Die Religion des „Ersatzkaisers“


Eine erbärmliche Debatte. Die Religion des Bundespräsidenten, ob Christ, Muslim, Jude, Hindu,oder Buddhist. Die Idee, er könne ungläubiger Atheist sein wird verbal überhaupt nicht geäußert.

Befasst man sich mit den Artikeln 54-61 des Grundgesetzes, die die Funktion des Amtes definieren, wird man den Begriff der Religion vergeblich suchen, gar Hinweise auf die Glaubenszugehörigkeit des Bundespräsidenten oder des Kandidaten für das Amt. Der Bundespräsident, oder die Präsidentin sind in ihrem Amt als Vertreter aller Deutschen zu verstehen. Das Amt selbst trifft keine Einschränkungen hinsichtlich eines Glaubens oder Weltanschauung. Gauck, als amtierender Präsident, vom Beruf Pastor, mit christlichem Glaubensbekenntnis, spricht als Christ eben nur für Christen, sofern er seine Zugehörigkeit zur Glaubensgemeinschaft expressis verbis betont, alle anderen Deutschen sind außen vor.

Die Diskussion über die Glaubenszugehörigkeit des Amtes ist an Erbärmlichkeit nicht zu übertreffen und eines Staates mit säkularen Politikverständnis unwürdig. Sie ist Ausdruck der Hilflosigkeit, statt sich dem harten Geschäft der Politik in Wirtschaft, Sozialen und Finanzen zu widmen, kompensiert man die eigene Inkompetenz mit dem weichen Thema der Religion und der Gläubigkeit des Amtes des Bundespräsidenten. Die Diskussion ist der Versuch eigene moralische, religiöse und ethische Sichtweisen ans Volk zu bringen. Im Geschäft der Kirchen nennt man das Mission. Formal ist die Diskussion geeignet Religions-und weltanschauliche Freiheit einzuschränken, wenn nicht gar abzuschaffen und steht der freiheitlich-demokratischen Grundordnung als Antithese gegenüber.

Die Individuen des Gemeinwesen können glauben was sie wollen, solange ihr Glaube nicht den Normativen des Grundgesetzes zuwider läuft.

Erinnern wir uns an die Rede von Navid Kermani, anlässlich der Verleihung des Friedenspreises in der Paulskirche von Frankfurt. Nach seiner Dankesrede wünschte er sich keinen Applaus, sondern ein gemeinsames Gebet für die Menschen in Syrien und im Irak. Ein Gebet  ist eine verbale oder nonverbale rituelle Zuwendung an ein transzendentes Wesen. Bleibt die Frage an wen, an die göttliche Entität die das Abschlachten der Gläubigen und Ungläubigen gut heißt und ermöglicht, oder jene Entität, die dem Krieg ein Ende bereiten soll. Es ist wie es ist. Mit der Bitte um ein abschließendes Gebet hat Kermani die Religionsfreiheit unzulässig eingeschränkt. Ich hätte mir gewünscht einer der Anwesenden hätte den Arsch in der Hose gehabt, wäre aufgestanden und gegangen. Wir brauchen keine Zwangsbebeter, wir brauchen keine Politiker die ihre religiösen Überzeugen zur politische Maxime ihres Handelns machen.

All diejenigen die meinen nun über die religiöse Weltsicht eines Bundespräsidenten diskutieren zu müssen, sind im Sinne Kants Afterdienstler am eigenen Volk.

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