Religionskritik – wie geht das richtig? Die Freiheit sich abzuwenden

Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Zur Religionsfreiheit gehört das Recht, eine Religionsgemeinschaft zu kritisieren oder sie zu verlassen. Das sagte der Theologe Heiner Bielefeldt im Deutschlandfunk. Er ist(war, Anm.) Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats. Bielefeldt plädierte dafür, nicht zu verallgemeinern. Religion sei veränderbar. Auch durch Kritik.

Heiner Bielefeldt im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Bielefeldts Grundthese: Religion ist soziale Praxis. Menschen gestalten und tragen Religion. Deshalb sind Religionen historisch offen. Die Verantwortung des Menschen werde aber negiert, wenn Religionen etwa unterstellt werde, sie seien im Kern gewalttätig. Das sei eine fatalistische Position, sagte Bielefeldt. Wer behaupte, der Islam oder das Christentum seien per se intolerant, entlasse deren Anhänger aus der Verantwortung. Religionskritik sei wichtig, müsse sich aber an die Regel halten, dass den Religionsgemeinschaften zugetraut werde, sich zu verändern.

Andreas Main: Oft überschlagen sich die Emotionen in Religionsdebatten. In einer Zeit der Schlagwörter schlagen viele mit Wörtern nur so um sich. Zum „Schlagwort-Sprech“ gehört zum Beispiel der Begriff „Generalverdacht“. Die einen sagen, Muslime würden unter „Generalverdacht“ gestellt. Die Gegenseite sagt, „Islamkritiker“ würden unter „Generalverdacht“ gestellt. Wir wollen in dieser Woche ganz nüchtern fragen: Religionskritik – wie geht das richtig? Heute geht diese Frage an Heiner Bielefeldt. Er ist Theologe, Philosoph und Historiker und Professor an der Uni Erlangen-Nürnberg. Seit sechs Jahren ist Bielefeldt bei den Vereinten Nationen Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Er sagt ganz klar: Zur Religionsfreiheit gehört auch die Freiheit, eine Religionsgemeinschaft zu kritisieren oder sie zu verlassen. Er ist uns jetzt live zugeschaltet in Nürnberg. Guten Morgen Herr Bielefeldt.

Heiner Bielefeldt: Guten Morgen Herr Main.

Main: Herr Bielefeldt, bevor wir später dazu kommen, wie Religionskritik richtig geht, sagen Sie uns zuerst: Welche Form von Religionskritik geht gar nicht?

Bielefeldt: Also, rechtlich ist ja fast alles erlaubt. Das muss auch so sein. Das gehört zur Meinungsfreiheit, das gehört zur Religionsfreiheit im Übrigen auch, so, wie Sie gesagt haben. Rechtlich ist ganz viel erlaubt, auch nicht nur scharfe Kritik, Häme, aber ob das dann sinnvoll ist, ob das wirklich weiter führt, ist eine völlig andere Frage. Ich denke, ein Respekt, nicht vor den Religionen, sondern vor den Menschen, die in Religionen leben, ist Voraussetzung dafür, dass das in einer demokratischen Gesellschaft auch wirklich zum Gespräch führt. Deshalb also Genauigkeit, hinhören, keine – wie soll man sagen? – so Pappkameraden aufbauen, an denen man sich abarbeiten kann. Das gehört dazu, dass Religionsfreiheit auch sinnvoll ist, weiterführt, zur Klärung der schwierigen Fragen hilft. Aber rechtlich erlaubt ist fast alles.

