Böhmermann kritisiert Türkei

Screenshot: youtube
Screenshot: youtube
Der Satiriker Jan Böhmermann hat sich zur Einstellung des Verfahrens gegen ihn geäußert, sein Schmähgedicht verteidigt und Kritik an Erdogans autokratischer Politik geübt.

Der TAGESSPIEGEL

Der Satiriker Jan Böhmermann hat sich am Mittwochnachmittag in einem Video zur Einstellung des Verfahrens gegen ihn geäußert und scharfe Kritik an der Meinungsfreiheit in der Türkei geäußert. „Während Sie dieses Video sehen, sitzen in der Türkei Menschen in Haft ohne Chance auf einen fairen Prozess, weil sie sich kritisch mit ihrem Land auseinandergesetzt haben, öffentlich oder in einem großen Kreis eine andere Meinung vertreten haben als erlaubt.“

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Abdel-Samad über Koran: Wer sucht, der findet – alles

Hamed Abdel-Samad, Bild: bb
Hamed Abdel-Samad, Bild: bb

Der islamkritische Autor Hamed Abdel-Samad deutet den Koran für die säkulare Gegenwart. Über alle Ambivalenzen rettet er die spirituelle Kraft des Islam.

 

Von Wolfgang Günter Lerch | Frankfurter Allgemeine

Das meiste, was der aus Ägypten stammende Autor Hamed Abdel-Samad in seinem Buch mitteilt, ist der Koranwissenschaft längst bekannt. Dem Buch kommt aber das Verdienst zu, diese Kenntnisse klar strukturiert und verständlich für eine breite Leserschaft zusammengefasst zu haben. Abdel-Samad war, als er noch in seiner Heimat lebte, durchaus dem Islamismus zugeneigt, sein Vater war ein Imam in einem Dorf am Nil. Heute verfolgt der Autor seine Religion und ihre Entwicklung mit engagierter Distanz. Es sind zwei Kerngedanken, unter denen dieser Islam-Kritiker sein Buch stellt. Zum einen sei der Koran eine Art Supermarkt. Man kann in ihm alles finden, je nachdem, was man sucht. Wer Suren sucht, die die Gewalt, ja den Krieg rechtfertigen, wird sie finden. Doch er wird auch solche finden, die den Frieden beschwören.

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Erdogan will die griechischen Inseln zurück

Foto: Wassilis Aswestopoulos
Foto: Wassilis Aswestopoulos
Als am vergangenen Donnerstag aus der Türkei über die dortige Presse die Botschaft nach Griechenland kam, dass der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan den Friedensvertrag von Lausanne anzweifelte, wurden in Griechenland Erinnerungen an frühere ähnliche Äußerungen türkischer Staatsführer wach. Zuletzt brachte die so genannte Imia-Krise beide Nachbarstaaten 1996 an den Rand eines Krieges.

Von Wassilis Aswestopoulos | TELEPOLIS

Seinerzeit ging es um unbewohnte Felseninseln in der Ägäis. Heute scheint es ernster. Der Bürgermeister von Ankara veröffentlichte über Twitter eine Karte, in der sämtliche Ägäis-Inseln, also auch die mit dem griechischen Festland mit einer Brücke verbundene Insel Euböa nahe Athen, sowie Kreta als zur Türkei gehörig eingezeichnet werden. Vorher hatte Erdogan gesagt:

Was in der kurzen Zeit zwischen 1912 und 1923 in unserem Land geschah, das in der Zwischenzeit auf ein Fünftel reduziert worden war, war der Versuch einer Besatzung. Unsere Nation sagt, dass der 15. Juli ein zweiter Befreiungskrieg der türkischen Nation ist. Im Jahr 1920 drohten sie uns mit dem Vertrag von Sèvres und schließlich hat man uns überzeugt, den Vertrag von Lausanne zu unterzeichnen. Einige versuchten, uns (den Vertrag von) Lausanne aufzudrängen.

Die Inseln gaben wir in Lausanne her. Was mit dem Festlandsockel, was mit dem Luftraum und dem Boden geschieht, für alles dies kämpfen wir noch. Die Verursacher für diese Situation sind diejenigen, die am Tisch dieser Vertragsverhandlungen saßen. Sie waren der Größe der Anforderungen nicht gewachsen, daher müssen wir uns nun mit dem Problem beschäftigen. Wäre der Putschversuch erfolgreich gewesen, so wäre es weitergegangen mit einem Deal schlechter als den des Vertrags von Sèvres.

