Necla Kelek: „Lieber Michel Houellebecq“

Mosaik Michel Houellebecq, von Clément Mitéran unter CC BY-SA 2.0, zugeschnitten
Mosaik Michel Houellebecq, von Clément Mitéran unter CC BY-SA 2.0, zugeschnitten

Sehr geehrter Damen und Herren,

sehr geehrte Frau Schirrmacher,

sehr geehrte Jury,

ich bedanke mich, dass sie mir die Gelegenheit geben, die Laudatio für Michel Houellebecq, den Preisträger des Frank-Schirrmacher-Preises 2016 zu halten.

Ich danke der Jury und besonders Herrn Meyer von der Neuen Zürcher Zeitung, dass ich, liebes Publikum, heute hier sein kann.

Von Necla Kelek | DIE KOLUMNISTEN

Lieber Michel Houellebecq,

ich freue mich Ihnen zum Frank-Schirrmacher-Preis zu gratulieren und möchte Ihnen kurz darstellen, was dieser außergewöhnliche Journalist und Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung für mich bedeutete.

Frank Schirrmacher führte als Herausgeber der FAZ ein offenes Haus, in dem er in seinen Artikeln, mit seinen Büchern, aber auch in den von ihm angestoßenen Debatten das Land immer wieder zu Diskursen über Zukunftsfragen unserer Gesellschaft, herausforderte. Er konfrontierte die Leser mit „ungeheuerlichen Neuigkeiten“, wie eine Sammlung seiner Texte betitelt ist. Er spürte das Beben in der Gesellschaft, bevor sich der Riss auftat. Als Seismograph oder Frühwarnsystem kultureller Erschütterungen, ähneln sich der Namensgeber des Preises und Sie lieber Preisträger, auch wenn Ihre jeweiligen Ausgangspunkte, die Methoden und vielleicht auch die Ziele sich unterscheiden. Weder bei Frank Schirrmacher noch bei Ihnen war oder ist vorauszusehen, was als nächstes die Agenda bestimmen wird. Sei es thematisch oder in der Form.

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Der Philosoph, der „Kuckuck“ ruft

Slavoj Žižek in Leipzig 2015. Bild: Amrei-Marie/CC-BY-SA 4.0
Slavoj Žižek in Leipzig 2015. Bild: Amrei-Marie/CC-BY-SA 4.0
Das Audimax der Berliner Humboldt-Universität war überfüllt, als der Champion kam. Für Slavoj Žižek ist Philosophie eine sportliche Veranstaltung aus Angriff und Verteidigung. Man ist versucht, ihm ein Handtuch um den Nacken zu legen. Angekündigt war Ende Oktober ein Vortrag über Wut, Rebellion und neue Macht. Žižek sprach über alles Mögliche, aber über das Thema wenig bis gar nicht. Im Boxkampf lässt ein taktischer Rückzug den Gegner ins Leere laufen. Sollte der Rückbezug der politischen Aussagen Žižeks auf seine eigentliche Qualifikation, neben der Philosophie eine französische geprägte Sozialpsychologie, dazu dienen, den Clinch mit den aufrechten Streitern für eine Willkommenskultur aufzulösen?

Von Bernhard Wiens | TELEPOLIS

In Interviews, die er innerhalb weniger Monate gab, schlägt Žižek mehrere Haken. Einerseits lobt er die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin. Sie solle „brutaler“ die Solidarität anderer Länder einfordern. Er schäme sich für sein Heimatland Slowenien. Noch auf seinem Vortrag an der HU sprach er sich bedingungslos für Immigration aus und prangerte das wohlhabende Katar an, das völlig dicht gemacht habe.