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Ordensschwester: ‚Europa hat die Wölfe reingelassen‘

Hatune Dogan. Bild: hatunefoundation.com
Hatune Dogan. Bild: hatunefoundation.com
Türkische Ordensschwester Hatune Dogan übt bei Vortrag in Deutschland scharfe Kritik an der Flüchtlingspolitik der EU: „Ich glaube nicht, dass jemand, der den Koran wirklich lebt, normal sein kann für uns.“

kath.net

„Ich glaube nicht, dass jemand, der den Koran lebt, für uns normal sein kann.“ Dies berichtete die Ordensschwester Hatune Dogan bei einem Vortrag in Deutschland in Auenheim bei Kehl wie „Baden Online“ berichtet. Die Ordensschwester spricht beim Vortrag Klartext und meint zur Flüchtlingspolitik von Europa, dass Europa die Wölfe hereingelassen habe. Damit seien die muslimischen Flüchtlinge gemeint. Zu den Schafen zählte sie hingegen die unterdrückten und verfolgten Christen aber auch die Jesiden.

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aej und BDKJ stellen sich hinter Amadeu-Antonio-Stiftung

In einer gemeinsamen Stellungnahme sprechen sich die Jugendverbände der evangelischen und der katholischen Kirchen in Deutschland für eine Fortdauer der staatlichen Förderung für die umstrittene Stiftung aus.

Von Claudius Grigat | evangelisch.de

„Die Amadeu-Antonio-Stiftung ist seit vielen Jahren eine engagierte Mitstreiterin für unsere demokratische Kultur in Deutschland. Mit ihrer Arbeit gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus Rassismus, Homophobie und Sexismus setzt die Amadeu-Antonio-Stiftung klare Zeichen und unterstützt Verbände, Initiativen und Projekte vor Ort in ihrem wichtigen Engagement. Als Arbeitsgemeinschaft der Evangelischen Jugend in Deutschland (aej) und Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) schätzen wir die Arbeit der Stiftung und das fundierte Wissen ihrer Mitarbeitenden“ heißt es in einer am Montag verbreiteten Erklärung.

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Al-Nusra: Vorbereitungen zum nächsten Emirat in Syrien

Al-Nusra-Front, Bild: Propagandamaterial
Al-Nusra-Front, Bild: Propagandamaterial
Die koordinierten Angriffe Russlands und der USA gegen die al-Qaida-Miliz sollten plangemäß die nächsten Tage beginnen
 

Von Thomas Pany | TELEPOLIS

Die sieben Tage-Frist läuft ab. Die Waffenruhe in Syrien ist seit vergangenen Montagabend, den 12. September, in Kraft. Nach Plan sollte die Arbeit an der Einrichtung eines gemeinsamen russisch-amerikanischen Operationszentrum (Joint Implementation Center – JIC) längst begonnen haben und in den nächsten Tagen einsatzfähig sein.

Dann sollten laut den Vereinbarungen, die Lawrow und Kerry bekannt machten, koordinierte Angriffe auf Gebiete in die Wege geleitet werden, die von der al-Nusra-Front kontrolliert werden. Milizen, die sich selbst zur „moderaten Opposition“ zählen und von den Dschihadisten abgrenzen, sollten dies dadurch unter Beweis stellen, dass sie sich klar ersichtlich aus diesen Gebieten zurückziehen. Nur so würden sie von Luftangriffen verschont.

Vorwürfe dominieren

Jüngste Medienberichte zum Stand der amerikanisch-russischen Zusammenarbeit sind nicht optimistisch. Vorwürfe dominieren. US-Außenminister Kerry ließ am vergangenen Freitag über seinen Sprecher John Kirby mitteilen, dass das JIC erst dann ein gerichtet würde, wenn die UN-Konvois mit den Hilfsgütern an den Orten ankommen, wo sie erwartet würden.

Kerry soll laut Kirby mit Lawrow telefoniert und darum gebeten haben, dass der russische Außenminister seinen Einfluss auf die Regierung Assad geltend mache. Laut Aussage des UN-Sondergesandtem de Mistura von vergangener Woche fehlen die amtlichen Passierscheine.

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Säkularität in die Verfassung

Wichtig ist nicht, dass es Freiheit für Religion gibt, sondern auch Freiheit von Religion.