Tayyip Erdogan

Die griechische Regierung protestierte umgehend auf diplomatischem Weg, erhielt aber von der türkischen Seite die Antwort, dass offene Fragen hinsichtlich der Inseln und der Grenzen bestünden. Es geht vor allem um sechszehn Inseln, die mit dem Vertrag von Lausanne endgültig an Griechenland fielen.

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Laizität und Islam: Ausweg Säkularismus

Bild: qantara.de
Bild: qantara.de
Der bekannte saudische Soziologe und Al-Hayat-Kolumnist Khalid al-Dakhil analysiert in seinem Essay den Stellenwert von Säkularismus und Islam im historischen Kontext.

qantara.de

In der religiös-politischen Kultur der Araber war der Säkularismus stets gleichbedeutend mit Atheismus und einem Mangel an religiösem Glauben. In der abendländischen Kultur jedoch, die am Säkularismus festhält, wird dies überhaupt nicht so gesehen. Eine der Folgen dieses Kontrastes ist, dass die Muslime in den Säkularismus eine Bedeutung projizieren, die dieser nicht nur nicht besitzt, sondern die auch nicht mit den ideologischen Voraussetzungen des Begriffs übereinstimmt.

Bisweilen wird in der islamischen Welt behauptet, dass Menschen aus dem europäischen Kulturkreis, die an das Konzept des Säkularismus glauben, dies mit der Tatsache begründeten, dass das Neue Testament verzerrt worden sei, wodurch sich das Christentum von seiner ursprünglichen Bedeutung, der Wahrheit oder der Rolle, die Gott ihm ursprünglich zugedacht hatte, entfernt habe. Und dies sei auch der Grund dafür gewesen, warum Europa in das „dunkle Zeitalter“ gefallen sei, aus dem es nur durch den Säkularismus befreit werden konnte.

Dahinter steckt ein gewisses Paradox, denn wenn es der Säkularismus war, der den Westen aus dem „dunklen Zeitalter“ in die Aufklärung geführt hat, und wenn Säkularismus gleichzeitig Atheismus und mangelnder religiöser Glaube bedeutet, war es folglich also nicht der Glauben, sondern der Atheismus und der Mangel an Glauben, der den Weg aus der Dunkelheit der Unwissenheit, Rückwärtsgewandtheit in das Zeitalter der Erkenntnis und Freiheit geführt hat. Doch hält eine solche Auffassung einer näheren empirischen Analyse wirklich stand?

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Unity Valkyrie Mitford – nur ein Hitler-Groupie?

„Mehr Nazi als die Nazis selbst“, urteilte der Britische Geheimdienst 1937 über Unity Valkyrie Mitford“. (Foto: Scherl/SZ Photo)
Eine neue Biografie enthüllt die wahre Rolle der jungen Britin Unity Valkyrie Mitford. Nur wenige Frauen waren dem NS-Diktator so nahe wie sie.

Von Hans Kratzer | Süddeutsche.de

Ausgerechnet eine junge Britin aus bestem Hause gehörte zum engsten Umfeld Adolf Hitlers: Unity Valkyrie Mitford, eine Cousine der Ehefrau des brititschen Premiers Winston Churchill, galt lange als Randfigur des Nationalsozialismus. Eine neue Biografie zeichnet nun aber ein anderes Bild: „Ich blätterte gerade in der Vogue, da sprach mich der Führer an“, heißt das Buch über die Frau, wegen der Hitlers Lebensgefährtin Eva Braun einen Selbstmordversuch unternommen haben soll.

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Antiziganismus: Wo Roma täglich Ablehnung erfahren

Roma & Sinti © Adam Jones @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Roma & Sinti © Adam Jones @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Auch in Deutschland stoßen Roma immer wieder auf Ablehnung. Der Verein „Amaro Foro“ will das ändern: Er dokumentiert die zahlreichen Fälle von Diskriminierung – ob es ausbeuterische Arbeitsverhältnisse sind oder die Verweigerung von Handyverträgen.