Wie verträgt sich das mit Žižeks anderweitigen Plädoyers für eine europäische Leitkultur, die gegenüber Intoleranz zu verteidigen sei? Wörtlich: „Wer unsere Werte nicht akzeptiert, hat bei uns nichts zu suchen.“ Er meint die Werte des Humanismus und der Aufklärung sowie die Menschenrechte. Ausgerechnet mit diesem Bekenntnis reißt Žižek eine Kluft in sein gesamtes Werk. Als Anhänger Jacques Lacans und Kenner Sigmund Freuds weiß er und schreibt es in früheren Werken, dass die offensive Forderung nach Menschenrechten, aber auch christliche Parolen wie „Liebe deinen Nächsten“ Indikatoren einer inneren Aggression der Individuen sind, die kollektiv in Schach gehalten werden sollen. Vom Guten lässt sich auf den Anteil des Bösen in der menschlichen Psyche schließen. Žižek spricht von der Monströsität des Menschlichen.

Das eigentliche Übel bestünde jedoch darin, diese inneren Triebkräfte nicht anzuerkennen. Die „sentimentale“, wohlmeinende Linke traut den Muslimen nicht einmal zu, böse zu sein, sagt Žižek im Hinblick auf die Ereignisse von Köln. Sie überträgt zu ihrer eigenen Entschuldung ihre Werte auf die Neu-Ankömmlinge. Das erinnert an frühere Forschungen zu ähnlichen Umständen: Philosemitismus ist nicht besser als Antisemitismus.

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Bisher unbekanntes Affen-Gen im menschlichen Genom entdeckt

Bild: 4ever.eu
Bild: 4ever.eu
Die Entschlüsselung des menschlichen Genoms wurde im Jahr 2001 gefeiert, seitdem sind Genomanalysen nicht nur wesentlich billiger, sondern auch bedeutend besser geworden. Das allerdings ändert nichts an der Tatsache, dass unser Erbgut in weiten Teilen immer noch unbekanntes Terrain ist. Beispielsweise weiß man noch recht wenig darüber, welche DNA-Sequenzen mit bestimmten Krankheiten zusammenhängen.

derStandard.at

In den Niederlanden wurden jetzt in einer nationalen Studie die Genome von 250 Familien untersucht. Der Bioinformatiker Tobias Marschall von der Universität des Saarlandes in Saarbrücken hat gemeinsam mit niederländischen Forschern die so gewonnenen riesigen Datenmengen analysiert, um neue, wiederkehrende und auch fehlende Strukturen zu entdecken. Dabei stießen die Forscher auf ein bisher unbekanntes Gen, das man so bisher nur bei Affen gefunden hat.

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Religionstourismus

Lutherjahr

Vor 499 Jahren hat Martin Luther seine 95 Thesen „Zur Klärung der Kraft der Ablässe“ an die Holztür der Wittenberger Schlosskirche geschlagen. Na ja, das stimmt nicht. Er hat sie einem Brief an Erzbischof Albrecht von Mainz beigelegt, um eine lehramtlich noch nicht fixierte Frage zur Diskussion vorzulegen.

Von Dirk Pilz | Berliner Zeitung

Es stimmt ja auch nicht, dass Luther der Befreier aus einem dunklen Mittelalter und die Reformation der Durchbruch in eine moderne Welt ist. Die Forschung hat längst aufgezeigt, dass es nicht die eine, alles verändernde Reformation gab, es gab sie im Plural als ein Bündel reformatorischer Bewegungen.

Historisches Symboldatum

Aber das kulturelle Gedächtnis hat große Beharrungskraft, es will, dass mit dem 31. Oktober 1517 begonnen hat, was erst seit dem 18. Jahrhundert überhaupt Reformation heißt. Der Tag ist zum historischen Symboldatum geworden – und soll mit dem Reformationsjubiläum aufwendig gefeiert werden.

Der Vorlauf ist lang. Bereits 2008 hat die Evangelische Kirche die „Luther-Dekade“ ausgerufen. Margot Käßmann wurde eine emsige „Botschafterin für das Reformationsjubiläum“ und vor zwei Jahren eine Grundlagenschrift zu 500 Jahren Reformation herausgebracht.

