Die Kieselalge und der Berg


Moubray Bay und Mount Herschel, Ostantarktis. Bild: Andrew Mandemaker/CC BY-SA 2.5
Moubray Bay und Mount Herschel, Ostantarktis. Bild: Andrew Mandemaker/CC BY-SA 2.5
Neue wissenschaftliche Studien deuten auf einen dramatischen Anstieg des Meeresspiegels in diesem Jahrhundert hin. Der Klimakollaps kann nur jenseits des Kapitalismus aufgehalten werden

Von Tomasz Konicz | TELEPOLIS

Wie kommen die Meeresorganismen in die Gebirgskette? Es ist eine dieser sehr fachspezifisch anmutenden wissenschaftlichen Streitfragen, deren Klärung weitreichende Konsequenzen für das Verständnis des Klimawandels hat, die jüngst weitgehend gelöst werden konnte.

1984 entdeckte eine wissenschaftliche Expedition in das Transantarktische Gebirge, auf einer Höhe von rund zwei Kilometern über dem Meeresspiegel, Versteinerungen winziger Meeresorganismen, sogenannter Kieselalgen oder Diatomeen. Seitdem tobte in der Wissenschaft ein heftiger Streit darüber, wie die Diatomeen in einen der ältesten Gebirgszüge der Antarktis gelangt sind.

Der entscheidende Durchbruch

Im Laufe der vergangenen Dekaden bildeten sich „zwei große Lager aus“, die einander verbissen bekämpften, erinnerte sich der Antarktis-Experte Reed Scherer gegenüber der Washington Post:

Es ging dabei wirklich gemein zu.

Die Anhängerschaft eines „dynamischen“ Erklärungsansatzes ging davon aus, dass im erdgeschichtlichen Zeitalter des Pliozän, also vor 5,3 bis 2,5 Millionen Jahren, die gigantische ostantarktische Eisdecke einen dramatischen Kollaps erfahren habe. Die daraufhin einsetzende Anhebung des antarktischen Bodens und nachfolgende Gletscherbildung habe die Kieselalgen in die luftigen Höhen der Transantarktische Gebirgskette verschlagen.

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