Von Jutta Geray | MiGAZIN

Das rot umrandete Verbotsschild im Laden „Regenbogenlicht“ in der Emserstraße im Berliner Stadtteil Neukölln galt nur für Roma. Darauf erteilte die Ladenbesitzerin „einer auf Raub und Betrug spezialisierten Bevölkerungsgruppe absolutes Ladenverbot“. Sie erregte damit viel Aufsehen in den Medien. Das Schild hängt dort zwar nicht mehr. Dafür weist die Besitzerin nun ungefragt auf den „Zigeunerbesen“ hin, den sie in der Tür aufgestellt hat.

Der „Zigeunerbesen“ als Symbol entstammt dem Reich des Aberglaubens, als im Mittelalter Hexen, Juden und Roma als Verbündete des Teufels galten und ferngehalten werden sollten. Damit lebt ein jahrhundertealtes Stigma auf: „Alle Roma betrügen und stehlen“.

„Amaro Foro“ dokumentiert Diskriminierung

Der Verein „Amoro Foro“ in Berlin berät vorwiegend Romnija und Roma aus Rumänien und Bulgarien. Seit 2014 dokumentiert der Verein die Diskriminierung dieser Bevölkerungsgruppe und zeigt, wie sehr sie immer noch in weiten Teilen auf Ablehnung stößt.

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Duke-Universität hält Seminare zu „toxischer Maskulinität“ ab

Jock und SJW in einer Person: PC Principal. Bild: Comedy Central
Jock und SJW in einer Person: PC Principal. Bild: Comedy Central
Die Duke-Eliteuniversität in Durham, North Carolina gilt als reale Vorlage für die fiktive Dupont-Universität in Tom Wolfes Roman I am Charlotte Simmons, einem der bislang bedeutendsten Literaturwerke des 21. Jahrhunderts.

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

In dieser Milieustudie erzählt der Autor anhand eindrucksvoller Beispiele vom Niedergang des amerikanischen Bildungssystems, in dem es nicht mehr um Erkenntnis geht, sondern um Sport und Körper, und in dem die Abkömmlinge der Elite in ihren Studentenverbindungen eine Jock-Subkultur gebildet haben, in der Prestige in Sexualkontakten gemessen wird.

Dabei schildert Wolfe unter anderem, wie Verbindungsstudenten über betrunkene Mädchen herfallen, die sie auf Partys locken – und wie sie danach untereinander damit prahlen. Und er vermittelt, welche psychischen Auswirkungen das auf eine kluge Aufsteigerin aus einer konservativen Arbeiterklasse haben kann, die unter dem Erlebnis beinahe zerbricht. Außer einer einzigen reflektiert keine der Figuren in diesem Roman ihre eigene Situation anhand ihrer akademischen Arbeit – obwohl die so gewählt ist, dass es sich aufdrängt. Nur der Basketballspieler „Jojo“ bezieht die akademischen Inhalte schließlich auf sein eigenes Leben, lernt wirklich (im psychologischen Sinne) daraus und kann sich dadurch ändern.

Jocks und SJWs

Die zwölf Jahre, seit der Roman erschien, gaben dieser Einschätzung der Untauglichkeit von Lehrinhalten als Verhaltensreflexionshilfe für die US-Studenten von heute insofern Recht, als sich seitdem am Jock-Phänomen nichts geändert hat. Obwohl – oder möglicherweise vielleicht auch weil – eine andere akademische Subkultur, die SJWs, mit immer extremeren Mitteln wie der Anklage von angeblichen „Mikroaggressionen“ dagegen eintritt (vgl. Angebliche „Mikroaggressionen“). Fast scheint es, als ob sich die beiden Phänomene, die die Autoren der Serie South Park in der Figur des PC Principal vereint haben, gegenseitig nährten und wachsen ließen.

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Neue Vertretung Christlicher Regenbogengruppen gegründet

Bild: bpb.de
Bild: bpb.de
Lesbische, schwule, bisexuelle, transsexuelle, transidente, intersexuelle und queere Christinnen und Christen aus ganz Deutschland haben eine neue Vertretung gegründet: das Regenbogenforum – Christliche LSBTTIQ-Gruppen in Deutschland.

evangelisch.de

Bei der Gründungsversammlung am vergangenen Wochenende in Bielefeld sind folgende Gruppen dem Forum beigetreten: Arbeitsgemeinschaft Schwule Theologie, Labrystheia Netzwerk lesbischer Theologinnen und theologisch interessierter Lesben, LesBiSchwule Gottesdienstgemeinschaften, Maria und Martha Netzwerk, Netzwerk katholischer Lesben, Ökumenische Arbeitsgemeinschaft Lesben und Kirche, Ökumenische Arbeitsgruppe Homosexuelle und Kirche.