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Bund katholischer Ärzte: Die Homo-Heiler

HP des Bundes katholischer Ärzte. Screenshot: bb
HP des Bundes katholischer Ärzte. Screenshot: bb

…der BKÄ, Vereinigung katholischer Ärzte, Arbeitskreis Homosexualität (mehr), zeigt Möglichkeiten zur Behandlung von homosexuellen Störungen und Problemen auf und will dieses Thema aus ärztlich-theologischer Sicht bearbeiten.

Hierfür bedarf es einer Zusammenarbeit aller interessierten Fachleute, z.B. innerhalb eines noch zu gründenden ‚Netzwerk Hilfe bei Homosexualität‘.

Die verschiedenen Hilfen und Behandlungsoptionen sollen definiert und öffentlich dargestellt werden.

Alle kompetenten und seriösen Helfer und Therapeuten sind eingeladen, in einem deratigen wissenschaftlichen und sozialen Hilfswerk mitzuwirken.

Keinesfalls dürfen mögliche Hilfen verschwiegen oder gar gesetzlich unterdrückt werden.

Bund katholischer Ärzte

Brasilien: Homophober Pfarrer erobert Rio

© AFP Rios neuer Bürgermeister Marcelo Crivella hält am Sonntagabend in Rio seine Siegesrede.
© AFP Rios neuer Bürgermeister Marcelo Crivella hält am Sonntagabend in Rio seine Siegesrede.
Rio hat einen neuen Bürgermeister. Die Metropole wird künftig von einem tief religiösen Politiker regiert, der mit Attacken gegen Schwule empört. Doch ist die Wahl nicht nur für Homosexuelle ein Rückschlag.
 

Frankfurter Allgemeine

Ein früherer evangelischer Pfarrer und Gospelsänger ist neuer Bürgermeister der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro. Laut dem vorläufigen Ergebnis setzte sich der Senator Marcelo Crivella (59) von der rechtsgerichteten Republikanischen Partei PRB in einer Stichwahl am Sonntag gegen seinen linken Kontrahenten Marcelo Freixo deutlich durch.

Nach Auszählung von 99 Prozent der gültigen Stimmen lag Crivella mit 59,4 Prozent vor dem Kandidaten der Partei Sozialismus und Freiheit (PSOL), der auf 40,6 Prozent kam. Crivella löst Eduardo Paes von der konservativen Regierungspartei PMDB von Staatschef Michel Temer ab, der das Amt acht Jahre innehatte.

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NASA’s New Tool ‚Scout‘ Spotted an Asteroid That Will Miss Earth by 300K Miles

The concept image shows the NEA Scout CubeSat with its solar sail deployed as it characterizes a near-Earth asteroid. Image: NASA
The concept image shows the NEA Scout CubeSat with its solar sail deployed as it characterizes a near-Earth asteroid. Image: NASA
An asteroid is headed towards Earth tonight and is estimated to miss the planet by a mere 310,000 miles. We know this thanks to a new tool from NASA called „Scout,“ which calculated that this particular asteroid is not a danger to our planet and its inhabitants.


By
Susmita Baral | MOTHERBOARD

Scout is a computer program that’s being tested at the NASA Jet Propulsion Laboratory in California as an early warning system. The program gathers data from multiple telescopes to identify which celestial bodies qualify as “Near-Earth Objects” (NEOs). The space agency defines NEOs as comets or asteroids that have entered “Earth’s neighborhood” from the gravitational pull of other planets. Data gathered by scientists from this year alone, according to the International Astronomical Union, have discovered over 1,500 new NEOs.

Scout is anticipated to be officially up and running later this year—and focuses solely on relatively small space objects, which are more difficult to spot since they are not as bright as larger asteroids. Take tonight’s asteroid, for example, which is estimated to measure anywhere from 16.5 feet to 80 feet across. Without Scout, smaller asteroids are often discovered right before they pass earth. With Scout, scientists can learn of smaller NEOs days in advance and then start calculating if there is any risk for Earth while also ordering other telescopes to confirm the findings.

