Rettet die Freiheit – auch die der anderen

Bild: HUFFPO Religion
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Der Islam gilt als grösste Herausforderung für unsere Toleranz. Dabei stellt er weder eine Antithese zum Westen dar, noch kann er allein für das Verhalten von Muslimen verantwortlich gemacht werden.

Von Kristin Helberg | Neue Zürcher Zeitung

Es ist schwer, dieser Tage die Freiheit zu verteidigen. Denn viele meinen damit nur noch, ihre eigene Freiheit zu denken und zu tun, was sie für richtig halten. Dass damit die Freiheit der anderen einhergeht, Dinge ganz anders zu machen als sie selbst, wollen sie nicht wahrhaben. Dabei beginnt genau hier die Toleranz. Sie tut weh, weil wir Meinungen und Verhaltensweisen ertragen müssen, die uns gegen den Strich gehen. Etwa wenn jemand sein Gesicht tätowiert oder verhüllt, wenn Männer Männer küssen und Frauen lieber nicht die Hand eines fremden Mannes schütteln.

Vor 130 Jahren waren es die Juden

Womit wir beim Islam wären, der scheinbar grössten Herausforderung für unsere Toleranz. Er gilt als Quelle von Terror, Frauenfeindlichkeit und Gewalt, weswegen sich mancher Retter des «jüdisch-christlichen Abendlandes» berufen fühlt, gegen eine «Islamisierung» zu kämpfen. Schade nur, dass er dadurch die Grundfesten unserer freiheitlichen Ordnung, die er vermeintlich retten will, zu Grabe trägt. Er müsste es besser wissen. Denn der öffentliche Diskurs folgt einem Schema: Vor 130 Jahren waren es die Juden, denen man in Deutschland verweigerte Integration und Parallelgesellschaften unterstellte. Damals ging es um die Unvereinbarkeit des jüdischen Rechts mit den Werten der Mehrheitsgesellschaft, ganz so, wie wir es heute über «die Scharia» lesen. Tatsächlich wurde aus dem «christlichen Abendland» erst nach dem Holocaust das «jüdisch-christliche Abendland». Der Ausdruck soll folglich das schlechte Gewissen der Deutschen beruhigen, die Geschichte bereinigen und als Kampfbegriff alles Islamische ausschliessen.

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BGH-Urteil: Keine Entschädigung für Kundus-Opfer

 Die ausgebrannten Tanklastzüge in der Nähe von Kundus nach dem vom deutschen Oberst Klein angeordneten Luftangriff. (Foto: dpa)
Die ausgebrannten Tanklastzüge in der Nähe von Kundus nach dem vom deutschen Oberst Klein angeordneten Luftangriff. (Foto: dpa)
Hinterbliebene der Opfer des Bombenangriffs nahe der afghanischen Stadt im Jahr 2009 hatten Deutschland auf Entschädigung verklagt. Der Befehl ging von einem deutschen Oberst aus.

Süddeutsche.de

Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass den Opfern des Bombenangriffs von 2009 im afghanischen Kundus keine Entschädigung gewährt wird. Mit dem Urteil bestätigte das Gericht entsprechende Entscheidungen der Vorinstanzen. Zur Begründung hieß es, dass der damalige Bundeswehr-Oberst Georg Klein „nach Ausschöpfung aller zur Verfügung stehenden Aufklärungsmöglichkeiten“ nicht habe erkennen können, dass sich im Zielbereich des Luftangriffs Zivilisten befanden.

Der damalige deutsche Oberst Georg Klein hatte den Angriff auf zwei Tanklaster in der Nähe der afghanischen Stadt angeordnet. Bei dem Angriff wurden zahlreiche Zivilisten getötet. Eigentliches Ziel waren Taliban-Kämpfer, die die Tanklaster gekapert hatten.