Rund 90 Mitglieder dieser christlichen LSBTTIQ-Gruppen aus ganz Deutschland haben bei dem Kongress über Leitbild und Satzung des Regenbogenforum e.V. beraten, bevor die Delegierten der Gruppen die Gründung besiegelten.

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Religion ist infantiler Aberglaube

 Der Sonnentempel während der späten Herrschaft der Inkas aus Paul Marcoys Reisetagebuch,1875. bild: doaks
Der Sonnentempel während der späten Herrschaft der Inkas aus Paul Marcoys Reisetagebuch,1875. bild: doaks
Erst beteten die Menschen zur Sonne. Dann wurde aus der Sonne ein Gott. Einer, der eine «historische» Dimension bekam und in dessen Namen Kriege geführt wurden. Es ist Zeit, dass Religion und Staat endlich vollständig getrennt werden.

Von Claude Cueni | watson.ch

Als sich Neanderthaler und Homo Sapiens vor rund 100’000 Jahren zum ersten Mal die Köpfe einschlugen und gegenseitig die Frauen raubten, haben sie sich wahrscheinlich mit Grimassen, Lauten und Gesten verständigt. Gemeinsam war ihnen die Furcht vor den Naturgewalten, vor Stürmen, Donner, Blitzen, Feuersbrünsten und Erdbeben. Sie flüchteten in ihre Höhlen, starrten in den Sternenhimmel und warteten, dass die Sonne wieder geboren wurde und ein neuer Tag begann.

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Die „Gen-Gesellschaft“

Itai Yanai, Martin Lercher Das geheime Leben im Menschen
Itai Yanai, Martin Lercher
Das geheime Leben im Menschen

1976 veröffentlichte der britische Evolutionsbiologe Richard Dawkins ein Buch, das als eines der einflussreichsten populärwissenschaftlichen Werke aller Zeiten gilt. „Das egoistische Gen“ postulierte: Die evolutionäre Selektion greift nicht nur auf der Ebene der Individuen, sondern auch und vor allem auf der Ebene der Erbanlagen.

Von Maren Emmerich | Spektrum.de

In einem „Konkurrenzkampf der Gene“ streben laut Dawkins einzelne DNA-Abschnitte danach, sich möglichst stark zu vermehren und zu verbreiten. Dieses Streben präge das Verhalten der Individuen, welche die „egoistischen Gene“ in ihrem Erbgut tragen, und könne sogar altruistisches Handeln zugunsten verwandter Individuen erklären.

„Das egoistische Gen“ hat seinerzeit auch den Informatiker Martin Lercher und den Physiker Itai Yanai tief beeindruckt und sie dazu gebracht, ihre Forschungsarbeiten an evolutionsbiologischen Fragen auszurichten. Vierzig Jahre nach Erscheinen von Dawkins‘ Werk warten die beiden Wissenschaftler jetzt mit einer Art Fortsetzung auf, in die sie viele neue Erkenntnisse einfließen lassen.

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Großbritannien hebelt Menschenrechts-Konvention für Militär aus

Es ist die Erlaubnis für die britische Armee, in Zukunft europäisches Menschenrecht systematisch brechen zu dürfen: Großbritannien steigt nämlich aus der Europäischen Menschenrechtskonvention, die für die Streitkräfte gilt, aus.

derStandard.at

Als Folge davon blieben Soldaten Prozesse wegen Misshandlungen oder anderer Vorwürfe erspart und dem britischen Staat Millionen-Entschädigungen wie nach dem Irak-Krieg, berichtete das Ö1-„Morgenjournal“.

Verteidigungsminister Michael Fallon, der die Entscheidung mit Premierministerin Theresia May präsentierte, sagte: „Viele der Anklagen kommen daher, dass die Europäische Menschenrechtskonvention auf das Schlachtfeld ausgedehnt wurde. Das hat unseren Soldaten Schaden zugefügt, Militäraktionen unterminiert, und hat den Steuerzahler Millionen gekostet, die in die Verteidigung investiert werden sollten“, zitierte ihn „euronews.com“.