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Soziologin schlägt Integrationskurse auch für Deutsche vor

Integrationskurs © cdsessums auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Integrationskurs © cdsessums auf flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Sozilogin Treibel wirft Einheimischen vor, sich ohne jede Not Veränderungen zu verschließen. Dabei sei Einwanderung ein wichtiges Element moderner Gesellschaften. Deshalb fordert sie Integrationskurse für alle.
 

MiGAZIN

In Zeiten anhaltender Migration müssen sich nach Überzeugung der Soziologin Annette Treibel auch Einheimische in das Einwanderungsland Deutschland integrieren. Die Karlsruher Wissenschaftlerin plädierte bei einer Diskussionsveranstaltung am Donnerstagabend in Düsseldorf für „Integrationskurse für alle“. Obwohl Deutschland inzwischen ein Einwanderungsland sei, weigerten sich viele Deutsche und auch bereits vor vielen Jahren Zugewanderte nach wie vor, ihren Anteil an der Integration zu leisten.

Zu viele Deutsche würden sich zudem ohne jede Not den aktuellen Veränderungen verschließen, kritisierte Treibel weiter. Einwanderung sei ein wichtiges Element moderner Gesellschaften. Dabei gehörten Konflikte zur Integration dazu, allerdings nicht auf dem „Erregungslevel“ der vergangenen zwei Jahre, sagte die Wissenschaftlerin.

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Dodo Käßmann: Geisterkult um Jesus stört sie nicht, Halloween schon

Halloween : Kürbisse (GFDL-Lizenz auf Wiki Commons von 663highland)
Halloween : Kürbisse (GFDL-Lizenz auf Wiki Commons von 663highland)

Heute am Reformationstag in der Nacht zu Allerheiligen feiern Kinder und junge Menschen seit einigen Jahren auch in Deutschland Halloween. Sollte man bei diesem Brauch mitfeiern? Antworten von den Theologen Margot Käßmann und Manfred Becker-Huberti.

Von Matthias Klein | evangelisch.de

Manche ziehen in der Dämmerung als Geister, Monster oder Hexen verkleidet durch die Straßen. Andere vergnügen sich auf speziellen Partys, mit Totenköpfen aus Plastik oder ausgehöhlten leuchtenden Kürbissen. Viele Kinder und junge Menschen feiern in der Nacht vom 31. Oktober zum 1. November den Grusel-Brauch Halloween. Ursprünglich hatten irische Einwanderer das Brauchtum nach Amerika gebracht, von den USA schwappte es in den vergangenen Jahren auch nach Deutschland. Theologen diskutieren, wie man damit umgehen sollte.

„Ich bin der Meinung, man sollte vor allem cool bleiben“, sagt Manfred Becker-Huberti, Professor für Kirche und Kommunikation an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar. „Brauchtum ist lebendig. Die Entwicklung lässt sich nicht aufhalten, das lässt sich nicht steuern.“

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Erzapostel Schick: Muslimischer Bundespräsident wäre vertretbar

FB-Seite des Bamberger Bishcofs Schick. Screenshot: BB
FB-Seite des Bamberger Bishcofs Schick. Screenshot: BB
Bamberger Erzbischof befürchtet allerdings, dass die Gesellschaft dazu nicht Ja sagen wird.

kath.net

Derzeit wird für das Amt des deutschen Bundespräsidenten über den muslimischen Schriftsteller Navid Kermani diskutiert. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hält seine Nominierung für vertretbar und er würde sich auch einem muslimischen Staatsoberhaupt nicht verschließen. Doch er befürchtet: „Die Gesellschaft wird nicht Ja sagen“. Über die Äußerungen Schick bei einer Ansprache bei der Verbrauchermesse Consumenta berichteten die „Nürnberger Nachrichten“. „Wenn allerdings eines Tages ein Muslim von einer demokratischen Mehrheit zum Staatsoberhaupt gewählt würde, müsse das auch die Kirche akzeptieren. Alles andere wäre undemokratisch.“

