Religionskritik – wie geht das richtig? Die Freiheit sich abzuwenden


Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Heiner Bielefeldt, Podium, 2011. Bild: brightsblog
Zur Religionsfreiheit gehört das Recht, eine Religionsgemeinschaft zu kritisieren oder sie zu verlassen. Das sagte der Theologe Heiner Bielefeldt im Deutschlandfunk. Er ist(war, Anm.) Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit des UN-Menschenrechtsrats. Bielefeldt plädierte dafür, nicht zu verallgemeinern. Religion sei veränderbar. Auch durch Kritik.

Heiner Bielefeldt im Gespräch mit Andreas Main | Deutschlandfunk

Bielefeldts Grundthese: Religion ist soziale Praxis. Menschen gestalten und tragen Religion. Deshalb sind Religionen historisch offen. Die Verantwortung des Menschen werde aber negiert, wenn Religionen etwa unterstellt werde, sie seien im Kern gewalttätig. Das sei eine fatalistische Position, sagte Bielefeldt. Wer behaupte, der Islam oder das Christentum seien per se intolerant, entlasse deren Anhänger aus der Verantwortung. Religionskritik sei wichtig, müsse sich aber an die Regel halten, dass den Religionsgemeinschaften zugetraut werde, sich zu verändern.

Andreas Main: Oft überschlagen sich die Emotionen in Religionsdebatten. In einer Zeit der Schlagwörter schlagen viele mit Wörtern nur so um sich. Zum „Schlagwort-Sprech“ gehört zum Beispiel der Begriff „Generalverdacht“. Die einen sagen, Muslime würden unter „Generalverdacht“ gestellt. Die Gegenseite sagt, „Islamkritiker“ würden unter „Generalverdacht“ gestellt. Wir wollen in dieser Woche ganz nüchtern fragen: Religionskritik – wie geht das richtig? Heute geht diese Frage an Heiner Bielefeldt. Er ist Theologe, Philosoph und Historiker und Professor an der Uni Erlangen-Nürnberg. Seit sechs Jahren ist Bielefeldt bei den Vereinten Nationen Sonderberichterstatter für Religions- und Weltanschauungsfreiheit. Er sagt ganz klar: Zur Religionsfreiheit gehört auch die Freiheit, eine Religionsgemeinschaft zu kritisieren oder sie zu verlassen. Er ist uns jetzt live zugeschaltet in Nürnberg. Guten Morgen Herr Bielefeldt.

Heiner Bielefeldt: Guten Morgen Herr Main.

Main: Herr Bielefeldt, bevor wir später dazu kommen, wie Religionskritik richtig geht, sagen Sie uns zuerst: Welche Form von Religionskritik geht gar nicht?

Bielefeldt: Also, rechtlich ist ja fast alles erlaubt. Das muss auch so sein. Das gehört zur Meinungsfreiheit, das gehört zur Religionsfreiheit im Übrigen auch, so, wie Sie gesagt haben. Rechtlich ist ganz viel erlaubt, auch nicht nur scharfe Kritik, Häme, aber ob das dann sinnvoll ist, ob das wirklich weiter führt, ist eine völlig andere Frage. Ich denke, ein Respekt, nicht vor den Religionen, sondern vor den Menschen, die in Religionen leben, ist Voraussetzung dafür, dass das in einer demokratischen Gesellschaft auch wirklich zum Gespräch führt. Deshalb also Genauigkeit, hinhören, keine – wie soll man sagen? – so Pappkameraden aufbauen, an denen man sich abarbeiten kann. Das gehört dazu, dass Religionsfreiheit auch sinnvoll ist, weiterführt, zur Klärung der schwierigen Fragen hilft. Aber rechtlich erlaubt ist fast alles.

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