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Die Grenzen der Religion

Konflikt zwischen säkularem Staat und Religion - der Burkini-Streit in Frankreich (MAXPPP/Patrice Lapoirie)
Konflikt zwischen säkularem Staat und Religion – der Burkini-Streit in Frankreich (MAXPPP/Patrice Lapoirie)
Die Trennung von Staat und Religion scheint eine moderne westliche Errungenschaft zu sein. Das stimmt nicht, sagen Forscher aus Leipzig: Säkularisierung hat es schon vor Jahrhunderten gegeben, auch außerhalb von Europa. Zudem sei die Säkularisierung nichts Abgeschlossenes. Die Grenzen des Religiösen werden permanent neu verhandelt – auch im Burkini-Streit.

Von Christian Röther | Deutschlandfunk

Die Szene sorgte im Sommer 2016 weltweit für Aufregung. An einem Strand in Nizza zwangen vier Polizisten eine Frau, Teile ihres Burkinis auszuziehen, ihres islamischen Ganzkörperbadeanzugs. Den hatten einige französische Badeorte zuvor an ihren Stränden verboten. Für die Kultursoziologin Monika Wohlrab-Sahr ein Beispiel dafür, wie von staatlicher Seite die Grenzen des Religiösen bestimmt werden:

„Interessant ist ja, dass an der Stelle eben Grundsatzfragen verhandelt werden, wenn auch auf eine etwas vielleicht merkwürdige Weise. Nämlich Fragen der Loyalität gegenüber dem Staat und dass diese Form der französischen Säkularität, also der Laizität, wie die Franzosen das nennen, eben sehr rigide zur Geltung gebracht wird. Im Sinne von, wer hier zu dieser Nation gehört, wer loyal ist zu dieser Nation, der darf sich auch in der Öffentlichkeit nicht mit religiösen Insignien zeigen und der Burkini ist dann so bewertet.“

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Israel: Marine fängt Aktivistinnen-Schiff ab

Aktivistinnen auf der Zaytouna-Olivia versuchten, die Seeblockade zu Gaza zu durchbrechen. Foto: REUTERS
Aktivistinnen auf der Zaytouna-Olivia versuchten, die Seeblockade zu Gaza zu durchbrechen. Foto: REUTERS
Ein Schiff internationaler Aktivistinnen versucht, die Seeblockade vor Gaza zu durchbrechen, und wird von der israelischen Marine abgefangen.

Von Inge Günther | Frankfurter Rundschau

Israels Marine hat in der Nacht zum Donnerstag erneut ein Schiff internationaler Aktivisten abgefangen, die seit Jahren die Seeblockade vor Gaza zu durchbrechen versuchen. Diesmal waren an Bord ausschließlich Frauen, unter ihnen die irische Nobelpreisträgerin von 1976, Mairead Maguire, einige Parlamentarierinnen, eine Olympionike sowie ehemalige Angehörige der US-Armee. Nach Angaben der Armee ergaben sie sich widerstandslos, nachdem israelische Marine die 13 Aktivistinnen zunächst erfolglos zur Kursänderung aufgefordert und schließlich das Boot geentert hatte.

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Uni-Erlangen: Märchendeutung im Kompetenzzentrum Religion

Das Kompetenzzentrum Religion beschäftigt sich mit den kniffligen Fragen rund um alle Glaubensrichtungen (FAU/Georg Pöhlein)
Das Kompetenzzentrum Religion beschäftigt sich mit den kniffligen Fragen rund um alle Glaubensrichtungen (FAU/Georg Pöhlein)
Islamkenner sitzen in allen Talkrunden. Doch erst, wenn im Alltag knifflige Fragen auftauchen, erweist sich wahre Kennerschaft. Was tun, wenn ein muslimischer Mann einer Frau den Handschlag verweigert? Wie wichtig ist ein Minarett für eine Moschee? Die Universität Erlangen hat ein Kompetenzzentrum Religion eingerichtet, das ebenso fundiert wie praxistauglich Auskunft geben will.

Von Thomas Klatt | Deutschlandfunk

„Das ist genau der Eindruck, den wir auch wahrnehmen, dass Experten produziert werden, die gar keine Experten sind und dem wollten wir auch entgegentreten und sagen, wir liefern gute und fundierte Informationen über die Religionen.“

Religionspsychologe Lars Allolio-Näcke ärgert sich schon lange darüber, dass etwa in Talk-Shows immer wieder so genannte Islamexperten auftauchen, nur weil sie mal einen Koran in der Hand hatten und nun dazu unbedingt ihre Meinung kund tun möchten. Besser sei da in jedem Fall fundiertes Wissen. Zusammen mit 50 Kollegen hat er daher das Kompetenzzentrum Religion an der Universität Erlangen-Nürnberg gegründet, dessen Geschäftsführer er nun ist. Seitdem erreichen ihn täglich Anfragen per Post, Telefon oder E-Mail.