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Neue Krabbenart in der Ostsee

Die Asiatische Strandkrabbe (Hemigrapsus takanoi) ist nun auch in der Ostsee angekommen © Hans Hillewaert/CC-by-sa 4.0
Die Asiatische Strandkrabbe (Hemigrapsus takanoi) ist nun auch in der Ostsee angekommen © Hans Hillewaert/CC-by-sa 4.0
Aus Asien eingeschleppt: Die Asiatische Strandkrabbe hat sich inzwischen bis in die Ostsee ausgebreitet. Meeresbiologen haben erste Vertreter dieser invasiven Art bei Wismar vor der Küste gesichtet. Die Krebsart gilt als aggressiver Räuber und hat sich in den letzten Jahren von Frankreich aus immer weiter nach Osten ausgebreitet. Eingeschleppt wurde sie wahrscheinlich mit aus Asien kommenden Frachtschiffen.

scinexx

Immer häufiger gelangen gebietsfremde Meerestiere auch an die Küsten der deutschen Nord- und Ostsee. Wegen des wärmeren Wassers und milder Winter gelingt es diesen meist aus südlicheren Gefilden stammenden Arten zunehmend, sich bei uns anzusiedeln. Zu ihnen gehören die Rippenqualle Mnemiopsis leidyi, aber auch der bizarre Mondfisch.

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Chefredakteur von türkischer Zeitung „Cumhuriyet“ verhaftet

Symbolbild Cumhuriyet / Bild: APA/AFP/BULENT KILIC
Symbolbild Cumhuriyet / Bild: APA/AFP/BULENT KILIC
Laut „CNN Türk“ wurden 13 Haftbefehle gegen Mitarbeiter der Zeitung ausgestellt. Präsident Erdogan hatte nach dem gescheiterten Putsch „weitreichende Säuberungen“ angekündigt.

Die Presse.com

Die türkische Polizei hat laut Medienberichten den Chefredakteur der regierungskritischen Zeitung „Cumhuriyet“, Murat Sabuncu, festgenommen. Die Ermittler fahndeten außerdem nach dem Zeitungsvorstand Akin Atalay und dem Autoren Güray Öz, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu Ajansi am Montag. Laut „CNN Türk“ wurden insgesamt 13 Haftbefehle gegen Mitarbeiter der Zeitung ausgestellt.

Wie die regierungsnahe Zeitung „Yeni Safak“ auf ihrer Online-Seite berichtete, werden ihnen Verbindungen zu dem Prediger Fethullah Gülen vorgeworfen, den Präsident Recep Tayyip Erdogan für den Putschversuch im Juli verantwortlich macht.

Erst am Wochenende waren weitere 10.000 Staatsbedienstete entlassen worden. Erdogan hatte nach dem gescheiterten Putsch „weitreichende Säuberungen“ und ein harsches Vorgehen gegen Anhänger von Gülen angekündigt. Der frühere Chefredakteur von „Cumhuriyet“, Can Dündar, war im Mai wegen der Preisgabe von Staatsgeheimnissen zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt worden.

Wie sich die Neonazi-Szene ungestört selbst finanziert

Sogenannte Solidaritätskonzerte sind eine wichtige Geldquelle der rechtsextremistischen Szene Quelle: picture alliance / dpa
Sogenannte Solidaritätskonzerte sind eine wichtige Geldquelle der rechtsextremistischen Szene Quelle: picture alliance / dpa
5000 Rechtsextreme – in der Schweiz fand jetzt eines der größten Neonazi-Konzerte aller Zeiten statt. Die Polizei beobachtete das Treiben – aber griff nicht ein. Doch was passiert mit den Einnahmen?

