Die Kieselalge und der Berg

Moubray Bay und Mount Herschel, Ostantarktis. Bild: Andrew Mandemaker/CC BY-SA 2.5
Moubray Bay und Mount Herschel, Ostantarktis. Bild: Andrew Mandemaker/CC BY-SA 2.5
Neue wissenschaftliche Studien deuten auf einen dramatischen Anstieg des Meeresspiegels in diesem Jahrhundert hin. Der Klimakollaps kann nur jenseits des Kapitalismus aufgehalten werden

Von Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Wie kommen die Meeresorganismen in die Gebirgskette? Es ist eine dieser sehr fachspezifisch anmutenden wissenschaftlichen Streitfragen, deren Klärung weitreichende Konsequenzen für das Verständnis des Klimawandels hat, die jüngst weitgehend gelöst werden konnte.

1984 entdeckte eine wissenschaftliche Expedition in das Transantarktische Gebirge, auf einer Höhe von rund zwei Kilometern über dem Meeresspiegel, Versteinerungen winziger Meeresorganismen, sogenannter Kieselalgen oder Diatomeen. Seitdem tobte in der Wissenschaft ein heftiger Streit darüber, wie die Diatomeen in einen der ältesten Gebirgszüge der Antarktis gelangt sind.

Der entscheidende Durchbruch

Im Laufe der vergangenen Dekaden bildeten sich „zwei große Lager aus“, die einander verbissen bekämpften, erinnerte sich der Antarktis-Experte Reed Scherer gegenüber der Washington Post:

Es ging dabei wirklich gemein zu.

Die Anhängerschaft eines „dynamischen“ Erklärungsansatzes ging davon aus, dass im erdgeschichtlichen Zeitalter des Pliozän, also vor 5,3 bis 2,5 Millionen Jahren, die gigantische ostantarktische Eisdecke einen dramatischen Kollaps erfahren habe. Die daraufhin einsetzende Anhebung des antarktischen Bodens und nachfolgende Gletscherbildung habe die Kieselalgen in die luftigen Höhen der Transantarktische Gebirgskette verschlagen.

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Polen: Erzbischöfe attackieren Gegner von Abtreibungsverbot

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Die Bischöfe Jedraszewski und Depo stellen sich hinter die Regierung. Sie sehen das „Evangelium des Todes“ am Werk und wollen „das Leben“ verteidigen.

Die Presse.com

Die katholische Kirche in Polen attackiert die Gegner des geplanten strengen Abtreibungsverbotes. Der Erzbischof von Lodz, Marek Jedraszewski, warf ihnen am Montag bei einem Gottesdienst vor, das „Evangelium des Lebens durch das Evangelium des Todes ersetzen“ zu wollen, meldet Kathpress. Sie wollten die Frauen vor einem Gesetz schützen, das „verbietet, das eigene Kind zu töten“, meinte er.

Das von der national-konservativen Partei „Recht und Gerechtigkeit“ (PiS) dominierte Parlament will ein Volksbegehren umsetzen, das bis zu fünf Jahre Haft für schwangere Frauen vorsieht, die abtreiben lassen. Abtreibungen sollen nur noch erlaubt sein, wenn das Leben der Schwangeren in Gefahr ist. Nach dem geltenden Recht sind Schwangerschaftsabbrüche auch bei einer irreversiblen schweren Schädigung des Fötus oder einer Schwangerschaft infolge einer Vergewaltigung erlaubt.

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EU-Parlament verschärft Regeln gegen Folterwerkzeuge

Der Handel mit Folter- und Hinrichtungswerkzeugen soll erschwert werden. Das Europaparlament votierte am Dienstag in Straßburg für die Reform eines bereits bestehenden Gesetzes.

evangelisch.de

612 EU-Abgeordnete stimmten für die Verschärfung, elf dagegen, es gab 54 Enthaltungen. Der Ministerrat als Vertretung der EU-Mitgliedstaaten muss der Reform noch zustimmen. Das bisherige Gesetz von 2005 verbietet bereits die Ausfuhr von Waren, die ausschließlich zu Exekutionen und Folter dienen, wie elektrische Stühle oder Daumenschrauben mit Stacheln, wie das Europaparlament erläuterte.

