Thomas Strobl: Dodo des Monats September 2016


Dodo des Monats September 2016 ©HFR
Dodo des Monats September 2016
©HFR

thomas_stroblIn einer Welt, in der sich politische Protagonisten als religiös, christlich, islamisch, jüdisch, hinduistisch usw. etikettieren ist die Schar der Ungläubigen, der Atheisten, Igtheisten, Objektivisten, Materialisten, Skeptiker, Agnostiker, Rationalisten, Freidenker, Taoisten, Utilitarier, Humanisten, Naturalisten, Existenzialisten, Positivisten und Säkularen der Aussatz. Und, sie machen es den Religioten leicht. Doch dazu später.
Beim ersten Hören und Lesen der Plattitüden des Dodos Thomas Strobl war spontan der Gedanke da, was für ein Idiot, ein Religiot, der Prototyp eines Demagogen. Sicherlich sind Fragmente von Idiotie verbunden mit religiösen Weltsichten vorhanden, welches aber nicht ausreichend ist, um die ständige Diskriminierung von Ungläubigen zu erklären. Machtkalkül, Stimmenfang, religiöse Autoerotik die bei der Außendarstellung für angenehme Wolllust im Inneren sorgt. In der Sendung „Maybritt Illner“, des Zentralen Deutschen Kirchensenders ZDF darf er ganz ungehindert sein demagogischen Halbwahrheiten verkünden.
Den blöden Satz, dass in Deutschland das Parlament Gesetze macht und nicht der Prophet, ersparen wir uns jetzt.
Thomas Strobl:

„Wenn wir überlieferte christliche abendländische Werte, wenn wir die behalten wollen, dann müssen wir sie auch leben. Und Christen machen nicht die Tür zu, wenn Menschen in Not zu uns kommen, die vor Tod, Vergewaltigung und Gewalt fliehen, sondern dann haben wir eine offene Tür und auch ein offenes Herz. Und wer sich da abschottet gegenüber solchen Menschen, der verrät abendländische Werte. Die christlich-demokratische Union – das sind Christen für Deutschland und die AfD sind Atheisten für Deutschland. Das sind nicht die Bewahrer des Abendlandes, das sind die Verräter des Abendlandes.“

Es gibt eben keine überlieferten christlichen abendländischen Werte. Vor hundert Jahren sah das so aus, Christ Deutsch schoss Christ Französisch eine Kugel in den Kopf, nach protestantischem Verständnis erteilte Deutsch dem Französisch die Absolution, das war vor Verdun, an der Somme und vielen anderen Orten so, mit Kugeln, Granaten und Giftgas schickte man den anderen Christen zu seinem Schöpfer. Liebliche, christliche Nächstenliebe, Christenwerte. Und so matschte sich das Christentum 1.000 Jahre lang durch Europa. Die Pfaffen aller Seiten weihten die Waffen, die Toten waren tot und der Christengott schaute mit Wohlgefallen auf die Schlachtfelder, auf Zwangstaufen mit dem Schwert, auf Andersgläubige die hingemetzelt wurden. Das sind die christlichen Werte auf die Demagoge Strobl so viel Wert legt. Historisch-kritische Betrachtung der Tätlichkeiten des Christentums ficht den Herrn Strobl nicht an. Der Gipfel des christlichen Abendlandes, der Kulminationspunkt von Antijudaismus und Antisemitismus war der Katholik Hitler, der die „Gottesmörder, Kinderschänder und Geldfrevler“ zu Millionen ermorden ließ. Ja, Antijudaismus war 2000 Jahre lang ein christlicher Wert, ohne das Christentum gäbe es solches nicht. Und weil man protestantisch-katholisch die Ahnung hatte Scheiße gebaut zu haben, gibt es den einen oder anderen Pfaffen, Politiker inklusive, die sich nicht entblöden können seit 1945 vom judäo-christlichen Abendland mit seinen Werten zu sprechen.
Die Mär vom christlichen Abendland ist eine Lüge. Ein politisch-ideologischer Kampfbegriff, den man immer dann nutzte, wenn es galt die armen Schweine für das große Schlachten gefügig zu machen.