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Alternativpraxen: Die Unheiler

Unser Reporter hat sich als Krebspatient ausgegeben und acht Alternativpraxen besucht. Was er erlebt, ist schockierend: Die empfohlenen Therapien sind meistens sehr teuer, unnütz und manchmal sogar lebensgefährlich.

Von Hristio Boytchev (Correctiv) | Technology Review

Hallo, mein Name ist Niko Scholze, ich bin 33 Jahre alt und habe Krebs. Genauer: Ein Hodgkin-Lymphom, einen Tumor, der die Lymphknoten befällt. Vor einem Jahr habe ich eine Chemotherapie gemacht. Der Krebs verschwand, doch nun ist er zurückgekehrt, ungewöhnlich für diese Art von Tumor, aber es kommt vor. Wobei es mir gut geht, ich habe keine Symptome. Mein Arzt drängt auf eine neue Chemotherapie, höher dosiert.

Das ist zum Glück alles nur ausgedacht. In Wirklichkeit heiße ich Hristio Boytchev, bin Wissenschaftsjournalist und gesund. An Krebs leide ich zum Schein, um Deutschlands Alternativmediziner auf die Probe zu stellen. Was raten Geistheiler und Neugermanische Doktoren, Schamanen und Heilpraktiker einem, der mit einem aggressiven Tumor zu ihnen kommt?

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Dresden: „Einen gewissen Prozentsatz an Idioten gibt es überall“

Holger Zastrow ist Vorsitzender der FDP/FB-Fraktion im Dresdner Stadtrat, Mitglied im Bundespräsidium der FDP und Vorsitzender der FDP Sachsen Quelle: pa/dpa/dpa-ZB
Holger Zastrow ist Vorsitzender der FDP/FB-Fraktion im Dresdner Stadtrat, Mitglied im Bundespräsidium der FDP und Vorsitzender der FDP Sachsen Quelle: pa/dpa/dpa-ZB
Sachsens FDP-Chef sieht seine Heimat zu Unrecht an den Pranger gestellt. Mit Pegida will er nichts zu tun haben, unzufrieden ist aber auch er: Darüber, wie viel DDR im vereinigten Deutschland steckt.

Von Thorsten Jungholt | DIE WELT

Die Welt: Der Tag der Deutschen Einheit ist am Montag in Ihrer Heimatstadt Dresden gefeiert worden. Etwas Besonderes für Sie, Herr Zastrow?

Holger Zastrow: Eigentlich ja. Es hätte etwas Besonderes werden können. Die Friedliche Revolution hat hier ihre Wurzeln, Dresden ist heute eine fantastische Stadt, Sachsen ein großartiges Land und die Region in Europa, die sich in den vergangenen 25 Jahren am tiefgreifendsten verändert hat. Wir haben hier, mit viel Unterstützung, etwas geschaffen. Aber ich war wie viele andere Dresdner nicht in Feierlaune.

Die Welt: Warum das?

Zastrow: In jeder Gesellschaft, an jedem Ort gibt es einen gewissen Prozentsatz an Idioten und Irregeleiteten. Wenn ich die Berichterstattung über uns lese, muss ich aber glauben: Hier leben nur solche Menschen. Was für ein Quatsch und was für eine Anmaßung! Eine Zeitung stellte kürzlich Sachsen auf ihrer Titelseite sogar als braunen Schandfleck dar. Ein ganzes Bundesland wird pauschal an den Pranger gestellt.

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CDU-Europaabgeordneter Hermann Winkler befürwortet Koalition mit AfD

 dpa/M. Hiekel
dpa/M. Hiekel
Als erster Spitzenpolitiker der CDU in den neuen Bundesländern hat sich der Sprecher der ostdeutschen CDU-Europaabgeordneten im Europäischen Parlament, Hermann Winkler, für Koalitionen der Union auf Landes- und auf Bundesebene ausgesprochen.
 