Von Florian Flade, Marcel Pauly | DIE WELT

Marcus R. baut sich vor dem Richtertisch auf, beugt seinen breiten Oberkörper nach vorn und lässt seine tätowierte Glatze begutachten. Richter, Staatsanwalt und Verteidiger mustern eine Weile den schwarz konturierten Totenschädel und einen Schriftzug auf R.s Kopf, dann darf sich der Angeklagte wieder setzen.

In einem Prozess, in dem es um schwere Körperverletzung geht, die Angeklagten aber schweigen, kommen auch mal ungewöhnliche Methoden zum Einsatz, um die Gewaltbereitschaft einer Person zu bewerten. Etwa die Inaugenscheinnahme einer Tätowierung: Auf dem Kopf von Marcus R. prangt ein Symbol von „Combat 18“, dem militanten Arm des in Deutschland verbotenen rechtsextremistischen Netzwerks Blood and Honour.

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Aufruf zur Islamkritik

„Es darf keinen Unterschied zwischen ‚Gläubigen‘ und ‚Ungläubigen‘ geben“ – fordert Samuel Schirmbeck in „Der Kreuzzug des Islam“. (dpa / Horst Galuschka)
Samuel Schirmbeck hat als Nordafrika-Korrespondent eine schleichende Islamisierung erlebt und warnt vor einem „Kreuzzug des Islam“. Er fordert Mut zur offenen Islamkritik – und macht die Linken mitverantwortlich dafür, dass der radikale Islam sich in Westeuropa ausbreitet.

Von Rebecca Hillauer | Deutschlandradio Kultur

„Die Leute, die islamkritisch sind, die sind ja nicht islamophob: Sondern sie sind nur gewaltophob, intolerantophob, sie sind homophobophob. Sie lehnen am Islam das ab, was wir ja auch hatten: die Frauenfeindlichkeit, die Intoleranz im Namen einer Weltanschauung. Und wir haben uns nun endlich mit größter Mühe davon getrennt – und nun wollen die Leute nicht, dass das unter dem Deckmantel der Religion wieder ins Land kommt.“

Samuel Schirmbeck hat die schleichende Radikalisierung in Nordafrika miterlebt. Als er 1990 als ARD-Korrespondent nach Algier kam, waren die Strände voll von Frauen in Badeanzügen, und das Land war voller Hoffnung auf Demokratie. Die Islamisten machten beidem ein Ende. Angeblich „Ungläubigen“ drohten sie mit dem Tod. Samuel Schirmbeck blieb und lernte, mit der latenten Angst zu leben. Sie sei von ihm nur abgefallen, meint er, wenn er gelegentlich für wenige Tage zu Besprechungen nach Frankfurt flog.

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Wirbel um Mazyek-Auftritt in Kirche

Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Aiman Mazyek (Bild: Wikimedia Commons/Jakub Szypulka)
Der Sprecher des Altdorfer Bündnisses für Toleranz und Respekt, Sepp Feder, rief daraufhin zu einer Gegendemonstration auf.

evangelisch.de

Die geplante Rede des Vorsitzenden des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, am Reformationstag in einer evangelischen Kirche im bayerischen Altdorf sorgt weiter für Wirbel. Wie die Polizei Mittelfranken dem Evangelischen Pressedienst (epd) am Sonntag bestätigte, ist für Montag eine Versammlung gegen die Veranstaltung unter dem Titel „Keine Islamschweinerei in Altdorf“ für 20 bis 50 Teilnehmer angemeldet.

Der Sprecher des Altdorfer Bündnisses für Toleranz und Respekt, Sepp Feder, rief daraufhin zu einer Gegendemonstration auf. Dazu werden laut Polizei 700 bis 800 Teilnehmer erwartet. Dem Bündnis gehören unter anderem die evangelische und katholische Kirchengemeinde sowie der türkisch-islamische Kulturverein und die Parteien im Stadtrat an.