Natürlich gibt es Anhänger, Sympathisanten, Mitläufer, Mitglieder in der Partei Alternative für Deutschland, die Atheisten sind. Auch wenn es schwer vorstellbar ist, dass man als Atheist vertrottelt einer Beatrix von Storch folgt, die mit ihrer christlichen Fürsorge Morula-Keime schützen will, Bildung und Erziehung zur großen Thematik Sexualität in die Zeit des Wilhelminischen Deutschlands zurückdrehen möchte und mit ihrer Homophobie die Würde der betroffenen Menschen täglich aufs neue verletzt.
Thomas Strobl möchte etwas bewahren, was es nie gab, politisch-christliches Nullsummenspiel.

Christen, wie Thomas Strobl gibt es reichlich. In den USA giftet Pat Robertson gegen die Atheisten, macht sie für Umweltkatstrophen, Klimawandel, Amokläufe verantwortlich. Politiker wie Strobl versuchen in Deutschland in ähnlicher Art und Weise den Bedeutungsverlust der Kirchen in der Gesellschaft auszugleichen, man ist schon lange der Gottesknecht, der Erfüllungsgehilfe für die nahöstliche Mythologie. Es ist ein großes Unglück für den Humanismus, dass er von den christlichen Kirchen begrifflich umgedeutet wurde und so kontaminiert in der Argumentation benutzt wird. Und hier liegt auch das Dilemma der Atheisten. Die öffentliche Wahrnehmung und die tatsächliche Bedeutung von christlichen Glauben, Religion und Kirchen verläuft azyklisch.  Die politischen Steigbügelhalter des Hinrichtungskreuzes haben die Stimme in den von ihnen religiös besetzten Massenmedien, Rundfunk und Fernsehen. Die sich säkular entwickelnde Gesellschaft und die sich religiös gebärdende Politik entfernen sich in immer stärkeren Maße, die Unterschiede sind schon heute gravierend, wobei säkular nicht heisst, dass die Gesellschaft sich atheistisch entwickelt. Die Institution Kirche ist lange eine Sache des Staates geworden, nicht zuletzt bezahlt der säkulare Staat Teile des Pfaffentums fürstliche Gehälter und gibt den Steuerbüttel.

Herzlichen Glückwunsch zum Dodo. Der grünverpackte Katholik Kretschmann hat auch schon einen.

Advertisements

5 Gedanken zu “Thomas Strobl: Dodo des Monats September 2016

  1. Ich bin Atheist, d.h. ich bin überzeugt, dass es Gott und Götter nur in den Köpfen der Gläubigen gibt. Trotzdem ist es offensichtlich, dass es eine überlieferte christlich-abendländische Kultur gibt, die Europa geprägt hat: Ohne die christliche Kirche gäbe es z.B. die grossartigen romanischen und gotischen Kirchen nicht. Dufay, Desprez, Lasso, Palestrina, Bach und Händel hätten ihre überwältigende Kirchenmusik nicht komponieren und aufführen können. Es hätte keine Scriptorien und Klosterbibliotheken gegeben, und die Bücher der Bibel, die ich als kulturhistorische Werke betrachte, wären nie geschrieben und überliefert worden. Diese Kultur möchte ich auch als Atheist nicht missen! Dass Repräsentanten der Kirche grausame Verbrechen begangen haben, ist nicht der christlichen Religion anzukreiden sondern den menschlichen Schwächen.

    Gefällt mir

    1. Dann hätte Bach, Palestrina, etc. halt für das Geld der weltlichen Fürsten geile Mucke komponiert. Die Krischen haben mit ihrem Pinke-Pinke Kunst selektiert und nicht pauschal gefördert.

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s