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Evangelische Kirche plant Positionierung zur Judenmission

Bild: bb
Bild: bb
Mit dem Start in das Festjahr zum 500. Reformationsjubiläum bemüht sich die Evangelische Kirche in Deutschland weiter um Klarstellungen im Verhältnis zwischen Christen und Juden. Dabei ist die sogenannte Judenmission nun ein Thema.

domradio.de

Nachdem sich die EKD-Synode vor einem Jahr von judenfeindlichen Aussagen Martin Luthers (1483-1546) distanziert hatte, wird sich das Kirchenparlament bei seiner Tagung Anfang November mit der umstrittenen Judenmission befassen. Ziel sei „eine theologische Klärung und Positionierung“, sagte ein EKD-Sprecher am Mittwoch dem Evangelischen Pressedienst.

Keine einheitliche Position

Über die Judenmission wird in der evangelischen Kirche schon seit langem diskutiert. Heute spricht sich in der EKD zwar eine Mehrheit gegen die Mission von Juden aus, evangelikale Gruppen unter anderem in Württemberg indes vertreten abweichende Meinungen, so dass eine einheitliche Position beim Blick auf die 20 Landeskirchen in Deutschland nicht erkennbar ist. Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, hatte sich im November 2015 von der EKD-Synode eine „klare Absage“ an die Judenmission gewünscht.

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Saturnmond Dione hat einen flüssigen Ozean

Der Mond Dione vor den Ringen des Saturn: Auch unter seiner Kruste liegt ein Ozean aus flüssigem Wasser. © NASA/JPL-Caltech/ Space Science Institute
Der Mond Dione vor den Ringen des Saturn: Auch unter seiner Kruste liegt ein Ozean aus flüssigem Wasser. © NASA/JPL-Caltech/ Space Science Institute
Wasser unter dem Eis: Auch der Saturnmond Dione besitzt einen Ozean aus flüssigem Wasser unter seiner Eiskruste, wie Schwerkraftmessungen der NASA-Raumsonde Cassini enthüllen. Die Wasserschicht könnte rund 65 Kilometer tief sein und damit sogar noch dicker als der Ozean auf dem Nachbarmond Enceladus. Dione reiht sich damit in die Himmelskörper im Sonnensystem ein, auf denen es möglicherweise außerirdisches Leben gibt.

scinexx

Lange Zeit galt der Jupitermond Europa als einziger Himmelskörper im Sonnensystem, der einen Ozean aus flüssigem Wasser unter seiner Eiskruste besitzt. Doch inzwischen haben sich auch die Jupitermonde Ganymed und Kallisto sowie die Saturnmonde Enceladus und Titan als Besitzer subglazialer Ozeane erwiesen. Sogar der ferne Zwergplanet Pluto könnte Wasser unter seiner Eiskruste verbergen.

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„Back-to-church-Sunday“ – religiöses Kidnapping

Kirchengemeinden im Dekanat Wiesbaden (Evangelische Kirche in Hessen und Nassau) laden für den kommenden Sonntag gezielt Menschen zu ihren Gottesdiensten ein, die noch nie oder lange nicht mehr da waren.

evangelisch.de

Die Aktion am 9. Oktober unter dem Motto „Spürbar Sonntag“ ist angelehnt an den englischen „Back-to-church-Sunday“. Nach dem Prinzip „Inviting someone you know to something you love“ – „Jemanden, den man kennt, zu etwas einladen, was man liebt“ – sollen regelmäßige Gottesdienstbesucher gezielt Freunde und Bekannte, Neugierige, Distanzierte, Ausgetretene, Zweifler und religiös Unmusikalische einladen. Pfarrerin Bettina Friehmelt aus der Wallufer Heilandsgemeinde hofft, das es den Gemeindemitgliedern gelingt, zu vermitteln: „Da ist etwas, das mag ich, dafür schlägt mein Herz, hier tanke ich auf, hier komme ich runter, hier spüre ich: Es ist Sonntag.“