Die Ausfuhr anderer Waren, die für Folter und Hinrichtung, aber auch für legitime Zwecke dienen können, wird kontrolliert. Unter die letztere Kategorie fallen nach Angaben aus dem Parlament etwa Elektroschockgeräte und Betäubungsmittel, die in Hinrichtungsspritzen eingesetzt werden. Die Gesetzesreform soll nun verschiedene Schlupflöcher schließen. Demnach wird es unter anderem künftig verboten, Werbung für Folter- und Hinrichtungswerkzeuge zu schalten – ob im Internet oder in der realen Welt. Das Werbeverbot betrifft auch Handelsmessen in der EU, wo bestimmte Güter bisher noch hatten ausgestellt werden dürfen.

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Strafverfahren gegen Böhmermann eingestellt

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
  • Die Mainzer Staatsanwaltschaft hat ihr Ermittlungsverfahren gegen den ZDF-Moderator Jan Böhmermann eingestellt.
  • Böhmermann wird vorgeworfen, den türkischen Präsidenten Erdogan mit einem Schmähgedicht beleidigt zu haben.

Süddeutsche.de

Die Staatsanwaltschaft Mainz hat das Ermittlungsverfahren gegen Jan Böhmermann eingestellt. Wie die Behörde mitteilte, „waren strafbare Handlungen nicht mit der erforderlichen Sicherheit nachzuweisen“.

Böhmermann hatte Ende März ein Schmähgedicht vorgetragen, das sich gegen den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan richtete. Die Mainzer Ermittlungen wurden erst möglich, nachdem die Bundesregierung das Strafverfahren zugelassen hatte. Zugleich kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel an, einen Gesetzentwurf zur Streichung des Paragrafen 103 einzubringen, der das Beleidigen von Vertretern ausländischer Staaten unter Strafe stellt.

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Nobelpreis geht an Physiker Thouless, Haldane und Kosterlitz

Nobelpreis-Medaille

Die drei Wissenschaftler teilen sich die Auszeichnung für ihre Forschung auf dem Gebiet der Festkörpermathematik.
 

Süddeutsche.de

Der diesjährige Nobelpreis für Physik geht an David J. Thouless, F. Duncan M. Haldane und J. Michael Kosterlitz für ihre Forschung auf dem Gebiet der Festkörpermathematik. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm bekannt. Die eine Hälfte der Auszeichnung geht an David Thouless. Die zweite Hälfte teilen sich Duncan Haldane und Michael Kosterlitz.

„Die Geehrten haben eine Tür zu einer unbekannten Welt geöffnet, in der Materie seltsame Zustände annehmen kann. Sie haben fortschrittliche mathematische Methoden benutzt, um ungewöhnliche Phasen oder Zustände von Materie zu untersuchen, beispielsweise Superkonduktoren, Superfluide oder dünne magnetische Schichten“, hieß in der Begründung der Juroren. „Dank ihrer Pionierarbeit ist die Jagd auf neue und exotische Zustände von Materie eröffnet.“

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Der stille Massenmord

Szene aus
Szene aus „Nebel im August“.Foto: Promo
Die Nazis beginnen 1939 hinter den verschlossenen Türen der Psychiatrie, Menschen zu ermorden. Michael von Cranach hat die Geschichte der Euthanasie erforscht.

Von Björn Rosen | DER TAGESSPIEGEL

Michael von Cranach, geboren 1941, ist einer der wichtigsten Experten zum Thema Euthanasie im Nationalsozialismus. Von 1980 bis 2006 war er ärztlicher Direktor des Bezirkskrankenhauses Kaufbeuren im Allgäu, wo er die Aufarbeitung der Vergangenheit entschieden vorantrieb. Das Team des Films „Nebel im August„, der jetzt in den Kinos läuft, hat er beraten.

Herr von Cranach, unter den Nazis wurden psychisch Kranke und Behinderte systematisch vergast und vergiftet. Trotz 200 000 Opfern wissen die meisten Leute wenig über dieses Verbrechen.