Von Gerhard Engelmayer | Die Presse

Die Religionsfreiheit wird auch seitens der Kirche als wichtig empfunden, obwohl von der Aufklärung gegen den Widerstand der Kirche durchgesetzt. In der Tat ist Religionsfreiheit für die moderne Welt eine der Stützen für ein friedliches Zusammenleben, vor allem in einer globalisierten Welt, in der es viele Religionen gibt, die alle behaupten, die Wahrheit zu vertreten.

Die großen Kirchen haben sich damit arrangiert und halten Seminare ab, wie man zu einem friedlichen Zusammenleben mit anderen Religionen kommt, meist unter dem Titel „Dialog mit . . .“.

Keine Vorschriften

Dass es Menschen gibt, die solche Seminare gar nicht brauchen, liegt daran, dass sich diese Menschen heraushalten und anderen keine Vorschriften machen wollen, was sie zu denken und zu tun haben. In Anlehnung an Farkas könnte man formulieren, dass die Religion uns von den Problemen befreit, die wir ohne sie gar nicht gehabt hätten. Diese Menschen schwören auf Religion im stillen Kämmerlein oder überhaupt auf Religionsabstinenz. Aber sie schwören auch wie einst Voltaire darauf, dass sie ihr Leben dafür geben wollen, dass der andere seine Meinung sagen kann*, auch wenn sie diese für falsch oder vielleicht sogar für kompletten Stuss halten.

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*Anm.: Das Zitat ist von Evelyn Beatrice Hall und nicht von Voltaire.

Michael Frensch über Anthroposophie „Als Anhänger verlieren Sie Ihre Freiheit“

Rudolf Steiner (Bild: public domain)
Rudolf Steiner (Bild: public domain)

Verleger Michael Frensch wurde in den 1968ern vom Atheisten zum Anthroposophen. Inzwischen hat er sich mit ihnen überworfen: wegen eines estnischen Mystikers

Das Interview führte Petra Schellen | taz.de

taz: Herr Frensch, sind Sie Anthroposoph oder Christ?

Michael Frensch: Es gibt keinen grundlegenden Unterschied zwischen Anthroposophie und Christentum. Anthroposophie-Begründer Rudolf Steiner legte Wert darauf, dass sich seine Lehre auf das Christentum gründet. Ich selbst bin erst durch die Anthroposophie wieder zum Christentum gekommen.

Wie kam das?

Da muss ich etwas ausholen. Ich bin ein echter 1968er. Habe an der Uni Frankfurt und dann in München studiert und war bald überzeugt von Feuerbachs Thesen über Religion und Christentum. Wurde dadurch Atheist und betrachtete Religion als Opium fürs Volk. Bis ich, 28-jährig, der Lehre Steiners begegnete. Ich war sofort angesprochen.

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Flüchtlingskrise: Deutschland fordert internationale Solidarität

Zum Auftakt des ersten UN-Flüchtlingsgipfels in New York hat Bundesentwicklungsminister Gerd Müller die Zahlung der versprochenen Hilfsgelder für Syrien gefordert.

evangelisch.de

„Es ist ein Skandal, dass manche Länder ihre Hilfen nur auf dem Papier versprechen und die Menschen in und um Syrien hungern müssen und kein Dach über den Kopf haben“, erklärte Gerd Müller (CSU) am Montag. Noch nicht einmal die Hälfte der zehn Milliarden US-Dollar an Hilfen, die bei der Syrien-Konferenz im Februar in London zugesagt wurden, sei umgesetzt worden.

Flüchtlingsfonds gefordert

Die Staats- und Regierungschefs der 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen kommen an diesem Montag in New York zum ersten großen UN-Gipfel zum Thema Flucht und Migration zusammen. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon rief die Länder zu großzügiger Unterstützung für die Opfer von Gewalt und Konflikten auf. Am Dienstag lädt US-Präsident Barack Obama zu einem weiteren Flüchtlingsgipfel bei den UN ein.

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Nichtreligiöse in Ghana: Nicht gottgefällig

In Deutschland weit verbreitet, in Ghana eher nicht: Kernsatz des Humanismus Foto: Photocase / zettberlin
In Deutschland weit verbreitet, in Ghana eher nicht: Kernsatz des Humanismus Foto: Photocase / zettberlin
Wer in Ghana nicht gläubig ist, gehört zu einer Minderheit. Skepsis über Religion sollte lieber vorsichtig geäußert werden.