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Frontex bekommt mehr Macht

Flüchtling auf Kreta. Die Stärkung des Frontex-Mandats geschah nicht zuletzt auf Drängen Griechenlands.Foto: imago
Flüchtling auf Kreta. Die Stärkung des Frontex-Mandats geschah nicht zuletzt auf Drängen Griechenlands.Foto: imago
Die Sicherheitsagentur Frontex bekommt mehr Befugnisse – und soll künftig mit eigenem Personal die europäischen Außengrenzen schützen.
 

Von Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Vom heutigen Donnerstag an wird die Europäische Grenzschutzagentur Frontex ein weiteres Mal mehr Rechte und Mittel bekommen. Die EU-Behörde, die ihren Sitz in Warschau hat, soll ab sofort auch Mitgliedsstaaten zwingen können, die sie im Verdacht hat, ihre Grenzen nicht ausreichend abzudichten, oder die Nicht-EU-Bürger nicht oft genug abschieben.

Die Behörde, die ursprünglich lediglich Koordinationsaufgaben für gemeinsame Grenzschutzaktionen der EU-Staaten hatte, erhält zudem eine stehende, 1500 Männer und Frauen starke Truppe und wird sich künftig Flugzeuge selbst mieten dürfen, ohne davon abhängig zu sein, ob die Mitglieder sie zur Verfügung stellen – das lief in der Vergangenheit oft schief.

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Kopp-Verlag Kongress: Fünf vor Krise

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Bild: esowatch.com
Wenn es nicht so gefährlich wäre, könnte man drüber lachen: Beim „Ersten großen Kopp-Kongress“ versammelt der rechtspopulistische Kopp-Verlag aus Rottenburg seine Stars und Sternchen zu einem zweitägigen Rundumschlag.

Von Anna Hunger | kontext.de

Der Mensch, sagt Armin Risi gerade, stamme nicht vom Affen ab. Risi blendet eine Power-Point-Folie ein, links ein Affe, mittig diverse Zwischenstufen, rechts ein Mensch, der Mittelteil ist durchgeixt. Aber die Theorie, dass Außerirdische einmal auf die Erde kamen und dortige Wesen genmanipulierten, um die Menschheit als Sklavenrasse zu halten, sehe er auch kritisch. Risi, so steht es im Programm, lebte lange als Mönch in vedischen Klöstern, studierte westliche und östliche Mysterientraditionen und ist heute Sachbuchautor und spiritueller Berater. Außerdem ist er einer, der sicher ist, die Teufelszahl 666 komme in allen Produkt-Strichcodes vor.

Der Saal ist voll zum „Ersten großen Kopp-Kongress“ in der Stuttgarter Messhalle: Hunderte Junge, Alte, ganz Alte, Pärchen, Herren mit Jackett, Damen in High Heels, rockerartige Langhaarträger, manche mit Hut, Frauen mit hennaroten Zöpfen.

Veranstaltet wird das zweitägige Treffen vom Kopp-Verlag aus Rottenburg (Kontext berichtete). Verleger Jochen Kopp bietet seit den Neunzigern all denjenigen Autoren eine Plattform, die in anderen Medien eher nicht mehr vorkommen: weil sie als Holocaust-Leugner verrufen sind, als Antisemiten, als Rassisten, als Schwindler, Spinner und Abgedriftete. Im Kopp-Verlag präsentieren sie sich als Opfer von staatlicher und medialer Unterdrückung, die den Menschen mit hochbrisanten Informationen die Augen öffnen. Und mit wachsendem Erfolg als Pegida-Support und AfD-Wahlkampfhelfer agieren mittels massiver Anti-Islam- und Anti-Flüchtlingshetze. Komplizierte Welt – einfach erklärt.