Das hängt sicher mit dem Stigma zusammen, mit dem Behinderte und psychisch Kranke bis heute behaftet sind. Es gab auch keinen richtigen Neuanfang, keine Zäsur nach 1945. Inzwischen wurde viel geforscht, und die Quellenlage ist ausgezeichnet. Es gibt Krankenhausunterlagen, Akten der Gerichtsprozesse nach dem Krieg, Zeitzeugen-Befragungen durch die Alliierten …

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Umweltministerium plant härtere Auflagen für große Tierställe

 Härtere Auflagen für große Tierställe: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) (Foto: Nuria Casulleres/dpa)
Härtere Auflagen für große Tierställe: Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) (Foto: Nuria Casulleres/dpa)
  • Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) plant schärfere Auflagen für Massentierhaltung.
  • Betroffen ist etwa das Baurecht, das Naturschutzgesetz und den Wasserschutz.
  • Die Ministerin wehrt sich gegen Kritik.

Süddeutsche.de

Das Bundesumweltministerium will die intensive Tierhaltung deutlich erschweren. Das geht aus einem 14-seitigen Gesetzentwurf hervor, der der Süddeutschen Zeitung vorliegt. Das „Intensivtierhaltungsgesetz“ zielt auf Änderungen von Gesetzen, bei denen das Umweltministerium die Federführung hat, darunter das Baurecht, das Naturschutzgesetz sowie Vorgaben für den Wasserschutz.

So sollen bisherige Privilegien für Landwirte im Baugesetz gestrichen werden. Danach können Landwirte große Tierställe selbst dann errichten, wenn es keinen entsprechenden Bebauungsplan gibt. Einzige Bedingung: Der Betrieb muss über ausreichend Fläche verfügen, um das nötige Futter zu erzeugen, zumindest rein theoretisch.

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Ohne Streit keine Wissenschaft

Schon beim Eingang wird die enge Verflechtung von "Creation Science" und einer streng wörtlicher Auslegung der Bibel ersichtlich. Kreationismus ist im Prinzip eine Art Theologie und verwendet naturwissenschaftliche Erkenntnisse nur dort, wo es ins Weltbild passt.( Themenbild.)
Schon beim Eingang wird die enge Verflechtung von „Creation Science“ und einer streng wörtlicher Auslegung der Bibel ersichtlich. Kreationismus ist im Prinzip eine Art Theologie und verwendet naturwissenschaftliche Erkenntnisse nur dort, wo es ins Weltbild passt.( Themenbild.)
Wissenschafter müssen sich streiten. Und wenn sie es tun, beweist das keineswegs, dass am Ende der Glaube entscheidet.

Von Klaus Dingwerth | Neue Zürcher Zeitung

In seinem Beitrag (NZZ 15. 9. 16) spricht sich Mathias Binswanger für eine ordentliche Portion Skepsis gegenüber der Wissenschaft aus. Das wissenschaftliche Wissen sei dem religiösen Glauben näher, als wir meinten, und ob man der Wissenschaft etwa in Fragen des Klimawandels vertraue, sei angesichts widerstreitender Studien letztlich eine Glaubensfrage. Zu Beginn lässt der Text einige durchaus bedenkenswerte Argumente der Klassiker anklingen. Wissenschaft und Religion sind als umfassende Denksysteme wesensverwandt. Paul Feyerabend weist in seinem Werk «Wider den Methodenzwang» darauf hin. Altes Wissen wird als nur vermeintliches Wissen entlarvt und durch neues abgelöst, das seinerseits immer nur Wahrheit auf Zeit bleibt. Karl Popper hat es allen Bachelor-Studierenden in die Lehrbücher geschrieben.

Die Wissenschaft ist eine soziale Institution. Das wissen wir, seit Thomas Kuhn in seiner Rekonstruktion wissenschaftlicher Revolutionen nachgezeichnet hat, dass es in der Auseinandersetzung um alternative Theorien nicht einfach um die «objektive Erklärungskraft» verschiedener Modelle geht.

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Umfrage: Zwei Drittel der US-Bürger glauben an Heilungswunder

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Zwei Drittel der US-Amerikaner glauben an Heilungswunder, ein Viertel hat selbst schon solche erlebt. Das hat eine Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Barna (Ventura/Kalifornien) ergeben.
 

kath.net

Evangelikale (87 Prozent) sind demnach am ehesten davon überzeugt, dass Gott auf wundersame und unerklärliche Weise heilen kann. Protestanten halten das für wahrscheinlicher als Katholiken. Während unter den Evangelikalen fast jeder Zweite (48 Prozent) angab, eine geheimnisvolle Heilung bereits am eigenen Leib erfahren zu haben, sagte das unter den befragten Katholiken nur knapp jeder Fünfte (18 Prozent).

