Ian Kershaws „Höllensturz“: Schlafwandler gab es überall

© Picture-Alliance Als sie an die Macht kamen, war kein Frieden mehr möglich: Die Führungsriege der NSdAP, 1933.
© Picture-Alliance Als sie an die Macht kamen, war kein Frieden mehr möglich: Die Führungsriege der NSdAP, 1933.
Die Fassungslosigkeit, aus der alle Europäer lernten: Der englische Historiker Ian Kershaw hat ein exzellentes Buch über den zerrissenen Kontinent zwischen 1914 und 1949 geschrieben.

Von Ulrich Herbert | Frankfurter Allgemeine

Die Geschichte der Länder Europas im zwanzigsten Jahrhundert ist denkbar unterschiedlich verlaufen, und auch die Erfahrungen der Menschen waren von Land zu Land verschieden. Der Kontinent war vor allem durch seine Vielfalt gekennzeichnet und ist es noch. Gibt es unter diesen Voraussetzungen überhaupt so etwas wie eine europäische Geschichte? Kann man als Einheit erzählen, was sich vor allem durch Vielheit auszeichnet? Man kann, Ian Kershaw führt es auf ebenso eindrückliche wie elegante Weise vor.

Aber auch die Widersprüche und Disparitäten eines solchen Vorhabens treten dabei hervor. Kershaw geht nicht von einer fiktiven Einheit „Europa“ aus, sondern nimmt den Begriff zunächst einmal geographisch und erzählt die Geschichte der einzelnen Länder zwar miteinander verwoben, aber doch für sich. Seine Leitfrage ist einfach und plausibel: Wie kam es dazu, dass sich Europa in den vierziger Jahren beinahe selbst zerstört hat? Und natürlich spielen bei einer solchen Frage manche Länder eine sehr große, andere gar keine Rolle. Kershaws Ausgangspunkt ist die sich herausbildende Konfrontation von Demokratie und Diktaturen als Signum der Epoche, wobei er sehr sorgfältig die Abstufungen von autoritären Regimes und faschistischen Diktaturen darlegt.

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Islamfeinde: Pegida demonstriert zum Geburtstag

Polizisten beobachten Pegida-Anhänger in Dresden. Foto: dpa
Polizisten beobachten Pegida-Anhänger in Dresden. Foto: dpa
Anlässlichs ihres zweijährigen Jubiläums demonstrieren tausende Anhänger der islamfeindlichen Bewegung in Dresden. Die Polizei ist mit einem Großaufgebot im Einsatz.

Frankfurter Rundschau

Zwei Jahre nach dem Entstehen der islamfeindlichen Pegida-Bewegung haben am Sonntag tausende Anhänger der Rechten in Dresden demonstriert. Die Kundgebung wurde von mehreren Gegendemonstrationen begleitet.

Nach Angaben der Polizei, die mit einem Großaufgebot im Einsatz war, begannen die Veranstaltungen ohne Zwischenfälle. Der MDR berichtete von 5000 Teilnehmern. Die Beobachtergruppe „Durchgezählt“ sprach im Kurznachichtendienst Twitter von rund 130 Teilnehmern einer studentischen Gegendemonstration.

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Schottlands Premierministerin glaubt „mehr denn je“ an Unabhängigkeit

Nicola Sturgeon / Bild: APA/AFP/ANDY BUCHANAN
Nicola Sturgeon / Bild: APA/AFP/ANDY BUCHANAN
Schottlands Regierungschefin Sturgeon warnt die britische Regierung vor einem schädlichen Kurs beim EU-Austritt.

Die Presse.com

Angesichts des Kurses der britischen Regierung nach dem Brexit-Votum hält die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon eine Unabhängigkeit Schottlands vom Vereinigten Königreich für wahrscheinlicher denn je: „Ich habe nie daran gezweifelt, dass Schottland eines Tages ein unabhängiges Land wird, und ich glaube daran heute stärker als je zuvor“.

Dies sagte Sturgeon am Samstag zum Abschluss des Parteitags ihrer Schottischen Nationalpartei (SNP) in Glasgow. Sturgeon führte aus, sie wolle sich dafür einsetzen, dass Schottland weiter Zugang zum europäischen Binnenmarkt habe, auch wenn Großbritannien die EU verlasse. „Aber wenn die Tory-Regierung diese Bemühungen ablehnt, wenn sie darauf beharrt, Schottland auf einen Weg zu bringen, der unserer Wirtschaft schadet, Jobs kostet, unseren Lebensstandard senkt und unserem Ruf als offenes, einladendes, vielfältiges Land schadet, dann habt keinen Zweifel“, warnte die schottische Regierungschefin mit Blick auf ein Unabhängigkeitsreferendum.

