at the European Space Astronomy Centre in Spain on Wednesday morning that the data release features around 490 billion astrometric, 118 billion photometric, and 10 billion spectroscopic measurements.

“[The] Final survey will contain [around] 250,000 Solar System Objects, 1,000,000 galaxies, and 500,000 quasars,” said Giménez.

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