„Papst, Erzhäretiker, du bist im orthodoxen Georgien nicht willkommen“

Papst Franziskus / Bild: APA/AFP/VINCENZO PINTO
Papst Franziskus / Bild: APA/AFP/VINCENZO PINTO
Georgien. Kein herzlicher Empfang für Franziskus. Die georgisch-orthodoxe Kirche gilt als ultrakonservativ.

Die Presse.com

Selbst die katholische Presseagentur muss vermelden: „So einen Empfang ist Franziskus nicht gewohnt.“ Franziskus ist für zwei Tage in der orthodox geprägten Südkaukasusrepublik zu Besuch. Als er auf dem Flughafen von Tiflis ankommt, wird er mit Protest konfrontiert: „Papst, Erzhäretiker, du bist im orthodoxen Georgien nicht willkommen“, steht auf einem Plakat. Auf einem anderen wird der Vatikan als „Aggressor“ beschimpft.

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Flüchtlinge: Jedem das Seine – auch in der Flüchtlingspolitik

Das Aufnehmen von Menschen in Not ist eine Gerechtigkeitspflicht aller Staaten. Das internationale Recht ist zu eng.

Von Mathias Risse | Frankfurter Allgemeine

Ist es eine Frage der Gerechtigkeit, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt? Früh in der abendländischen Philosophie ist Gerechtigkeit so definiert worden, dass jedem das Seine zu geben sei. Trotz des furchtbaren Missbrauchs dieser Formulierung durch die Nationalsozialisten gibt es keine bessere Definition. Die Frage ist, was „das Seine“ (beziehungsweise das Ihre) ist und in welchem Kontext wir darüber nachdenken sollten. Die Griechen verstanden „das Seine“ als Anteil am Stadtstaat. Überhaupt war es damals der Stadtstaat, mit dem die politische Philosophie befasst war. In der Neuzeit war es der Flächenstaat. Heutzutage, in einer Welt, die Probleme globalen Ausmaßes bewältigen muss (Klimawandel, Migration), sind die relevanten Bezugspunkte Weltgesellschaft und Erdkugel. Und doch gibt es in der zeitgenössischen Philosophie auch immer noch das Verständnis „des Seinens“ als eines angemessenen Anteiles an Gütern, die im Staat gemeinsam möglich gemacht werden. Gleichzeitig denken Kosmopoliten heute, „das Seine“ eines jeden bestehe darin, in angemessener Weise auf seine Menschlichkeit zu reagieren. Es sind die ausgeprägten Eigenschaften unserer Menschlichkeit (Vernunftbesitz, Fähigkeit zum Reflektieren, Planen, tiefes Empfinden, Zusammenwirken mit anderen usw.), deren Schutz die Gerechtigkeit verlangt. Die Menschenrechte gehen aus einem solchen Gerechtigkeitszugang hervor.

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Türkei: Bei uns herrscht Rache statt Recht

© AFP Für ihn gibt es Gülen-Anhänger, soweit das Auge reicht: der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.
© AFP Für ihn gibt es Gülen-Anhänger, soweit das Auge reicht: der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan.
Rund 32.000 Menschen hat Erdogan ins Gefängnis werfen lassen. In der Türkei regt sich dagegen fast kein Widerstand. Das hat seine traurigen Gründe.

Von Bülent Mumay | Frankfurter Allgemeine

„Das Leben prüft uns in vier Rechenarten: Es multipliziert mit Realitäten, dividiert durch Trennungen, subtrahiert von der Menschheit und sagt am Schluss, nun addier dich mal schön selbst.“ So lautete Tolstois Antwort auf die Frage, wie man das Leben abrechne. In der Tat sind es unsere Antworten auf die Aufgaben in der Mathematik des Lebens, die uns zu dem machen, was wir sind. Doch fiele unsere Endnote nicht viel besser aus, wenn wir manchmal gemeinsam vorgehen würden, statt die Aufgabe allein zu lösen? Ich wünschte mir, in unserem Land wäre Solidarität das, was unsere Note verbessert.

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Blasphemiegesetze gegen die freie Meinungsäußerung

Aus Kacem El Ghazzalis Rede beim UN Human Rights Council als Repräsentant der IHEU. Die Erklärung wurde von der Raif Badawi Foundation, Arab Humanists and Adhoc Organisation unterstützt.