Von Dshamilja Roshani | taz.de

Schatten zucken im Neonlicht. Der Bass dröhnt, Menschen tanzen und singen, klatschen im Takt zur Gospelmusik. Als der letzte Akkord verklungen ist, erklingt die Stimme des Priesters – sie tönt durch große Lautsprecher: mal beruhigend, mal verständnisvoll. Dann anklagend. Die Menschen erheben sich, sprechen Gebete, recken die Arme zum Himmel. Die Stimme des Priesters wird schneller, lauter, schließlich hält sie inne. Köpfe heben, Münder öffnen sich, und gleichzeitig sprechen sie dasselbe Wort. „Amen.“

Eine Kirchenszene in Ghana, eine von unzähligen. Hunderte verschiedene Kirchen und religiöse Abspaltungen gibt es hier: Methodisten, Anglikaner, Presbyterianer, Katholiken, Lutheraner, Sieben-Tags-Adventisten, Mormonen, Baptisten.

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Missbrauchsver­dacht: Vatikan-Ermittler für Erzbischof-Absetzung

 Foto: AP/Grace Garces Bordallo Anthony Apuron ist seit 1986 Erzbischof in Guam.
Foto: AP/Grace Garces Bordallo Anthony Apuron ist seit 1986 Erzbischof in Guam.
Ein Skandal um Kindesmissbrauch auf einer abgelegenen Pazifik-Insel bewegt die katholische Kirche: Ein vatikanischer Sonderermittler empfahl am Sonntag (Ortszeit) nach dreimonatiger Untersuchung die Absetzung des Erzbischofs im US-Pazifikterritorium Guam.

kurier.at

Ein kirchliches Gericht werde sich um die „äußerst ernsten Vorwürfe“ gegen Erzbischof Anthony Apuron kümmern, der vor Jahrzehnten Ministranten sexuell belästigt haben soll, hieß es in einer Erklärung, die in Guams Kirchen verlesen wurde. Papst Franziskus verfolge den Fall persönlich, hieß es darin.

Verfasst wurde die Erklärung von Erzbischof Savio Hon Tai-Fai, den der Vatikan als Ermittler auf die bei Urlaubern beliebte Insel geschickt hatte, um die Vorwürfe zu klären. Auf die Frage, wie stichhaltig die Anschuldigungen gegen Apuron sind, ging der Ermittler in der Erklärung nicht direkt ein. In allgemeiner Form schrieb er: „Im Namen der Kirche und persönlich will ich mich bei allen Überlebenden sexuellen Missbrauchs entschuldigen, denen an vielen Orten so viel Leid vom Klerus zugefügt wurde.“

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Streit um gefälschte Flüchtlingspässe

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) © MiG
Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) © MiG
Der Streit um gefälschte Flüchtlingspässe geht weiter. Das Bundesamt für Flüchtlinge soll diese nicht erkannt haben. Die Behörde weist Vorwürfe zurück. Die Quote mutmaßlich gefälschter Pässe liege bei etwa sechs Prozent.

MiGAZIN

Der Umgang deutscher Behörden mit gefälschten Flüchtlingspässen sorgt für Streit. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) wies am Wochenende Vorwürfe mehrerer Bundesländer zurück, unechte Pässe von Asylsuchenden mehrfach nicht erkannt zu haben. Zuvor hatte der Rundfunk-Berlin-Brandenburg (RBB) berichtet, dass mehrere Bundesländer den BAMF-Angaben sowohl zu Flüchtlingszahlen als auch zu Identitäten misstrauen.

Dem Bundesamt lägen derzeit „keine konkreten Hinweise“ vor, dass bereits geprüfte und akzeptierte Pässe von Bundesländern im Nachgang beanstandet wurden, hieß es in einer Stellungnahme von Samstagabend. „Sofern sich aus konkreten Fällen neue Erkenntnisse ergeben, die im Zusammenspiel mit anderen Behörden verbessert werden müssen, werden wir dies aktiv angehen“, betonte das BAMF.