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Streit unter deutschen Patrioten

Am 3.10.1990 in Berlin: Hunderttausende waren dabei, als vor dem Reichstag die schwarz-rot-goldene Bundesfahne gehisst wurde. Bild: Peer Grimm, Deutsches Bundesarchiv (183-1990-1003-400). Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Am 3.10.1990 in Berlin: Hunderttausende waren dabei, als vor dem Reichstag die schwarz-rot-goldene Bundesfahne gehisst wurde. Bild: Peer Grimm, Deutsches Bundesarchiv (183-1990-1003-400). Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Wenn Rechte die Einheitsfeier in Dresden stören, darf nicht vergessen werden, dass ihre Wurzeln in den Herbst 1989 reichen

Von Peter Nowak | TELEPOLIS

Der Grünenpolitiker Matthias Oomen hat mit einem Scherz nicht nur die rechte Szene, sondern alle deutschen Patrioten aufgebracht. Dabei hat er den Fund einer Fliegerbombe mit den Worten kommentiert: „DD Fliegerbombe. Das lässt ja hoffen Do! It! Again!“

Damit erinnerte er an den Slogan „Bomber Harris do it again“, mit dem in den 1990er Jahren antideutsche Antifas gegen die deutschen Verhältnisse anstänkern wollten. Damals gehörte der Publizist Jürgen Elsässer zu den Unterstützern der Parole. Dafür muss er bei seinen jetzigen politischen Gesinnungsgenossen wohl noch Abbitte leisten, schließlich greift er in seinem Querfrontmagazin Compact jetzt Oomen besonders heftig dafür an, dass er noch an eine Zeit erinnert, wo die Kritik an Deutschland noch zu den Medienereignissen gehörte. Das hat sich mittlerweile geändert. Im Jahr 2016 gab es auch in Dresden vom Bündnis „Nationalismus ist keine Alternative“ organisierte Proteste gegen die Einheitsfeier und ihre rechten Kritiker.

Wenn zivilgesellschaftliche Organisationen vom fehlenden Anstand statt von Rassismus sprechen

Doch medial wurden die Pöbeleien einiger hundert Rechter aus dem Umfeld der zerstrittenen Pegida-Bewegung wahrgenommen, die Merkel, Gauck und andere geladenen Gäste als Volksverräter beschimpften und mit Trillerpfeifen auspfiffen. Während selbst das zivilgesellschaftliche Bündnis Atticus, statt von Rassismus und rechten Populisten zu sprechen, nur monierte, dass Respekt und Anstand immer weniger Geltung besitzen würden, erwähnte die Zeit immerhin, wer auch am 3. Oktober die eigentlichen Opfer deutscher Patrioten waren: „Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde mit „Abschieben“-Rufen empfangen.“ Schon im Vorfeld der turnusmäßig rotierenden Einheitsfeierlichkeiten wurde diskutiert, ob es klug ist, diese in Dresden, der Stadt von Pegida, zu begehen oder abzusagen. Besonders nach den Anschlägen gegen eine Moschee und ein Kongresszentrum, die zunächst linken Gruppen untergeschoben werden sollten, wurde die Kritik am Austragungsort Dresden lauter.

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Ägäis: Milos Zeman will Flüchtlinge in Straflager deportieren

Milos Zeman will illegale Einwanderer auf unbewohnten Inseln unterbringen lassen. Foto: dpa
Milos Zeman will illegale Einwanderer auf unbewohnten Inseln unterbringen lassen. Foto: dpa
Der tschechische Präsident Milos Zeman schlägt vor, illegale Einwanderer in ehemalige Straflager auf unbewohnten Ägäisinseln zu deportieren. Der Druck auf Griechenland wächst.