Von Kacem El Ghazzali | Richard-Dawkins-Foundation

Wir können die freie Meinungsäußerung und die Pluralität der Meinungen nur fördern, indem wir alle Blasphemie- und Apostasiegesetze abschaffen. Die Gesetze verletzen nicht nur die Redefreiheit, sie legitimieren Hassreden, Massenausschreitungen und die Verfolgung von Minderheiten.

Ein Staat hat nicht das Recht, sich darum zu kümmern, was die Menschen glauben oder denken, sondern sollte das Recht zu Denken und die eigene Meinung auszudrücken, ohne Angst vor Vergeltung oder Zensur, garantieren.

Wir protestieren grundsätzlich dagegen, dass der Begriff „Blasphemie“ als kriminelle Beleidigung geahndet wird, und wir rufen alle oben erwähnten Staaten auf, ihre Verpflichtungen gemäß den Menschenrechten zu erfüllen, und die Blasphemiegesetze abzuschaffen.

„Ordnungszelle Sachsen“: Feldversuche und Tabubrüche

In der „Ordnungszelle Sachsen“ zeigt sich, wie die sogenannte Mitte nach rechts rückt. Manche wollen Pegida und AfD noch ersetzen, manche kooperieren schon längst

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Einheitsfeiertag am 3.Oktober wird in diesem Jahr in Dresden zelebriert. Dort wird am kommenden Montag ein Aufmarsch der zerstrittenen Pegida-Bewegung erwartet. Schon Tage vorher wurden die Einheitsfeierlichkeiten mit Bombenanschlägen gegen eine Moschee und ein Gemeindehaus eingeleitet.

Dass die verantwortlichen sächsische Politiker eine auf den ersten Blick zu erkennende Fake-Meldung, die die Anschläge der Dresdner Antifa in die Schuhe spielen wollte, zunächst als ernst zunehmenden Tathinweis bezeichnete, wurde nicht als der Skandal hingenommen, der er ist.

Genau 36 Jahre vor den Dresdner Anschlägen ereignete sich der bis heute nicht aufgeklärte Anschlag auf das Münchner Oktoberfest. Sicher ist, dass er von Neonazis begangen wurde. Einer kam dabei um. Ob und wie viel Mittäter er hatte, ist bis heute Gegenstand von Spekulationen (Das Oktoberfestattentat war kein Werk eines Einzeltäters). Zurzeit ermittelt die Justiz wieder. 1980 versuchten konservative Medien und der damalige Unions-Kanzlerkandidat Franz-Josef Strauß, die radikale Linke für den Anschlag verantwortlich zu machen.

Haben also die noch unbekannten Verantwortlichen für die Anschläge ganz bewusst den Jahrestag des Münchner Anschlags gewählt, um das Szenario in Sachsen zu wiederholen? Warum spielten führende sächsische Politiker so willig bei diesem Spiel mit, indem sie der auf Indymedia geposteten Fake-Meldung einer angeblichen Dresdner Antifa nicht sofort als Fälschung bezeichneten?

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Essen wie geschmiert: Mineralöle in Lebensmitteln

Aufgespießt: Vegane und vegetarische Lebensmittel auf dem Prüfstand. Foto: picture alliance/Westend61
Aufgespießt: Vegane und vegetarische Lebensmittel auf dem Prüfstand. Foto: picture alliance/Westend61
Mineralölrückstände brachten vielen der jetzt von der Stiftung Warentest bewerteten Fleischersatzprodukte schlechte Noten ein. Doch diese Schadstoffe belasten nicht nur Lebensmittel für Vegetarier und Veganer.

Von Maria-Elisa Schrade | greenpeace magazine

Immer mehr Verbraucher greifen zu fleischlosen Alternativen im Kühlregal. Die Gründe sind vielfältig: Manche handeln aus ethischer und moralischer Überzeugung, andere erhoffen sich durch den Verzicht auf Fleisch eine gesundere Ernährung. Das Essen ohne Fleisch immer auch besser für das körperliche Wohlbefinden ist, stellen neue Ergebnisse der Stiftung Warentest allerdings infrage: Nur sechs der zwanzig getesteten Produkte erhielten die Note „Gut“. Denn die meisten der überprüften Lebensmittel enthalten nicht nur zu viel Fett, sondern auch Schadstoffe – vor allem Mineralöle.