FOCUS Online

„Wenn es eine bürgerliche Mehrheit gemeinsam mit der AfD gibt, sollten wir mit ihr koalieren. Sonst steuern wir auf eine linke Republik zu“, sagte Winkler der Zeitschrift „Super Illu“ in einem Interview. Wenn die SPD Bündnisse mit der Linkspartei eingehe, könne dies die CDU künftig auch mit der AfD. Und: „In Sachsen-Anhalt hätte das schon Sinn gemacht.“

Widerspruch gegen Rechtspopulisten gefordert

Nach den Einheitsfeiern bleibt ein schaler Beigeschmack: Dass Pöbler am Nationalfeiertag die höchsten Repräsentanten des Staates beleidigen konnten, wirft Fragen in Richtung Polizei auf. Aber auch von Bürgern wird mehr Courage gefordert.

evangelisch.de

Nach den Pöbeleien am Tag der Deutschen Einheit in Dresden hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) die ausbleibenden Reaktionen der übrigen Festteilnehmer kritisiert: „Was mich ernüchtert hat: Dass eine so kleine, lautstarke Minderheit von der großen Mehrheit das Feld überlassen bekommen hat“, sagte er der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ (Mittwochsausgabe). Sein Amtsvorgänger Wolfgang Thierse (SPD) rief zu energischem Widerspruch gegen Pöbler und Rechtspopulisten auf.

„Das sind Menschen, die offensichtlich nicht nur Sorgnisse und Ängste haben und Kritik üben, sondern die hasserfüllt sind gegenüber der Demokratie und den Demokraten. Das müssen wir uns nicht gefallen lassen“, sagte Thierse dem Evangelischen Pressedienst (epd). Auch soziale Ungerechtigkeit und Benachteiligung seien „keinerlei Rechtfertigung für Hass und Gewalt“. Das Verhalten der Störer sei zwar nicht nur ein ostdeutsches Phänomen, aber ohne Zweifel trete es im Osten vermehrt auf.

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Autonome militärische Systeme ersetzen zunehmend menschliche Entscheidung

Kampfdrohne X-47B. Bild: DoD
Kampfdrohne X-47B. Bild: DoD
Nach einem Bericht über die weltweite Entwicklung von autonomen Systemen für das Militär sind neben den USA, Russland und China auch Frankreich und Deutschland führend

Von Florian Rötzer | TELEPOLIS

Aus dem Pentagon hört man die Versicherung, dass man zwar zunehmend auf autonome Systeme setze, aber sie sollen nicht wirklich autonom sein. Niemals, sagte vor kurzem Verteidigungsminister Ash Carter werde das Pentagon Kampfroboter einsetzen, die ohne „man in the loop“ selbständig entscheiden, ob sie feuern oder nicht. Und auch in der „Third Offset Strategy“ wird betont, autonome Systeme kämen vor allem im Cyberbereich in Frage, ansonsten gehe es primär um die Entwicklung und Verbesserung der Schnittstellen (US-Verteidigungsminister: „Niemals“ volle Autonomie für Kampfroboter).

Eine solche Schnittstelle ist etwa der Plan, bemannte F-35-Kampfflugzeuge von unbemannten F-16 begleiten zu lassen, die vom Piloten gesteuert werden können, um Angriffe abzuwehren oder effektiver angreifen zu können. Vorerst wurden ausgemusterte F-16 zu unbemannten Flugzeugen umgebaut und dienen als Zielobjekte für das Training.

Die wahrscheinlich zur Beruhigung der Öffentlichkeit und der eigenen Truppen dienenden Versicherungen, die Autonomie nicht zu weit treiben und Soldaten durch Roboter ersetzen zu wollen, wird von einem Bericht aber hinterfragt. Das Pentagon treibe die Entwicklung der Künstlichen Intelligenz voran, um tatsächlich nicht nur Menschen als Akteure, sondern zunehmend auch die menschliche Entscheidungsfindung zu ersetzen.

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Verfassungsschutz soll Seelsorger überprüfen

Baden-württembergischer Justizminister Wolf will aus Gründen des Gleichheitsgrundsatzes auch die ehrenamtlichen christlichen Seelsorger durch den Verfassungsschutz überprüfen lassen.

kath.net

Guido Wolf, baden-württembergischer Justizminister will ehrenamtliche Gefängnisseelsorger durch den Verfassungsschutz kontrollieren lassen. Das stellte er im Interview mit „Schwäbischen Zeitung“ vor wenigen Tagen fest. Er verwies darauf, dass auch bereits Nordrhein-Westfalen mit Imamen, die in Haftanstalten arbeiten, so verfahre. Der CDU-Politiker erläuterte weiter, dass das Bundesland wegen des Gleichheitsgrundsatzes neben muslimischen Geistlichen auch christliche Seelsorger überprüfen wolle. Es ging um Befürchtungen, dass radikale muslimische Prediger versuchen könnten, Gefangene zu radikalisieren. In den baden-württembergischen Gefängnissen gibt nach Angaben des Justizministeriums aktuell 20 islamische Seelsorger.