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Tierschutz im Schweinestall – Das Geschäft mit dem guten Gewissen

 Ein Schwein ohne Ringelschwanz? Eigentlich unvorstellbar. In der Massentierhaltung gilt er jedoch als Hindernis und wird entfernt, obwohl das eigentlich verboten ist. Das soll sich ändern. (Foto: dpa)
Ein Schwein ohne Ringelschwanz? Eigentlich unvorstellbar. In der Massentierhaltung gilt er jedoch als Hindernis und wird entfernt, obwohl das eigentlich verboten ist. Das soll sich ändern. (Foto: dpa)
  • Der Handel verlangt mehr Tierschutz in der Landwirtschaft – auch weil der Verbraucher das möchte.
  • Die Landwirte sind durchaus willig, fühlen sich aber oft überfordert und gegängelt.
  • Auch in der Politik werden die Aktivitäten der großen Einzelhändler argwöhnisch beobachtet. Denn diese treten oft schon wie Gesetzgeber auf.

Von Silvia Liebrich | Süddeutsche.de

Landwirt Andreas König steht frustriert in seinem Schweinestall. Die Arme vor der Brust verschränkt schaut er auf seine Tiere, die grüne Schildmütze tief ins Gesicht gezogen. Er ärgert sich über das schlechte Image seiner Branche in der Öffentlichkeit – und dann das ständige Gerede über die Massentierhaltung, er könne es nicht mehr hören. „Die Leute brauchen offenbar immer einen Schuldigen, im Moment ist das eben die moderne Landwirtschaft.“ Fast automatisch tätschelt er beim Reden den Kopf eines Schweins, das ihn mit feuchter Schnauze anstupst.

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Türkei: Lehrer sind weggesäubert

erdoganSchulbeginn in der Türkei: Hexenjagd reißt tiefe Löcher

Von Markus Bernath | derStandard.at

Gestern noch Terroristen, heute wieder im Klassenzimmer: Rechtzeitig zum Beginn des Schuljahres in der Türkei an diesem Montag hat zumindest der Gouverneur der überwiegend kurdischen Provinz Tunceli knapp die Hälfte der Lehrer in seinem Gebiet wieder eingestellt. Die Kehrtwende zeigt, welche Ausmaße die Säuberungswelle in der Türkei im derzeit geltenden Ausnahmezustand angenommen hat.

Von 946 Lehrer in der zentralanatolischen Provinz Tunceli waren gerade erst 504 wegen angeblicher Verbindungen zur kurdischen Untergrundarmee PKK gefeuert worden. 419 dieser Lehrer rief der Gouverneur zurück, um einen Unterricht an den Schulen möglich zu machen.

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Hexenprozesse: Nicht nur Sache der Kirche

Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus "Germania" von 1878 (public domain)
Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus „Germania“ von 1878 (public domain)
Kommt man auf Partys auf das Thema Christentum zu sprechen, folgt irgendwann so sicher wie das Amen in der Kirche der Spruch, die Kirche habe doch ganz viel Dreck am Stecken. Da wurden im Mittelalter Millionen weiser Frauen und Kräuterweiblein als Hexen verbrannt. Stimmt, aber es waren keine Millionen, und es war auch nicht unbedingt die Kirche, die sie verurteilte.

Von Thomas Klatt | evangelisch.de

Man müsse die historische Hexenverfolgung heute wesentlich nüchterner sehen, meint der Bamberger Historiker Günter Dippold. Da seien früher Archivfunde selektiv ausgewählt worden, neuzeitliche Hexerei- mit mittelalterlichen Ketzerprozessen einfach vermengt worden. So gab es vor allem Ende des 19. Jahrhunderts im Kulturkampf unter Reichskanzler Otto von Bismarck absichtliche Falschdarstellungen. Die vermeintlich rückständige und den preußischen Reformen abgeneigte römisch-katholische Kirche sollte als Hauptverantwortliche für die Hexenverfolgungen dargestellt werden.