Diese kommen auf ganz unterschiedlichen Wegen in die Nahrung. So gelangen Schadstoffe oftmals aus recycelten Pappverpackungen ins Essen. Oder bei der Verarbeitung, wenn an Maschinen Mineralölprodukte eingesetzt werden, etwa um die die Wurstmasse leichter in die Pelle pressen zu können. In der Nahrung haben diese Schmiermittel nichts zu suchen, insbesondere, weil nach Angaben von Stiftung Warentest genügend andere, unbedenkliche Öle zur Verfügung stehen.

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Paris- und Brüssel-Terror: 14 Attentäter durch Ungarn gereist

Bild: APA/AFP/FREDERICK FLORIN
Bild: APA/AFP/FREDERICK FLORIN
Die Terroristen sollen im Herbst 2015 als als Flüchtlinge durch Ungarn gereist sein, erklärte die ungarische Anti-Terror-Einheit (TEK).

Die Presse.com

Im Herbst 2015 sollen insgesamt 14 Terroristen als Flüchtlinge durch Ungarn gereist sein, die im Zusammenhang standen mit den Anschlägen am 13. November 2015 in Paris und am 22. März 2016 in Brüssel. Das erklärte Csaba Majoros von der Direktion Aufklärung der ungarischen Anti-Terror-Einheit (TEK) am Freitag auf einer Pressekonferenz in Budapest laut der amtlichen Agentur (MTI). Ein Großteil der an diesen Anschlägen beteiligten Terroristen reiste demnach durch Ungarn. Laut Majoros hatte der „Islamische Staat“ (IS) in Ungarn aber kein „angelegtes, ausgedehntes Netz“. Laut dem stellvertretenden TEK-Generaldirektor Zsolt Bodnar trafen die in der syrischen IS-Hochburg Raqqa ausgebildeten Terroristen in Gruppen von zwei bis drei Personen in Ungarn ein.

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AfD in Sachsen-Anhalt: Staatsleistungen an Kirchen kürzen

Für eine Kürzung der Zahlungen an die Kirchen in Sachsen-Anhalt hat sich der AfD-Landtagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt (Magdeburg) ausgesprochen.

kath.net

„Wir wollen mit den Kirchen ins Gespräch kommen, um die Staatsleistungen nach und nach abzuwickeln“, sagte der 25-jährige Politiker der Mitteldeutschen Zeitung. Für die evangelischen Kirchen, die katholische Kirche sowie die jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt geht es dabei um Millionenbeträge. Nach Angaben des dortigen Finanzministeriums bekommen die Kirchen in diesem Jahr 32 Millionen Euro; 2010 waren es noch 29 Millionen Euro gewesen. Die jüdischen Gemeinden im Land erhalten im laufenden Jahr rund 1,4 Millionen Euro. Die Staatsleistungen gehen zurück auf den sogenannten Reichsdeputationshauptschluss von 1803. Damals waren als Entschädigung für die Enteignung von Kirchengütern zeitlich unbegrenzte Zahlungen des Staates an die Kirchen vereinbart worden. Sie werden heute von den Bundesländern als Rechtsnachfolger der damaligen Fürstentümer an evangelische Landeskirchen und katholische Diözesen geleistet. Sie könnten durch eine Einmalzahlung abgegolten werden.

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Insektizid-Hersteller halten Erkenntnisse über Gefahren für Bienen unter Verschluss

Der Einsatz von Neonikotinoiden kann zu einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Bienen führen. Foto: Holger Weber/Greenpeace
Der Einsatz von Neonikotinoiden kann zu einer geringeren Fortpflanzungsrate bei Bienen führen. Foto: Holger Weber/Greenpeace
Was unabhängige Wissenschaftler schon seit langem befürchten, haben nun auch bislang unveröffentlichte Studien der Chemikonzerne Bayer und Syngenta ergeben: Neonikotinoide schaden Honigbienen.

Von Joe Sandler Clarke, Matthias Lambrecht | greenpeace magazine

Nach Recherchen des britischen Investigativ-Rechercheteams von Greenpeace Energy Desk dienten die konzerninternen Untersuchungen dazu festzustellen, in welchen Konzentrationen die in Produkten der Unternehmen enthaltenen Neonikotinoide eine Gefahr für Bienen bedeuten. Bei der Gestaltung der Tests hatten sich die Unternehmen mit den Aufsichtsbehörden abgestimmt, die die Grenzwerte für Giftstoffe festlegen und den Herstellern derartige Untersuchungen vorschreiben. Produkte mit Neonikotinoiden von Bayer und Syngenta werden etwa zur Bekämpfung von Blattläusen oder Käfern in der Landwirtschaft eingesetzt.

