Kein Gott, der uns rettet, in Sicht


Da sitzen sie noch friedlich nebeneinander. Foto: JF
Da sitzen sie noch friedlich nebeneinander. Foto: JF
Gott ist Liebe und Verständigung. Sagen die Diskutanten beim Impulsforum des Philosophicums. Und der wird uns retten. Ihr eigenes Verhalten und das des Publikums lässt Zweifel aufkommen.

Von Jörg Friedrich | DIE KOLUMNISTEN

Man könnte über das Impulsforum des Philosophicum in Lech berichten, indem man erzählt, wie es in dieser Runde zu einem Eklat kommen konnte, in der das Publikum am Ende den FAZ-Journalisten Patrick Bahners mit „Aufhören, aufhören!“-Rufen zum Schweigen brachten. Es wäre eine schöne Illustration für das Wirken des moralischen Wutbürgers, über den ich schon einmal geschrieben hatte. Und es hätte auch mit dem eigentlichen Thema des Forums zu tun, das mit einem Heidegger-Zitat überschrieben war: Nur noch ein Gott kann uns retten. Denn der Gott, den die Diskutanten beschworen, war der der Liebe, Toleranz, der Verständigung. Und wie weit der entfernt ist, das konnte man in diesem Moment sehr praktisch erfahren.

Aber die These, ob es ein Gott ist, der uns retten kann, ist eigentlich interessanter als der Eklat, der dies alles fragwürdig machte.

Heidegger als Slogan, mehr bitte nicht

Gleich zu Beginn entschuldigte sich der Moderator Michael Fleischhacker quasi für das Motto, das man ausgerechnet von Martin Heidegger geborgt hatte. Das berühmte Zitat stammt aus dem Spiegel-Interview, das der Philosoph am 24. September 1966 gegeben hatte. Dass der Satz somit fast genau 50 Jahre alt ist, merkte der Moderator an, allerdings hat er vermutlich dennoch nicht genauer in den Text des Interviews geschaut. Denn weder ist richtig, dass Rudolf Augstein das Interview vor allem mit dem Ziel geführt hat, Heidegger zu einer Beurteilung seiner Vergangenheit im Nationalsozialismus zu bewegen, auch wenn das von Prominenten Heidegger-Verächtern gern immer wieder behauptet wird, noch, dass Heidegger dort seine „pessimistische Gesellschaftssicht weitergeschrieben“ hätte.

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