Ähnlich wollten dies später auch die Nationalsozialisten. Auf Geheiß Heinrich Himmlers forschte sogar ein „SS-Sonderkommando Hexen“ in den Archiven. „Es ging um Propaganda-Material gegen Kirchen und um eine vermeintliche biographische Betroffenheit. Heinrich Himmler hielt sich nicht nur für eine Reinkarnation König Heinrichs des Ersten, sondern auch für einen Nachfahren einer im Schwäbischen im 17. Jahrhundert als Hexe hingerichteten Frau“, weiß Historiker Dippold.

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Ein Tier für Bäcker und Philosophen

Ein wunderschönes Tier: Gemeine Wespe, eine Nektarine verspeisend Foto: ap
Ein wunderschönes Tier: Gemeine Wespe, eine Nektarine verspeisend Foto: ap
Am meisten unter einer Wespenplage zu leiden haben traditionell die Bäckerei-Fachverkäuferinnen. Zusätzlich müssen sie auch noch hundertmal am Tag den Kunden, auf deren besorgte Frage, ob sie denn keine Angst hätten, gestochen zu werden, versichern: „Ach, man gewöhnt sich dran.“

Von Hartmut Höge | taz.de

Im Gegensatz zu ihrem Verkaufspersonal profitieren jedoch die Bäckereien von den Wespen. Zum Brotbacken braucht es Hefepilze. Insektenforscher der Universität Florenz fanden unlängst heraus, dass diese außerhalb der Backstube, frei schwebend sozusagen, in den Mägen von Wespen den Winter überleben – nicht hingegen in denen von Bienen. Dazu fütterten die Wissenschaftler weibliche Wespen vor ihrer Überwinterung mit genmarkierten Hefen, deren „Nachkommen“ sie dann im Frühjahr in den Wespenlarven fanden. Als eine der „wichtigsten Nützlinge des Menschen“ bezeichnet die Zeit die Hefe – die Wespe hilft ihr zu überleben und damit dem Bäcker.

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Friedenstheologe Enns warnt vor „Sicherheitswahn“

Es sei vermessen zu glauben, „dass durch unsere ‚gute‘ jene ‚böse‘ Gewalt beendet werden könnte“, betonte der Hamburger Enns, der auch Mitglied im Zentralausschuss des Ökumenischen Rates der Kirchen ist.

evangelisch.de

Der mennonitische Friedenstheologe Fernando Enns hat vor einem „Sicherheitswahn“ im Kampf gegen den Terror gewarnt. „Er gaukelt uns vor, dass uns Aufrüstung, militärische Wehrhaftigkeit, höhere Zäune oder der Einsatz der Bundeswehr im Innern vor solchen Anschlägen schützen können“, sagte Enns am Sonntag im Abschlussgottesdienst des ökumenischen Stadtkirchentages in Bremen. Der freikirchliche Professor für Friedenstheologie und Ethik erinnerte an den Theologen und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, der 1934 gesagt hatte: „Es gibt keinen Weg zum Frieden auf dem Weg der Sicherheit.“

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It Took 1700 Hours to Map a Fly’s Brain

Image: Mizutani et al/Arxiv.
Image: Mizutani et al/Arxiv.
A team of researchers from Tokai University in Japan recently produced the first 3D model of a fruit fly’s neuronal network. The team’s work is an important step forward for neuroscience insofar as it has overcome the limitations of previous brain imaging techniques by providing a much higher resolution image of the brain’s neural network, capable of depicting the shape and position of roughly 100,000 neurons.

By Daniel Oberhaus | MOTHERBOARD

As detailed in a paper published earlier this month on arxiv, the researchers were able to accomplish this by repurposing an imaging technique usually used for creating 3D models of complex molecules.