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Warum Erdogan überall Verschwörungen wittert

Bild: FB
Bild: FB
Zehntausende Türken sind seit dem gescheiterten Staatsstreich Mitte Juli verhaftet oder entlassen worden. Die Regierung glaubt, eine gewaltige Konspiration enttarnt zu haben. Eine erklärbare Illusion.

Von Sven Felix Kellerhoff | DIE WELT

Kein Zweifel: Der Putsch in der Türkei am 15. und 16. Juli 2016 war dilettantisch. Das ist überraschend angesichts der Erfahrungen, die das türkische Militär seit Jahrzehnten mit Staatsstreichen hat. Mindestens genauso verwirrend erscheint Europäern allerdings die Reaktion des populistischen Regimes um Recep Tayyip Erdogan.

Obwohl der gescheiterte Coup gezeigt hatte, wie schwach die Aufständischen tatsächlich waren, witterte der islamistische Präsident überall Verschwörungen: Zu Tausenden wurden Offiziere, Richter, Journalisten festgenommen, mehr als 76.000 Mitarbeiter des öffentlichen Dienstes entlassen.

Wenn tatsächlich alle oder auch nur die Mehrheit dieser Funktionsträger entschiedene Gegner des Erdogan-Regimes gewesen wären: Seine Regierung hätte den Putsch kaum überstanden. Das ist so offensichtlich, dass kaum jemand in Europa die Motive für Erdogans brutales Durchgreifen verstand.

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CSU und Sachsen-CDU preisen „Heimat und Patriotismus“ als „Kraftquelle“

 Ein mögliches Maskottchen für Sachsen-CDU und CSU? (Foto: Uwe Zucchi/dpa)
Ein mögliches Maskottchen für Sachsen-CDU und CSU? (Foto: Uwe Zucchi/dpa)
  • Vertreter von Sachsen-CDU und CSU stellen einen „Aufruf zu einer “ vor.
  • Das Papier ist der Versuch, das Thema Patriotismus nicht der AfD zu überlassen.
  • Die Wahrscheinlichkeit, dass sich bald auch Merkels Unterschrift unter dem Papier findet, dürfte ziemlich klein sein.

Von Robert Roßmann | Süddeutsche.de

Angela Merkel wird gerne vorgeworfen, die Union sozialdemokratisiert zu haben. Am Freitag konnte man jedoch erleben, dass ihr das zumindest noch nicht vollständig gelungen ist: Für elf Uhr hatten Vertreter der Sachsen-CDU und der CSU ins Jakob-Kaiser-Haus des Bundestags geladen – und was sie dort präsentierten, das passte so gar nicht zum Bild einer nach links gerückten Union.

Die Herren, Frauen waren keine zugegen, stellten einen „Aufruf zu einer Leit- und Rahmenkultur“ vor. Drei Seiten ist das Papier lang. Nach dem Wunsch der Autoren soll es der Auftakt für eine neue Leitkultur-Debatte in Deutschland sein. Verfasst haben es Bundestagsvizepräsident Johannes Singhammer (CSU), der Generalsekretär der Sachsen-CDU, Michael Kretschmer, Sachsens Landtagspräsident Matthias Rößler (CDU), der Chef der CSU-Grundsatzkommission, Markus Blume, sowie der Vizepräsident des Bayerischen Landtags, Reinhold Bocklet (CSU). Ihr Ziel ist es, den „Markenkern von CDU und CSU zu schärfen“, um wieder „das ganze Spektrum Mitte rechts abzudecken“.

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Ungarische Medien: Geheimdeal zwischen Orban und Merkel

Ungarns Premier versprach angeblich „Stilwechsel“ nach Referendum – Deutschland soll dafür Hilfe bei EU-Vertragsverletzungsverfahren leisten

derStandard.at

Ungarische Medien berichten von einem angeblichen geheimen Deal zwischen Premier Viktor Orban und der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Laut der Tageszeitung „Magyar Nemzet“ soll die ungarische Regierung Merkel einen „Stilwechsel“ in der Flüchtlingspolitik versprochen haben, im Gegenzug habe Berlin Budapest Unterstützung bei EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Ungarn zugesagt.