Von Gerd Höhler | Frankfurter Rundschau

Das Gefängnis steht noch: ein Komplex aus ein- bis zweistöckigen Backsteinbauten. Mit etwas Arbeit könnte man das Lager wohl innerhalb weniger Wochen wieder bewohnbar machen. Schon in der römischen Kaiserzeit war die kleine Felseninsel Gyaros in der Ägäis ein gefürchteter Verbannungsort. Werden dort nun Einwanderer untergebracht? Der tschechische Präsident Milos Zeman schlug am Wochenende vor, Wirtschaftsmigranten in „leere Landstriche“ Nordafrikas oder auf „unbewohnte griechische Inseln“ zu deportieren. Das weckt Erinnerungen an die Straflager der griechischen Obristenjunta, wie auf Gyaros. Seit 1982 ist die Insel unbewohnt.

Dass Griechenland es zulassen würde, Straflager aus der Zeit des Bürgerkrieges als Ghettos für illegale Einwanderer zu reaktivieren, ist ausgeschlossen. Aber der bizarre Vorschlag des tschechischen Präsidenten zeigt: Athen gerät in der Flüchtlingspolitik zunehmende in die Defensive.

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Glocke oder Muezzin: Was nervt mehr?

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Moscheegemeinden dürfen in Deutschland den Muezzin laut zum Gebet rufen lassen. Die Religionsfreiheit erlaubt das – genauso wie sie es Kirchengemeinden erlaubt, ihre Glocken zu läuten. Beschwerden gibt es häufiger über Glocken als über Muezzinrufe.

Von Anne Kampf | evangelisch.de

„Allāhu akbar. Ašhadu an lā llāha lllā llāh. Ašhadu anna Muḥammadan rasūlu llāh. Ḥayya ʿalā ṣ-ṣalāt.…“. So beginnt der Gebetsruf in arabischer Sprache. Jedes rituelle islamische Gebet fängt mit diesen Worten an, ob zu Hause oder in der Moschee. „Allah (Gott) ist groß (größer als alles und mit nichts vergleichbar). Ich bezeuge, dass es keine Gottheit gibt außer Allah (Gott). Ich bezeuge, dass Mohammed Allahs (Gottes) Gesandter ist. Eilt zum Gebet. …“ Der muslimische Gebetsruf ist ein Glaubensbekenntnis.

Darin liegt schon der wesentliche Unterschied zum kirchlichen Geläut: Die Glocken läuten nur als Klangsignal – ohne Worte, die eine Botschaft vermitteln würden. Trotzdem sind sie nicht frei von inhaltlichen Aussagen, erläutert der Bonner Staatskirchenrechtler Ansgar Hense: Glocken können einladende, anzeigende, erinnernde oder prädikative Funktion haben, das heißt zum Gottesdienst rufen, eine Hochzeit oder Beerdigung ankündigen, zum Gebet auffordern oder Freude ausdrücken.

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Immer mehr Flüchtlingskinder ertrinken bei der Flucht

Bergung von Flüchtlingen in Lampedusa © Noborder Network @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Bergung von Flüchtlingen in Lampedusa © Noborder Network @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Schätzungen zufolge sind allein im laufenden Jahr mindestens 600 Kinder und Jugendliche im Mittelmeer ertrunken. Im gesamten Vorjahr wurden 500 tote Flüchtlingskinder gezählt. Die Kinderhilfsorganisation „Save the Childreen“ schlägt Alarm und dringt auf verstärkten Schutz.

MiGAZIN

Seit Jahresbeginn sind nach Schätzungen von „Save the Children“ mindestens 600 Kinder und Jugendliche bei der Flucht über das Mittelmeer ums Leben gekommen. Damit sei die Gesamtzahl minderjähriger Todesopfer von 500 vom vergangenen Jahr bereits innerhalb der ersten neun Monate überschritten worden, wie die Kinderhilfsorganisation am Freitag in Rom mitteilte.

Unter den Flüchtlingen, die über das südliche Mittelmeer Italien erreichen, seien immer mehr Kinder und Jugendliche. So stellten Minderjährige knapp 30 Prozent der 300.000 seit Januar in Italien registrierten Migranten. Knapp zwei Drittel treten die Reise den Angaben zufolge ohne Begleitung an. „Unter all jenen, die sich auf die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer machen, sind Kinder am meisten gefährdet, besonders dann, wenn sie allein sind“, beklagte der Generaldirektor von „Save the Children“ in Italien, Valerio Neri.