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Ramelow und diskriminierte Ost-Christen

Bodo Ramelow, Bild: FB
Bodo Ramelow, Bild: FB
Thüringens linker Ministerpräsident Bodo Ramelow will die Diskriminierung von Christen in der DDR wissenschaftlich aufarbeiten lassen. Ein guter Zug.

Von Stephan-Andreas Casdorff | DER TAGESSPIEGEL

Sage, was du tust, und tue, was du sagst. Ein guter Leitsatz für praktische Politik, von einem großen Praktiker, dem Sozialdemokraten Johannes Rau. Interessanterweise, pikanterweise passt er nun doch ziemlich gut auf… Bodo Ramelow, den einzigen Ministerpräsidenten der Linken. Der will in seinem Bundesland, in Thüringen, die Diskriminierung von Christen in der DDR wissenschaftlich aufarbeiten lassen.

Damit erfüllt Ramelow erstens ein Versprechen, das er 2014, zu Beginn von Rot-Rot-Grün in Erfurt, gegeben hatte, nämlich DDR-Unrecht zum Thema zu machen.

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Strafbefehl gegen Polizisten wegen Holocaust-Leugnung beantragt

Polizeiwache © sludgegulper @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Polizeiwache © sludgegulper @ flickr.com (CC 2.0), bearb. MiG
Ein 57-jähriger Polizist soll durch eine Facebook-Verlinkung und einen Kommentar den Holocaust geleugnet haben. Laut Staatsanwaltschaft hat er damit den Tatbestand der Volksverhetzung erfüllt.
 

MiGAZIN

Wegen volksverhetzender Aussagen hat die Staatsanwaltschaft Saarbrücken Strafbefehl gegen einen Polizisten beantragt. Der 57-jährige Polizeibeamte soll auf seinem öffentlichen Facebook-Profil den Holocaust geleugnet haben, wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch in Saarbrücken mitteilte. Die Behörde stellte einen Strafbefehlsantrag beim Amtsgericht Völklingen und beantragte die Verhängung einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 60 Euro.

In dem Anfang Juni auf Facebook veröffentlichten Post habe der Beschuldigte einen Beitrag verlinkt, in dem der Holocaust als „die größte Lüge“ bezeichnet wird, erklärte die Staatsanwaltschaft.

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Nordirak: Christen und Eziden wollen Reservate

Karte der Ninive-Ebene in der Provinz Ninawa. Bild: Chaldean/CC BY-SA 3.0
Karte der Ninive-Ebene in der Provinz Ninawa. Bild: Chaldean/CC BY-SA 3.0
Mit gemischten Gefühlen warten die Christen im Irak auf die Befreiung Mosuls und der Ninive-Ebene. Merkels „Politik der offenen Türen“ stehen sie skeptisch gegenüber. Die Befürchtungen sind groß, dass mit der Abwanderung der Christen nach Europa das Werk des IS vollendet werden könnte: die Vertreibung der Christen aus ihrem Ursprungsgebiet. In den ezidischen (jesidischen) Flüchtlingslagern im Nordirak breitet sich Hoffnungslosigkeit aus.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Indessen hofft aber die politische und militärische Führung der Eziden auf eine Rückkehr der Bevölkerung in eine autonome Provinz im Shengal. Auch bei den Christen werden Forderungen nach einer autonomen Provinz „Ninive“ laut.

Die Ninive-Ebene gilt als Heimat der christlichen Assyrer, die unterschiedlichen christlichen Kirchen angehören, wie z.B. der chaldäisch-katholischen, der syrisch-orthodoxen Kirche oder der Kirche des Ostens. In diesem Gebiet leben neben den Assyrern auch andere Minderheiten wie z.B. die Eziden, die Shabak und Turkmenen. Unter den Turkmenen wiederum gibt es Schiiten und Sunniten, aber auch Katholiken.

Als der IS im Juni 2014 Mosul eroberte und im August 2014 die größte christliche Stadt Karakosh überrannte, flohen hunderttausende der Bewohner in die kurdische Autonomieregion (KRG) und nach Nordsyrien/Rojava. Besonders schlimm traf es die Eziden im angrenzenden Shengal-Gebirge. Für den IS gelten sie als Ungläubige und Gottesanbeter, die es zu vernichten galt. Tausende wurden ermordet; die inzwischen entdeckten Massengräber geben Zeugnis darüber ab.