Der Philosoph Abdennour Bidar will Frankreichs Brüche kitten

 Der französische Philosoph Abdennour Bidar bei der Vorstellung seiner Bewegung
Der französische Philosoph Abdennour Bidar bei der Vorstellung seiner Bewegung „Fraternité Générale“ am 20 September 2016 in Paris. (Eric FEFERBERG / AFP)
Frankreich sei unfähig, in die Zukunft zu schauen und diese zu gestalten, klagt der Philosoph Abdennour Bidar. Für ihn hat deshalb die Stunde der Brüderlichkeit geschlagen. Mit seiner Bewegung „Fraternité Générale“ will er die Franzosen dazu bringen, miteinander ins Gespräch zu kommen.

Von Anke Schaefer | Deutschlandradio Kultur

In Frankreich geht die Angst um. Die Angst vor erneuten Anschlägen. In diesem Klima der Angst stellt sich für die Franzosen die Frage der Identität: Wer sind wir? Die Attentäter waren alle Muslime, was bedeutet das? Kann es den Terroristen gelingen, Panik, Hass und Zwietracht zwischen den gesellschaftlichen Gruppen und Religionen zu säen? Was muss geschehen, um das zu verhindern?

Während sich die herrschende politische Klasse der Rechten und der Linken im Streit zerfleischt, hat ein Philosoph eine Idee, wie etwas zum Guten verändert werden kann. Abdennour Bidar will den traditionellen französischen Wert der „Brüderlichkeit“ wieder stärken und hat dazu eine Bewegung gegründet. Um die Werte der französischen Nation – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit – geht es auch in seinem soeben erschienen Buch „Quelles valeurs partager et transmettre aujourd’hui?“ – „Welche Werte wollen wir heute teilen und weitergeben?“

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Gülen-Anhänger in Deutschland: „Die Menschen werden ausgeschnüffelt und denunziert“

Hanife Tosun über Fethullah Gülen, die Hizmet-Bewegung und die politische Lage in der Türkei

Von Gerrit Wustmann | TELEPOLIS

Nach dem gescheiterten Putschversuch in der Türkei am 15. Juli hat die regierende AKP alle Anhänger des im US-Exil lebenden Predigers Fethullah Gülen pauschal zu Terroristen erklärt. Es kommt zu Massenverhaftungen, Entlassungswellen und Enteignungen. Auch in Deutschland stehen die Anhänger Gülens und seiner Hizmet-Bewegung unter Druck, werden bespitzelt und denunziert.

Zur Hizmet gehören in Deutschland Vereine, Kulturinstitutionen, Schulen. Einige wagen sich nun zunehmend in eine größere Öffentlichkeit, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Der Verein Interkultureller Dialog mit Sitz in Köln gehört dazu. Er ist nach eigener Darstellung aktiv in der Erwachsenenbildung, organisiert Podiumsdiskussionen und Reisen, fördert den interreligiösen Dialog und bekennt sich dabei offen zu Gülen, der als umstrittene Figur gilt.

Wer ist Gülen, wie wird er von seinen Anhängern wahrgenommen? Und wie ist deren Situation zur Zeit? Telepolis sprach mit Hanife Tosun, der stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins.

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This Robot Takes Selfies and Gets Moody, Just Like Us

Deltu the robot is just like us: It takes selfies, plays iPad games, and even gets a little moody. Deltu is an interactive delta robot, or parallel robot consisting of three legs connected via universal joints to the base. Delta robots are often used in factory settings to pick and pack objects.
 

By Madison Margolin | MOTHERBOARD

Deltu was designed by interactive designer Alexia Léchot, who graduated from ECAL, a French university of art and design. She says she’s interested in the relationship between robots and humans—and Deltu speaks to that.

The robot can tend to have a mind of its own. Deltu interacts with people by playing on an iPad. With two iPads, one for Deltu and one for the human, the robot challenges people to games, but gets upset if you don’t mimic it precisely. If the robot gets upset, it might try to change its mind. Though while mentally independent, the robot still wants human company.

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