Flüchtlinge: Jedem das Seine – auch in der Flüchtlingspolitik


Das Aufnehmen von Menschen in Not ist eine Gerechtigkeitspflicht aller Staaten. Das internationale Recht ist zu eng.

Von Mathias Risse | Frankfurter Allgemeine

Ist es eine Frage der Gerechtigkeit, dass Deutschland Flüchtlinge aufnimmt? Früh in der abendländischen Philosophie ist Gerechtigkeit so definiert worden, dass jedem das Seine zu geben sei. Trotz des furchtbaren Missbrauchs dieser Formulierung durch die Nationalsozialisten gibt es keine bessere Definition. Die Frage ist, was „das Seine“ (beziehungsweise das Ihre) ist und in welchem Kontext wir darüber nachdenken sollten. Die Griechen verstanden „das Seine“ als Anteil am Stadtstaat. Überhaupt war es damals der Stadtstaat, mit dem die politische Philosophie befasst war. In der Neuzeit war es der Flächenstaat. Heutzutage, in einer Welt, die Probleme globalen Ausmaßes bewältigen muss (Klimawandel, Migration), sind die relevanten Bezugspunkte Weltgesellschaft und Erdkugel. Und doch gibt es in der zeitgenössischen Philosophie auch immer noch das Verständnis „des Seinens“ als eines angemessenen Anteiles an Gütern, die im Staat gemeinsam möglich gemacht werden. Gleichzeitig denken Kosmopoliten heute, „das Seine“ eines jeden bestehe darin, in angemessener Weise auf seine Menschlichkeit zu reagieren. Es sind die ausgeprägten Eigenschaften unserer Menschlichkeit (Vernunftbesitz, Fähigkeit zum Reflektieren, Planen, tiefes Empfinden, Zusammenwirken mit anderen usw.), deren Schutz die Gerechtigkeit verlangt. Die Menschenrechte gehen aus einem solchen Gerechtigkeitszugang hervor.

weiterlesen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s