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Kirche in Hessen-Nassau verschickt „Die Bibel auf einem Bierdeckel“

Bild: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Bild: Evangelische Kirche in Hessen und Nassau
Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) verschickt in dieser Woche rund eine Million Briefe mit einem Bierdeckel an ihre Mitglieder. Die Aktion unter dem Motto „Worüber reden wir eigentlich?“ wolle das Zentrum des christlichen Glaubens ins Gespräch bringen, erläuterte Kirchenpräsident Volker Jung am Mittwoch in Frankfurt am Main. Der Brief rege dazu an, sich über das Wichtigste der Bibel auszutauschen.

evangelisch.de

Auf den Getränkeuntersetzer ist die Frage „Die Bibel auf einem Bierdeckel?“ gedruckt, auf die Rückseite die Antwort: „Jesus bringt es auf den Punkt: 1. Liebe Gott, 2. Liebe Dich selbst, 3. Liebe die Anderen“. Jesus greife mit seinem „höchsten Gebot“ (Matthäus 22, 36-40) die jüdische Tradition auf und konzentriere den Glauben auf die Liebe, erklärte Jung. Die Antwort ziele auf die Anwendung im Leben, etwa in der Flüchtlingsfrage. Der Bierdeckel rege dazu an, darüber am Küchentisch oder in einer Kneipe ins Gespräch zu kommen.

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Thüringen: CDU-Antrag zum besseren Schutz von Christen fällt durch

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Ein Antrag der CDU-Fraktion in Thüringen zum besseren Schutz von Christen vor religiös motivierter Gewalt hat im Landtag in Erfurt keine Mehrheit erhalten.

kath.net

Mit der Initiative unter den Titel „Interreligiöse Kompetenz und Toleranz stärken – Christliche Werte schützen und antichristliche Gewalt ächten und ahnden“ hatte die CDU die rot-rot-grüne Landesregierung aufgefordert, sich in der Innenministerkonferenz dafür starkzumachen, dass solche Gewalt gegen Christen in der Kriminalitätsstatistik künftig gesondert aufgeführt wird. Ferner sollten die Anforderungen an das Bewachungsgewerbe um „interreligiöse Kompetenz“ erweitert werden.

Linke, SPD und Grüne wiesen die Initiative mit der Begründung zurück, dass sie nur christliche Zuwanderer besser schützen wolle.

Die AfD hatte bereits im April einen ähnlichen Antrag gestellt mit dem Titel „Religionsfreiheit schützen – Übergriffe auf christliche Asylbewerber verhindern“. Er war damals sowohl von der Regierungskoalition als auch von der CDU abgelehnt worden.

Wunderer im Rätseluniversum

 Wer schaut sich schon im Netz einen 90-minütigen Vortrag über Astrophysik an? Trotz negativer Prognosen legte Josef M. Gaßner einfach los. (Foto: Marco Einfeldt)
Wer schaut sich schon im Netz einen 90-minütigen Vortrag über Astrophysik an? Trotz negativer Prognosen legte Josef M. Gaßner einfach los. (Foto: Marco Einfeldt)
Der Astrophysiker, Mathematiker, Kosmologe und Grundlagenforscher Josef M. Gaßner ist ein Meister darin, komplexe Erkenntnisse ganz einfach und verständlich zu erklären – deshalb sehen so viele seinen Web-Kanal. Er sucht in seiner Forschung nach einer Antwort auf die Frage: Wie funktioniert diese Welt?