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Einheitsfeier in Dresden: „Kostenlose Empörung“

Gegner empfangen die Gäste der Einheitsfeier in Dresden mit lautem Gebrüll und Pfeifen.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters
Gegner empfangen die Gäste der Einheitsfeier in Dresden mit lautem Gebrüll und Pfeifen.Foto: Fabrizio Bensch/Reuters
Die Einheitsfeiern in Dresden werden für Merkel und Gauck zum Spießrutenlauf. Pegida-Anhänger brüllen und pöbeln. Drinnen findet Bundestagspräsident Lammert deutliche Worte.

Von Lars Radau | DER TAGESSPIEGEL

Diesmal geht der Polizist fast sofort dazwischen. „Nehmen Sie sofort die Arme runter“, herrscht er einen durchtrainierten jungen Mann an, der zu Kapuzenpulli, Jeans und Basecap auch eine Trillerpfeife und Ohrenstöpsel trägt. Denn viel hätte in diesem Moment vor der Dresdner Semperoper nicht gefehlt, dass sich direkt am Absperrgitter vor der Protokollzone eine handfeste Prügelei entwickelt. Der Pfeifenträger hatte schon geraume Zeit mit ein paar Kameraden lautstark seinen Protest gegen den auf einer Großbildleinwand aus der Oper übertragenen Festakt zum Tag der deutschen Einheit getrillert. Direkt in die Ohren eines dunkelhäutigeren Mannes mit schwarz- rot-goldenem Sombrero, der ebenfalls auf den Theaterplatz gekommen ist, um die Einheit zu feiern. Sein auf einen Pappdeckel gemaltes „Wir schaffen das“, ebenfalls in Schwarz-Rot-Gold gehalten, sei „völlig unironisch“ gemeint, hatte er ein paar Minuten zuvor betont. Als er mit erhobener Stimme verkündet, dass ihn das Gepfeife nerve und einen Schritt auf die Gruppe zugeht, liegt die Keilerei in der Luft – bis der Polizist einschreitet.

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«Nicht die Frauen, sondern die Männer werden im Porno-Business ausgebeutet»

Das Video zur Porno-Messe von Barcelona schlug ein wie eine Bombe: Darin hält Pornodarstellerin Amarna Miller der spanischen Gesellschaft den Spiegel vor und kritisiert ihre Heuchelei.

Von Kian Ramezani | watson.ch

Seither eilt die 25-Jährige Madrilenin von einem Pressetermin zum nächsten. Im Interview mit watson verrät sie, welche Kritik sie am meisten trifft und warum auch die Porno-Industrie ein Hort der Heuchelei ist.

Wie lange überlegten Sie, als man Sie anfragte, in besagtem Video mitzuspielen?
Amarna Miller:
Der Regisseur kam auf mich zu, und ich sagte sofort zu, obwohl das Skript nicht von mir stammt. Noch am selben Tag wurde gedreht. Es sind alles Themen, die mir wichtig sind und über die ich immer wieder öffentlich spreche. Man kennt mich in Spanien und weiss, dass ich oft kritisiere.

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Türkei verlängert Ausnahmezustand

erdoganDas Kabinett unter dem Vorsitz von Präsident Erdogan hat entschieden: Der Ausnahmezustand herrscht noch mindestens drei weitere Monate.

Die Presse.com

Die türkische Regierung hat den seit Mitte Juli geltenden Ausnahmezustand im Land um drei Monate verlängert. Vom 19. Oktober an gelte der Ausnahmezustand in der Türkei für weitere 90 Tage, teilte der stellvertretende Regierungschef Numan Kurtulmus am Montag nach einer Kabinettssitzung mit.

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Pardon Snowden Campaign Has a Snapchat Filter at Obama’s White House Concert

Image: Pardon Snowden
The ongoing “Pardon Snowden” campaign has launched a Snapchat filter at the White House’s “South By South Lawn” event, meaning anyone who uses the app at President Obama’s concert will be able to participate in a pretty frictionless and low-key bit of political activism.