Nach dem umstrittenen Flüchtlingsreferendum am Sonntag soll die rechtskonservative ungarische Regierung „Abstriche an ihrer flüchtlingsfeindlichen Rhetorik vornehmen und auch in EU-Fragen konstruktiver sein“, berichtete „Magyar Nemzet“ am Freitag in ihrer Online-Ausgabe „mno.hu“. Deutschland werde dafür Ungarn Schützenhilfe bei seinen Konflikte mit der EU-Kommission geben, so die Zeitung unter Berufung auf eine inoffizielle Hintergrundstudie der Regierung und Quellen aus dem ungarischen Außenministerium.

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NSU-Ausschuss deckt auf: Vorsätzliche Aktenvernichtungen beim Bundesverfassungsschutz

Bild: heise.de/TP
Bild: heise.de/TP
Die Aktenvernichtungen im Bundesamt für Verfassungsschutz nach dem Auffliegen des NSU-Trios im November 2011 geschahen vorsätzlich und nicht wie bisher kolportiert aus Versehen. Für diese Feststellung präsentierte der Untersuchungsausschuss des Bundestages bei seiner letzten Sitzung am Freitag Belege. Die Bundesanwaltschaft kennt den Sachverhalt seit mindestens zwei Jahren und unternahm nichts.

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Nach der Vernichtung von Beweismaterial im Falle des NSU-Tatverdächtigen Jan Botho Werner, veranlasst durch die oberste Ermittlungsbehörde selbst, rückt damit der nächste Fall von Spurenverwischung durch Sicherheitsbehörden in den Fokus. Es sind Vorgänge, die Jahre zurückliegen und die belegen, wie sehr die Aufklärung des Mordkomplexes durch Behörden behindert wird. Der NSU-Skandal endet nicht 2011, sondern fand danach unter anderen Vorzeichen seine Fortsetzung und reicht bis in die Gegenwart.

Am 4. November 2011 wurde das NSU-Trio bekannt. Am 11. November veranlasste ein Referatsleiter im Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) in Köln die Löschung von Akten zu mindestens sieben Quellen im rechtsextremen Thüringer Heimatschutz (THS), in dem sich auch die NSU-Mitglieder Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe bewegt hatten.

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Europa – nach 1000 Jahren Krieg ein Sehnsuchtsort

Bild: bb
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Nach 1.000 Jahren Krieg fast aller gegen fast alle ist die Europäische Union ein unverdientes Paradies für die Menschen eines ganzen Kontinents. Ein Auszug aus der am Freitag im VfGH gehaltenen Festrede zum Verfassungstag

Von Heribert Prantl | derStandard.at

Europa. In diesem, unserem Europa gärt es. Und ob es – um Georg Christoph Lichtenberg zu zitieren – Wein oder Essig werden wird, ist ungewiss. Lichtenberg hat das zu Zeiten der Französischen Revolution geschrieben. Ja, es gärt wieder in Europa. Nationale Fronten machen quer durch Europa Front gegen Europa und gegen die Werte der Aufklärung, gegen die Werte, die in der Französischen Revolution grundgelegt wurden und die in die Europäische Grundrechtecharta eingegangen sind; die Grundrechtecharta ist von diesem Österreichischen Verfassungsgerichtshof in einen hohen Verfassungsrang erhoben worden.

Diese Ihre Entscheidung im Jahr 2012 war ein Meilenstein, weil sie in Verbindung mit der Verfassung und der Menschenrechtskonvention einen sehr dichten Grundrechtsschutz bewirkt hat. Diese Entscheidung Österreichs hat klargemacht, was Europa ist und sein muss: eine Rechts- und Wertegemeinschaft. So ist es de jure. So sollte es sein.

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Deutschland korrigiert Flüchtlingszahl für 2015

2015 sind rund 890.000 Asylsuchende nach Deutschland gekommen – statt der bislang kalkulierten 1,1 Millionen.

DIE WELT

  • Mittlerweile sind 820.000 Flüchtlinge vollständig registriert.
  • Im laufenden Jahr sind bisher 210.000 Asylsuchende angekommen. Eine Korrektur dieser Zahl wird nicht erwartet.

Nach neuesten Zahlen sind im vergangenen Jahr etwa 890.000 Schutzsuchende nach Deutschland gekommen und damit etwas weniger als bislang auf Grundlage vorläufiger Registrierungsangaben angenommen. Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) stellte die lange erwartete Bilanz zur Asylzuwanderung am Freitag in Berlin vor. Bisher wurde mangels besserer Daten davon ausgegangen, dass die Zahl der im IT-System Easy Registrierten von 1,1 Millionen im Jahr 2015 die Wirklichkeit am besten abbildet.