Von Wolfgang Görl | Süddeutsche.de

Die Welt ist voller Rätsel, und sollte es ein höheres Wesen geben, das dies alles geschaffen hat, müsste sich Josef M. Gaßner bei jenem Schöpfer bedanken. „Gut gemacht“, müsste er sagen, „ein herzliches ,Vergelt’s Gott‘ für die vielen tollen Geheimnisse.“ Schon als junger Mensch hatten ihn Rätsel fasziniert, vor allem solche, welche die Mathematik aufgab, die, wie er heute sagt, „eine große Spielwiese für Rätsel ist“. Später hat er die Spielwiese gewechselt, ist gewissermaßen herausgetreten aus der in sich geschlossenen Welt der Zahlen in den unermesslichen Raum des Universums, wo Planeten um Sterne kreisen und Myriaden Galaxien wie in wilder Flucht das Weite suchen, einsame Inseln in trostloser Leere und, so riesig sie auch sein mögen, zusammengesetzt aus winzigsten Teilchen, die sich jeder sinnlichen Wahrnehmung entziehen. Bei allem Respekt vor der Mathematik: Dort, im All, so dämmerte es Gaßner, lauern noch aufregendere Fragen. „Es gibt interessante Rätsel, und es gibt relevante Rätsel“, sagt er. „Die relevanten spielen sich nicht in der Mathematik ab, sondern in der Physik.“ Es geht um nicht weniger als ums Ganze: „Wie funktioniert diese Welt?“

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Woelki fordert höhere Steuern für Reiche

Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0
Rainer Maria Woelki, Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0

Rainer Maria Woelki, Kardinal in Köln, hat sich für eine erneute Vermögenssteuer in Deutschland ausgesprochen. Anders lasse sich die fortschreitende soziale Spaltung des Landes nicht aufhalten, sagte der Geistliche.

evangelisch.de

Woelki befürwortet außerdem eine „moderate“ Anhebung des Spitzensteuersatzes. Der Staat müsse allen Bürgern die nötige Teilhabe ermöglichen, sagte der Kardinal dem in Hamburg erscheinenden „Manager Magazin“. Auch bei der umstrittenen Erbschaftsteuer sollten weniger Ausnahmen zugelassen werden.

Woelki appellierte zugleich an die Vermögenden im Land, angesichts der Flüchtlingskrise und einer wachsenden sozialen Spaltung mehr gesamtgesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen. „Geld ist nicht Herr. Eigentum bedeutet vor allem eine Verpflichtung für das Allgemeinwohl“, sagte der Kardinal.

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Schock für die Konsensgesellschaft

Pegida-Demonstranten am Tag der Deutschen Einheit in Dresden / picture alliance
Pegida-Demonstranten am Tag der Deutschen Einheit in Dresden / picture alliance
Leicht gesagt. Lautstarke Demonstrationen haben in der Bundesrepublik Tradition. Warum erschrecken uns ausgerechnet die Proteste am Tag der Deutschen Einheit in Dresden? Eine Spurensuche

Von Wulf Schmiese | Cicero

„Wenn die Leisen die Straße meiden, dominieren die Lauten.“ Das sagt der zweithöchste Mann im deutschen Staat, Bundestagspräsident Lammert dem ZDF – empört über die Grölenden von Dresden. Das klingt gut und sagt sich leicht. Aber war es jemals anders, als dass die wenigen Lauten die Aufmerksamkeit bekamen?

Die Krawallmacher am Tag der Deutschen Einheit haben sich übel benommen. Mit ihren obszönen Gesten und ihrer Gossensprache schafften sie es in jedes Medium. Sie boten kein Argument, keine Idee – nur stumpfes Gedröhne: Haut ab, haut alle ab! Von diesen Menschen, so der Eindruck, ist keine Idee zu erwarten, mit ihnen scheint buchstäblich kein Staat zu machen.

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Water Wars: Two Indian States Are Fighting for This River’s Water

Hogenakkal Falls, on the Kaveri River. Image: wikimedia.org/PD
Hogenakkal Falls, on the Kaveri River. Image: wikimedia.org/PD
As the world gets hotter, we’ve been warned that the next wars will be over water. In India, that future is here, and the latest proof is a battle between two neighboring states fighting over the river that runs through them.

By Chhavi Sachdev | MOTHERBOARD

In the latest chapter of a century-old water war in southern India, riots rocked Bangalore, the techie capital city of Karnataka state, in September. Buses were set ablaze, and a man was killed by police trying to control the crowds. Protestors opposed a Supreme Court order for the state to release about 120,000 cusecs, or cubic feet per second of water, from the Cauvery river to Tamil Nadu, the state downstream, over 10 days.

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