Hexenprozesse: Nicht nur Sache der Kirche


Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus "Germania" von 1878 (public domain)
Die Hexenprobe. Zeichnung von G. Franz aus „Germania“ von 1878 (public domain)
Kommt man auf Partys auf das Thema Christentum zu sprechen, folgt irgendwann so sicher wie das Amen in der Kirche der Spruch, die Kirche habe doch ganz viel Dreck am Stecken. Da wurden im Mittelalter Millionen weiser Frauen und Kräuterweiblein als Hexen verbrannt. Stimmt, aber es waren keine Millionen, und es war auch nicht unbedingt die Kirche, die sie verurteilte.

Von Thomas Klatt | evangelisch.de

Man müsse die historische Hexenverfolgung heute wesentlich nüchterner sehen, meint der Bamberger Historiker Günter Dippold. Da seien früher Archivfunde selektiv ausgewählt worden, neuzeitliche Hexerei- mit mittelalterlichen Ketzerprozessen einfach vermengt worden. So gab es vor allem Ende des 19. Jahrhunderts im Kulturkampf unter Reichskanzler Otto von Bismarck absichtliche Falschdarstellungen. Die vermeintlich rückständige und den preußischen Reformen abgeneigte römisch-katholische Kirche sollte als Hauptverantwortliche für die Hexenverfolgungen dargestellt werden.

Ähnlich wollten dies später auch die Nationalsozialisten. Auf Geheiß Heinrich Himmlers forschte sogar ein „SS-Sonderkommando Hexen“ in den Archiven. „Es ging um Propaganda-Material gegen Kirchen und um eine vermeintliche biographische Betroffenheit. Heinrich Himmler hielt sich nicht nur für eine Reinkarnation König Heinrichs des Ersten, sondern auch für einen Nachfahren einer im Schwäbischen im 17. Jahrhundert als Hexe hingerichteten Frau“, weiß Historiker Dippold.

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