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Hotel im Schwarzwald weist israelische Touristen ab

Als israelische Touristen ein Hotel im Schwarzwald buchen wollen, werden sie von den Gastgebern prompt wieder ausgeladen. Ein dummes Versehen oder purer Antisemitismus?

Frankfurter Allgemeine

Ein Ferienhof im Schwarzwald hat Gäste aus Israel abgelehnt und damit heftige Debatten provoziert. Seit der schroffen Abweisung einer Touristengruppe ist der malerische Mattenhof in Zell am Harmersbach breiter Entrüstung im Internet ausgesetzt. Auf Facebook und Twitter wird dem Schwarzwaldhof offener Antisemitismus vorgeworfen. Der Hof entschuldigte sich daraufhin rasch. Für Touristiker im Schwarzwald ist der Vorfall dennoch eine Katastrophe – schließlich boomt das Geschäft hier gerade mit Gästen aus Israel. Jahr für Jahr kommen mehr Besucher in den Südwesten.

„We Don’t want have Guests from Israel“ („Wir möchten keine Gäste aus Israel“), hatte der Mattenhof auf eine Anfrage mehrerer Familienbetten einer Buchungsplattform in brüchigem Englisch geantwortet. Der zweite Satzteil lautet: „because our appartments are Not for them“ („weil unsere Zimmer nicht für sie sind“). Ein abgelehnter Gast machte dies im Internet publik, die SPD-Bundestagsabgeordnete Michaela Engelmeier aus Nordrhein-Westfalen verbreitete es weiter: „Ich bin entsetzt, fassungslos und empört!“

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„1000 Jahre“ vor Gericht: Die Verurteilung der NS-Hauptkriegsverbrecher

Die Anklagebank im Nürnberger Prozess gegen die NS-Hauptkriegsverbrecher, links Hermann Göring / Bild: (c) imago/ZUMA/Keystone (imago stock&people)
Die Anklagebank im Nürnberger Prozess gegen die NS-Hauptkriegsverbrecher, links Hermann Göring / Bild: (c) imago/ZUMA/Keystone (imago stock&people)
Vor 70 Jahren ergingen die Urteile gegen Hermann Göring, Ernst Kaltenbrunner und die anderen Angeklagten im ersten Nürnberger Prozess. Er revolutionierte das internationale Recht.

Von Helmar Dumbs | DiePresse.com

Der historische Moment beginnt mit einer Panne. Es handelt sich zwar nur um ein geringfügiges, schnell behobenes technisches Gebrechen, aber es ist von hoher Symbolkraft. Und es ist durchaus symptomatisch für einen von mancher Panne begleiteten Prozess: Als der vorsitzende Richter im Nürnberger Prozess gegen die NS-Hauptkriegsverbrecher, der Brite Sir Geoffrey Lawrence, am 1. Oktober 1946 beginnt, das Strafmaß für den im Sinne der Anklage schuldig gesprochenen Hermann Göring zu verkünden, bekommt Göring nichts mit. Der Kopfhörer funktioniert nicht. Erst im zweiten Anlauf gelingt es, dem ehemaligen Reichsmarschall Hitlers mitzuteilen, was der nun zwar akustisch hört, aber, sich unschuldig bekennend, nicht verstehen kann: Tod durch den Strang.

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Hessischer Rundfunk: Auch Ditib darf bei HR mitreden

Der hessische Rundfunk in Frankfurt. Bild: Frankfurter Rundschau
Der hessische Rundfunk in Frankfurt. Bild: Frankfurter Rundschau
Die Vertretung der Muslime im Rundfunkrat des HR ist geregelt: Drei islamische Verbänden sollen das unter sich ausmachen.

Von Pitt von Bebenburg | Frankfurter Rundschau

Drei islamische Verbände sollen sich darauf verständigen, wer die hessischen Muslime im Rundfunkrat des Hessischen Rundfunks (HR) vertritt. Auch der umstrittene Verband Ditib zählt dazu. Darauf haben sich die Wiesbadener Regierungsfraktionen von CDU und Grünen verständigt. Die SPD stimmt zu.