Known as x-ray crystallography, this technique works by first crystallizing a purified sample of the molecule being studied. It is then bombarded with x-rays and the x-ray diffraction patterns that result are measured. The problem is that the resulting diffraction patterns are actually only showing changes in electron density inside the molecule, not the positions of the atoms themselves—this must be inferred from the electron diffraction measurements.

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Woelki: Erzbistum Köln in personeller Krise

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

An einigen Orten im Erzbistum Köln leiten Priester bis zu vier Seelsorgebereiche. Es mangelt einfach an Personal. Der Kölner Erzbischof Woelki spricht von einer personellen Krise seines Bistums.

domradio.de

In einem Schreiben an alle pastoralen Mitarbeiter wirbt Woelki um Verständnis dafür, dass er an mehreren Orten Priester gebeten hat, bis zu vier Seelsorgebereiche zu leiten. Dies sei ein „Ausdruck der Krise, in der wir uns befinden“.

Zugleich wies der Erzbischof Spekulationen zurück, mit diesen Entscheidungen seien „versteckte Pläne“ für eine neue Struktur verbunden. Dies gelte auch für die Zuteilung von Verwaltungsleitern, so Woelki weiter. Bereits im Juli hatte das Erzbistum nach Abschluss eines Pilotprojekts angekündigt, zur Entlastung seiner Pfarrer in allen 180 Seelsorgebereichen Verwaltungskräfte einzusetzen.

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Proteste gegen TTIP statt soziale Kämpfe im eigenen Land

Protestzug in Berlin. Bild: Stephanie Handtmann/attac.de
Protestzug in Berlin. Bild: Stephanie Handtmann/attac.de
Mit dem Widerstand gegen TTIP und CETA kann man anscheinend gegen den Kapitalismus wettern, ohne die wirtschaftlichen Bedingungen in Deutschland oder anderswo auch nur anzukratzen

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Als großartigen Erfolg „für die freihandelskritische Bewegung“ bewertet das Netzwerk Attac die Demonstrationen von ca. 320.000 Menschen gegen TTIP und CETA am 17. September in sieben deutschen Städten. Dabei wurde in der Pressemitteilung schnell klar, dass es Attac darum geht, innerhalb der SPD die freihandelskritischen Kräfte zu stärken.

Schon im Titel macht Attac deutlich, welche Botschaft von der Demonstration ausgegangen sein soll: „Gabriel muss zur Vernunft kommen“, heißt es da – und dann betont Roland Süss vom Attac-Aktionskreis noch einmal:

Die Demonstrationen sind zudem ein deutliches Zeichen, dass der Versuch von Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel gescheitert ist, der Bevölkerung das geplante Abkommen mit Kanada als harmlos zu verkaufen. Jetzt ist es an den Delegierten des nicht öffentlich tagenden SPD-Parteikonvents am Montag, Gabriel zur Vernunft zu bringen.

Roland Süss

Researchers Just Released the Longest GMO Study Ever

Bild: 4ever.eu
Bild: 4ever.eu
American researchers have conducted a 14-year study on GM crops. They found GMO farms could increase the use of weed killers while decreasing the use of pest killers.

By Jelor Gallego | Futurism.org

Genetically-modified crops are a contentious topic in developed societies because of the ongoing debate on the benefits and environmental drawbacks of creating our own versions of naturally occurring organisms.

Now, researchers have conducted a tremendous study in the field — the longest review of genetically modified crops and pesticide use yet.

The team, which included four academics led by economist Federico Ciliberto of the University of Virginia, studied data taken from 5,000 soybean and 5,000 maize farmers in the U.S. And unlike typical studies that look at data from one or two years, this was a 14-year study from 1998 to 2011.

“The fact that we have 14 years of farm-level data from farmers all over the U.S. makes this study very special,” Ciliberto said in a statement. “We have repeated observations of the same farmers and can see when they adopted genetically modified seeds and how that changed their use of chemicals.”

There are two GMO varieties in maize and soybeans: one kills insects and the other tolerates glyphosate, an herbicide commonly used in weed killers.

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