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Saudi-Arabien bombardiert im Jemen Gefängnis und Wohnhäuser

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Im Windschatten der Kriege in Syrien und im Irak setzt die von dem Westen unterstützte saudische Koalition weiterhin ihren Luftkrieg fort, durch den zahllose Zivilisten getötet werden

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Während die Medien auf den Irak und auf Syrien ausgerichtet sind und westliche Medien meist nur die Luftangriffe der Russen und Syrer auf Aleppo anprangern, fährt die mit dem Westen verbündete und von den USA unterstützte saudische Koalition mit ihren Bombardierungen im Jemen fort, die schon in die Tausende gehende Todesopfer verursacht haben. Saudi-Arabien ist gerade als Mitglied des UN-Menschenrechtsrats gewählt worden, die USA und Großbritannien, mit der Lieferung von Bomben und der Ausbildung der Piloten an dem Krieg gegen die schiitischen Huthi-Rebellen beteiligt, gleichfalls, während Russland wegen Aleppo nicht genügend Stimmen erhielt (UN-Menschenrechtsrat: Russland ausgeschlossen, Saudi-Arabien gewählt).

Die US-Regierung hatte sich nur halbherzig von der saudischen Bombardierung einer Trauerfeier in Sabaa distanziert und hob hervor, dass es doch zwischen den russischen Angriffen auf Zivilisten und den saudischen einen Unterschied gebe (Zweierlei Maß: Lehrstunde der US-Diplomatie im Nahen Osten, USA greifen in Jemen-Krieg ein). Am 8. Oktober hatten Bomben auf die Begräbnisgesellschaft 140 Menschen getötet und 500 verletzt. Die Koalition gab zu, dies sei irrtümlich geschehen, was bezweifelt werden kann, da an der Trauerfeier auch Offiziere der mit den Huthis verbündeten Armeeeinheiten teilnahmen.

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Erdogan will Türkei erweitern

erdoganDie Türkei im Ausnahmezustand: Weitere oppositionelle Medien werden geschlossen, neue Säuberungen an den Universitäten. Die Todesstrafe soll kommen, und der Präsident meldet auch noch Gebietsansprüche an.

Von Deniz Yücel | DIE WELT

So ein Ausnahmezustand ist schon praktisch: Gerade einmal zehn Tage ist es her, dass sich der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan über das Verfahren zur Besetzung von Universitätspräsidenten ausließ. Dass dem eine Wahl zugrunde liege, führe nur zu „Chaos“, „Gruppenbildung“ und „Kränkungen“, sagte er bei der feierlichen Eröffnung des Wintersemesters, für die er die amtierenden Hochschulleiter in seinen Palast nach Ankara geladen hatte. Am Samstagabend wurde ein neues Notstandsdekret bekannt, mit dem Erdogans Wunsch Gesetz wird: Die Wahl entfällt künftig.

Bislang sah das Verfahren an staatlichen Universitäten so aus: Die akademischen Mitarbeiter wählen sechs geeignete Bewerber. Die Hochschulaufsicht reduzierte diese Liste auf drei Vorschläge, unter denen der Staatspräsident einen auswählt. In der Vergangenheit hatte Erdogan immer wieder Kandidaten, welche die meisten Stimmen erhalten hatten, übergangen. Diese Wahl ist nun abgeschafft; künftig soll die Hochschulaufsicht drei Kandidaten vorschlagen, unter denen der Staatspräsident einen auswählt.

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Premierenabsage „Smolensk“: Botschaft sucht neues Kino

Experten untersuchen im April 2010 die Überreste der bei Smolensk abgestürzten Tupolev Tu-154.Foto: REUTERS
Experten untersuchen im April 2010 die Überreste der bei Smolensk abgestürzten Tupolev Tu-154.Foto: REUTERS
Das Berliner Delphi-Kino will den umstrittenen polnischen Film „Smolensk“ nicht zeigen. Der Botschafter spricht von „Obstruktion“ und sucht einen neuen Raum.