By Jason Koebler | MOTHERBOARD

Last month, the American Civil Liberties Union, Human Rights Watch, Amnesty International, and dozens of other human rights organizations launched the Pardon Snowden campaign, which seeks to get President Obama to pardon NSA whistleblower Edward Snowden before his first term is up. Hundreds of lawyers, policymakers, actors, artists, and cryptographers, as well as thousands of internet users have also signed a petition supporting Snowden.

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„Black Monday“ in Polen: Zehntausende Frauen demonstrieren gegen radikales Abtreibungsverbot

kirche_polen

Das polnische Abtreibungsrecht zählt zu den strengsten in Europa, bald könnte es noch verschärft werden. Am Montag gingen Zehntausende Frauen gegen diesen Plan auf die Straße.

SpON

Zehntausende polnische Frauen haben am Montag in schwarzer Kleidung gegen ein noch strengeres Abtreibungsverbot protestiert. Trotz starken Regens versammelten sich mindestens 22.000 Menschen zum sogenannten „schwarzen Protest“ in der Warschauer Innenstadt, wie Stadtsprecher Bartosz Milczarczyk mitteilte.

Weitere „Black Monday“-Protestkundgebungen und -märsche gab es unter anderem in Breslau, Krakau, Posen und Stettin. In Warschau hatten Frauen bereits am Samstag auf der Straße demonstriert.

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This man wrote the book on British Labour anti-Semitism — literally

Dave Rich, author of 'The Left's Jewish Problem' (Courtesy)
Dave Rich, author of ‚The Left’s Jewish Problem‘ (Courtesy)
Towards end of a long summer contest for UK Labour leadership between Jeremy Corbyn and challenger Owen Smith, a number of people could be seen annotating a gaudily-covered paperback book.

By Jenni Frazer | The Times of Israel

Dave Rich’s seminal primer, “The Left’s Jewish Problem: Jeremy Corbyn, Israel and Antisemitism” could not have been published at a more appropriate time, on the heels of the leadership contest and the eve of Labour’s annual party conference.

It is no wonder audience members at speeches were using Rich’s book as a source to trace the extraordinary position in which Britain’s Labour Party now finds itself. Once the natural party to which Jews gravitated, Labour’s new toxic message has alienated Jews all over the country, disenfranchising those who had traditionally voted a straight Labour ticket all their adult lives.

At the same time, Labour’s “new politics” has attracted a groundswell of younger people, many of them disaffected from voting, but who are enthused by the ideas put forward by Corbyn and his inner circle — despite the fact that 172 of Labour’s MPs have repudiated Corbyn’s leadership.

Rich is deputy communications director of the Community Security Trust (CST) and associate research fellow at the Pears Institute for the Study of Antisemitism at London University’s Birkbeck College. His book grew out of his PhD thesis and is a remarkable, methodical documentation of the growth of left-wing anti-Semitism in Britain.

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Wo Ost und West sich unterscheiden – und wo nicht

 Grenze und Mauer sind schon lange abgebaut. Aber manche Dinge trennen die Menschen in Ost- und Westdeutschland noch immer. (Foto: dpa)
Grenze und Mauer sind schon lange abgebaut. Aber manche Dinge trennen die Menschen in Ost- und Westdeutschland noch immer. (Foto: dpa)
Einkommen, Bildung, Zufriedenheit: Der Osten hat seit der Wiedervereinigung in vielen Bereichen aufgeholt. Doch Daten belegen immer noch erhebliche Unterschiede zum Westen.

Von Markus C. Schulte von Drach | Süddeutsche.de

Zum Tag der Deutschen Einheit betonen Politiker gerne, wie sehr die Bundesländer im Osten und Westen sich seit der Wiedervereinigung angeglichen haben. Die wirtschaftlichen Fortschritte in den neuen Bundesländern seien beachtlich, heißt es dann. Andere halten dagegen, die Entwicklung sei alles andere als zufriedenstellend. Arm seien die Menschen im Osten – und vielleicht gerade deshalb auch oft fremdenfeindlich.

Was sich tatsächlich getan hat, zeigen Daten, die Behörden wie das Bundesamt für Statistik regelmäßig veröffentlichen. An den Zahlen lässt sich gut erkennen, wo es weiterhin Unterschiede zwischen Ost und West gibt – und wo nicht.

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