Wohlwollend naiv: DiTiB ohne politische Bindung zur Türkei


Am Montag, 3. Oktober, lädt der Moschee-Verein Ditib Kinzigtal wieder zu einem Tag der Offenen Moschee in Haslach ein. Wir nahmen dies zum Anlass, mit der Ditib Dialogbeauftragten für interkulturelle und interreligiöse Zusammenarbeit Merican Durmus aus Zell über die Spannungen zu reden, die seit dem Putsch am 15. Juli in der Türkei auch hier in Deutschland in der Luft zu liegen scheinen.

Von Claudia Ramsteiner | baden online

Sie sind in Ihrer Gemeinde Dialogbeauftragte für interkulturelle und interreligiöse Zusammenarbeit. Machen Sie das ehrenamtlich oder hauptberuflich?

Merican Durmus: Leider immer noch ehrenamtlich, da wir keinerlei Unterstützung bekommen. Wären wir, wie die Kirchen, eine anerkannte Körperschaft öffentlichen Rechts, könnten wir hier und da eine finanzielle Unterstützung bekommen. Wir sind für die gesamte Finanzierung auf Mitgliedsbeiträge und Spenden angewiesen. Ohne Ehrenamt geht da überhaupt nichts.
Ich bin aber traurig, dass trotz so großen ehrenamtlichen Einsatzes der Ditib immer wieder in der Kritik steht. Ich will ja nicht behaupten, dass er gar nicht anerkannt ist, wir haben ja für unsere Arbeit immerhin auch schon Preise bekommen. Aber warum wird unsere Arbeit immer in Frage gestellt? Wir sind ein nach deutschem Vereinsrecht gegründeter Verein. Wir haben die Gemeinnützigkeit nicht von der Türkei bekommen, sondern vom deutschen Staat. Und dennoch wird an unserer Loyalität gezweifelt. Mit welchem Verständnis ist das vereinbar?

Sie werden nicht von der Türkei unterstützt?

Durmus: Nur über den Imam, der uns von der Türkei zur Verfügung gestellt wird. Das ist die einzige Kooperation, die wir mit der Türkei haben. Und das ist wichtig, weil sich die Religion nicht ganz von der Kultur und der Tradition trennen lässt.

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