„Faschistische Mentalität war nie tot“


Die Eigentumsverhältnisse blieben unangetastet: italienische Faschisten in den zwanziger Jahren Foto: afp
Die Eigentumsverhältnisse blieben unangetastet: italienische Faschisten in den zwanziger Jahren Foto: afp
Für Faschisten ist die Gesellschaft ein lebender Organismus: der israelische Politologe Zeev Sternhell über die Aktualität ihres Denkens.

Interview Jan Feddersen | taz.de

taz: Herr Sternhell, nach dem Zweiten Weltkrieg und nach dem Holocaust dachte die Welt, die faschistische Gefahr sei vorüber. War das eine unsinnige Diagnose?

Zeev Sternhell: Das war das Ergebnis davon, das Wesen des Faschismus und auch des Nazismus zu missverstehen. Für die meisten Menschen in Europa war es sehr bequem zu denken, dass die 1920er und 1930er nicht mehr waren als ein unglückliches Ergebnis des Ersten Weltkrieges. Ein Unfall, der nicht wirklich zur Geschichte dieser Länder gehörte. Für Benedetto Croce war der italienische Faschismus ein Phänomen „in Klammern“, das nicht zur italienischen Geschichte gehörte. In Frankreich wurde die Vichy-Diktatur als ein unbedeutendes Übergangsphänomen zwischen der Dritten und Vierten Republik gesehen.

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