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Deutsche Justiz: Bisher kein Beweis für IS-Bezug al-Bakrs

In diesem Leipziger Gefängnis wurde Al-Bakr erhängt in seiner Zelle gefunden / Bild: APA/Sebastian Willnow
In diesem Leipziger Gefängnis wurde Al-Bakr erhängt in seiner Zelle gefunden / Bild: APA/Sebastian Willnow
Nach dem Tod des Syrers Jaber al-Bakr in einem Leipziger Gefängnis haben die Ermittler noch keine „ausreichenden gerichtsverwertbaren Bezüge zum IS“. Auch die Umstände des Suizids sind weiter unklar.

Die Presse.com

Nach dem Suizid des mutmaßlichen Terroristen Jaber al-Bakr suchen die deutschen Ermittler weiter nach Verbindungen zur Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS). Bisher gebe es keine „ausreichenden gerichtsverwertbaren Bezüge zum IS“, sagte ein Sprecher der deutschen Bundesanwaltschaft in Karlsruhe der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Die Ermittlungsbehörden vermuten allerdings, dass Al-Bakr im Auftrag des IS handelte. Ende August sei der Syrer aus der Türkei kommend in Leipzig gelandet und habe dabei seinen Anschlagsplan „in der Tasche“ gehabt, zitierte die Zeitung Ermittler.

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Afrika sitzt auf gepackten Koffern

Die Wahrscheinlichkeit bei Überfahrt von Afrika nach Italien den Tod zu finden liegt bei 1 zu 23 / picture alliance
Die Wahrscheinlichkeit bei Überfahrt von Afrika nach Italien den Tod zu finden liegt bei 1 zu 23 / picture alliance
Angela Merkel reiste nach Afrika, um Migrationspartnerschaften auszuhandeln. Doch die Lage dort wird sich nur langsam verbessern lassen, schreibt Prinz Asserate. Patrouillen auf See und Mauern können das Problem jedoch nicht lösen

Von ASFA-WOSSEN ASSERATE | Cicero

Seit dem März 2016, seitdem die EU ein Flüchtlingsabkommen mit der Türkei geschlossen hat und die sogenannte Balkanroute „geschlossen“ ist, ist die Zahl der Menschen, die über das Meer nach Griechenland kommen, stark gesunken.

Von Januar bis Mai 2016 landeten dort nach Angaben des UNHCR rund 150.000 Flüchtlinge. Dafür nimmt die Zahl derer, die sich mit Booten nach Italien aufmachen, wieder deutlich zu. Von Januar bis Anfang Juni 2016 kamen rund 50.000 Flüchtlinge in Italien an – vor allem Afrikaner.

Knapp die Hälfte von ihnen stammt aus Nigeria, Gambia, Somalia, Eritrea und der Elfenbeinküste. Sie gehören zu denen, die die gefährliche Überfahrt über das Mittelmeer überlebt haben. Für viele andere endete ihr Traum von Europa tödlich. Von 2014 bis Anfang Juni 2016 sind dem UNHCR zufolge 10.000 Flüchtlinge im Mittelmeer ertrunken. Aus dem „Mare Nostrum“ ist ein „Mare Monstrum“ geworden. Die Wahrscheinlichkeit, bei der gefährlichen Überfahrt von Afrika nach Italien den Tod zu finden, beträgt 1 zu 23.

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Volker Beck: „Arabische Predigten sind ein Stück Heimat“

Photographer Angelika KohlmeierDer Grünen-Politiker Volker Beck rät zu mehr Entspannung, wenn in einem Stadtteil eine Sprache der Zuwanderer vorherrscht. Notfalls müssten die dort lebenden Deutschen diese Sprache lernen, sagt er im Gespräch mit n-tv Moderator Constantin Schreiber.

n-tv

Constantin Schreiber: Wie kann man für Migranten Integrationszugänge schaffen, wenn in manchen Stadtteilen inzwischen häufig kein Deutsch gesprochen wird?

Volker Beck: Andere Länder gehen damit entspannter um, dass in manchen Vierteln auch mal eine andere Sprache von einer Migrationscommunity gesprochen wird. In den USA finden Sie ihr Chinatown, da finden Sie die Gegenden, wo die Mexikaner wohnen, oder je nachdem, welche Community in der Stadt gerade stark ist. (…) Da gibt es ein bisschen ein Unwohlsein, weil man das Gefühl hat, man bekommt was nicht mit. Aber wenn einem das wirklich wichtig ist, soll man diese Sprache lernen. (…) Da, wo es Probleme mit Islamismus und Gewalt gibt, muss man mit Sozialarbeitern rein, die dann die interkulturelle Kompetenz haben.