Mit dem neuen Rundfunkgesetz für den HR ziehen erstmals Vertreter des Landesjugendrings und der Muslime in das Kontrollgremium ein. In ihrem ersten Entwurf für das Gesetz hatte die Koalition sich aber noch nicht festgelegt, wer für die hessischen Muslime sprechen soll. Das wurde jetzt entschieden und in den Landtag eingebracht.

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Wahl Dodo des Monats September 2016

Dodo des Monats September 2016 ©HFR
Dodo des Monats September 2016 ©HFR

Im Monat September gab es eine Fülle von religiotisch-obskuranten Äußerungen aus Politik, Kirchen und Geisteswissenschaften. Die Klerikalfaschisten um den Verein „Demo für alle“ nicht zu vergessen. Homosexuelle, Sexualkunde-Unterricht sind die ausgesprochenen Feinde der Unterleibsmafia.
Das „Völkische“, jener Begriff der historisch mit soviel Unheil, Verbrechen, Gewalt und Staatsterror verbunden ist, soll wieder positiv, AfD-gefällig konnotiert werden. Fast scheint es, dass Mitglieder der CDU, CSU und der AfD im Wettbewerb stehen die Schatten der deutschen Vergangenheit wieder aufleben zu lassen.
Schaut selbst.
Die Wahl ist bis zum 07.10. 2016 18:00 Uhr befristet. Der Gewinner wird am folgenden Tage gewürdigt werden.
Viel Spaß!

  1.  Stefan Oster, „die Hölle als soziales Korrektiv katholischer Religiotie.“
  2.  Rüdiger Safranski, „hat Angst vor der Säkularisierung.“
  3.  Gerd Müller, „schwadroniert über gesellschaftlich Gestaltungskräfte.“
  4.  ZDF, „Jubelsendungen für Judenhasser Luther.“
  5.  Angela Merkel, „mehr Abenteuer-Urlaube in arabischen Ländern.“
  6.  Wolfgang Huber, „mit Theologie Gentechnik erläutern wollen.“
  7.  Peter Schmidt „peinliches zum Thema Ernährung.“
  8.  Bettina Kudla, „mit Nazi-Jargon auf Stimmenfang.“
  9.  Demo für alle e.V., „klerikalfaschistisch gegen die Aufklärung.“
  10.  Sejm-Polen, „katholische Reaktion mit totalem Abtreibungsverbot.“
  11. Thomas de Maizière, „liebt nahöstliche Mythologie.“
  12.  Rainer Maria Woelki, „pflegt pränatale Fruchtwasserträume.“
  13.  Ralf K. Wüstenberg, „Terror hat nichts mir Islam zu tun.“
  14.  Reinhard Marx, „Gebärmütter lassen ihn aufleben.“
  15.  Westermann-Verlag, „Selbstzensur in vorauseilendem Gehorsam.“
  16.  Ludwig Spaenle, „Wiedereinführung des § 175 geplant?“
  17.  Frauke Petry, „braune Soße auf rot-blauem Grund.“
  18.  Thomas Strobl, „Dummes zum Thema Atheismus, Religiotie halt.“

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„Christen für Tiere“: Erntedankfest vegan feiern

Die Kampagne „Christen für Tiere“ der Tierrechtsorganisation Peta fordert, das Erntedankfest vegan zu feiern. Der Konsum tierischer Produkte wie Fleisch, Milch und Eier schade Mensch und Tieren und entspreche somit nicht dem Schöpfungsgedanken, der alle Lebewesen einschließen sollte, sagen die Initiatoren.

evangelisch.de

Viele Gemeinden laden an diesen Tagen ihre Mitglieder ein, um Gott für die Gaben zu danken. Aus diesem Grund hat sich die Kampagne „Christen für Tiere“ der Tierrechtsorganisation Peta mit einem Brief an evangelische und katholische Gemeinden gewandt, in dem sie dazu ermuntert, das Erntedankfest vegan zu feiern. Immer häufiger finden die Feiern unter dem Motto „Bewahrung der Schöpfung“ statt. Ein Zeugnis dafür, dass die industrielle Ausbeutung des Planeten und seiner Geschöpfe zunehmend wahrgenommen werde und die ökologische Krise zu einem Kernanliegen der Kirchen geworden sei. Der Konsum tierischer Produkte wie Fleisch, Milch und Eier schade Mensch und Tier und entspreche somit nicht dem Schöpfungsgedanken, der alle Lebewesen einschließen sollte, sagen die Initiatoren.

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