Von Jan Schulz-Ojala | DER TAGESSPIEGEL

Mit ungewöhnlicher Schärfe hat der neue, von der rechtsgerichteten polnischen Regierung bestellte Botschafter in Deutschland, Andrzej Przylebski, die Entscheidung des Berliner Delphi-Kinos kommentiert, den umstrittenen Film „Smolensk“ entgegen ursprünglicher Einladung nicht zu zeigen. Zur Begründung des Kinos wegen Sicherheitsbedenken sagte Przylebski – laut dpa – im staatsnahen Sender TVP, es handele sich dabei offenbar um eine „momentane Obstruktion“. Und: „Ich denke nicht, dass irgendjemand sich in die Luft sprengen würde, weil dieser Film gezeigt wird“.

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On Egypt border, mixed-gender troops fight old ideas and new foes

Soldiers of the Caracal Battalion rest before a hike as part of their training on September 3, 2014. (Hadas Parush/Flash90)
Soldiers of the Caracal Battalion rest before a hike as part of their training on September 3, 2014. (Hadas Parush/Flash90)
With nightly drug smugglings and threat of IS, the women and men of the Caracal Battalion are on alert for anything coming from Sinai
 

By Judah Ari Gross | The Times of Israel

While the country’s — and world’s — eyes have been focused on Israel’s borders with Syria, Lebanon and Gaza, it is the Sinai border that is unequivocally the most active.

On an almost nightly basis, Egyptian smugglers, most of them Bedouin, come to the 125-mile (200-kilometer) border fence to toss bags of contraband to their Israeli counterparts, who collect the goods in ATVs or — on a big night, in trucks — and bring them back for distribution, soldiers serving on the border told The Times of Israel.

But while stopping drug runners is almost routine, the real threat from Sinai is the Islamic State group, which is currently occupied in a vicious war with Egyptian forces, but is expected one day to turn its eyes to the Jewish state.

The people addressing that threat on the Sinai border are the men and women of the Caracal Battalion, one of the IDF’s three — soon to be four — mixed-gender combat battalions.

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Wo leben Luthers Erben?

Weltkarte der Protestanten.Quelle: Pew Research Center's Forum on Religion & Public Life, Studie Global Christianity, 2011. Grafi/Montage: Tsp
Weltkarte der Protestanten.Quelle: Pew Research Center’s Forum on Religion & Public Life, Studie Global Christianity, 2011. Grafi/Montage: Tsp
Die 800 Millionen Protestanten sind auf allen Kontinenten zu Hause. Die meisten leben in Afrika und Nord- und Südamerika. In Europa gibt es nur noch eine Minderheit.

Von Claudia Keller | DER TAGESSPIEGEL

Im deutschen Kernland der Reformation leeren sich die Kirchen, in Afrika, in Lateinamerika und in Asien füllen sie sich. Der Protestantismus ist längst zu einem weltweiten Phänomen mit mehr als 800 Millionen Gläubigen geworden, und er wächst permanent weiter. Allerdings leben nur noch eine Minderheit von knapp 13 Prozent der evangelischen Christen in Europa, 37 Prozent sind im südlichen Afrika zu Hause, 33 Prozent in Süd- und Nordamerika, 18 Prozent in Asien. Die am schnellsten wachsenden evangelischen Gemeinschaften befinden sich in Südkorea und China.

Die Ausbreitung des evangelischen Glaubens geht einher mit einer unüberschaubaren Pluralisierung der Frömmigkeitsstile, organisatorischen Formen, politischen Haltungen und ethisch-moralischen Positionen. Zur bunten Familie der Evangelischen zählen Lutheraner, Reformierte und Unierte, Baptisten, Pietisten und Methodisten, Mennoniten und Quäker, Evangelikale und Pfingstkirchen, auch die Anglikaner gehören dazu – und das sind nur die großen Strömungen.

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