Wäre es nicht gut, wenn es keine Predigten auf Arabisch oder Türkisch in deutschen Moscheen gibt, sondern auf Deutsch?

Das geht nicht. Wir haben Gottesdienste immer schon in der katholischen Kirche in Deutschland gehabt, seit der Gastarbeitereinwanderung, auf Kroatisch, auf Italienisch, auf Ukrainisch. Selbstverständlich gehört das zur Religionsfreiheit dazu, und es ist auch ein bisschen Heimat, dass man ein Gottesdienstangebot bekommt in der eigenen Sprache!

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Kirchenkritiker als Rechtsradikale verleumdet

Bild: RDF
Bild: RDF
Wie man in Dortmund in die rechtsradikale Szene sortiert wird. Im vergangenen Jahr demonstrierte die Kunstaktion „Das 11. Gebot: Du sollst deinen Kirchentag selbst bezahlen!“ vor dem Dortmunder Rathaus.

Von Berit & Manfred Such | Richard-Dawkins-Foundation

Die Subventionierung des Ev. Kirchentages 2019 mit einem Zuschuss von 2,7 Mill. Euro aus dem Säckel der hochverschuldeten Stadt Dortmund konnten die Macher der Aktion damals nicht verhindern. Allerdings hatte die Aktion für einige von ihnen ein unerwartetes Nachspiel: Die Kirchenkritiker wurden von der Stadt Dortmund kurzerhand zu Rechtsradikalen erklärt. Zu ihrem großen Erstaunen, denn bisher hatten sie sich immer dem linken Spektrum zugeordnet.

Mit der Begründung, der Dortmunder rechtsradikalen Szene anzugehören, wurde uns die Teilnahme an einer öffentlichen Bürgerversammlung, in der die Unterbringung von Flüchtlingen vorgestellt werden sollte, untersagt. Schockerlebnis vor dem Kirchentor! Da steht man dann hilf- und fassungslos, es nicht glauben zu wollen, vor einem sogenannten Sicherheits-Sheriff eines privaten Sicherheitsdienstes:

„Sie lasse ich hier nicht rein! Personen, die der rechten Szene angehören, haben keinen Zutritt!“

So stand es auch angeschlagen im Aushangkasten an der Ev. Pauluskirche, in der die Versammlung stattfinden sollte, wie wir erst später feststellten.

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Türkische Islamisten wollen Bibel-Extremisten ausweisen

In der Türkei droht einem evangelikalen US-amerikanischen Pfarrer und seiner Ehefrau die Ausweisung. Pfarrer Andrew Brunson und seine Frau Norine Lyn Brunson säßen in Izmir seit dem 7. Oktober in Abschiebehaft, berichteten türkische Medien. Ihnen werde vorgeworfen, gegen die „nationale Sicherheit“ der Türkei verstoßen zu haben. Offenbar werden Andrew Brunson missionarische Aktivitäten vorgeworfen.

kathpress

Den Angaben zufolge war das Paar zunächst einer polizeilichen Aufforderung gefolgt, wegen ihrer Aufenthaltsgenehmigung bei einem Polizeirevier vorzusprechen. Dort seien sie festgenommen genommen.

Das Paar lebt seit 20 Jahren in der Türkei. Andrew Brunson leitet die evangelikale Auferstehungskirche („Resurrection Church“) in Izmir, die laut dem evangelikalen Informationsdienst „World Watch Monitor“ rund 30 bis 40 Mitglieder hat. Das Paar hatte den Berichten zufolge im April routinemäßig einen Antrag auf Aufenthaltsverlängerung gestellt und seitdem nichts mehr von der zuständigen Behörde gehört.

Die US-Botschaft in Ankara bestätigte den Fall, wollte sich aber nicht weiter äußern. Dem Paar wird den Berichten zufolge unter Berufung auf den geltenden Ausnahmezustand bislang jeder Kontakt zum US-Konsulat verwehrt. Auch ein Anwalt habe sie nicht sprechen dürfen.

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RDF Talk – Interview mit Rana Ahmad

Rana Ahmad ist eine Syrerin, die in Saudi-Arabien geboren wurde und aufgewachsen ist. Nachdem sie ihren Glauben abgelegt hat, musste sie flüchten, weil sie von ihrer Familie und dem Staat mit dem Tode bedroht wurde.
 

Richard-Dawkins-Foundation

Vor fünf Jahren begann Rana Bücher von Dawkins, Darwin, Nietzsche und Voltaire zu lesen. Dies veränderte ihr Weltbild. Fortan lebte sie ein öffentliches und ein geheimes Leben. Im Laufe der Jahre wurde offenbar, dass sie sich nicht länger verstecken konnte. Im Mai 2015 wagte sie die Flucht, zunächst in die Türkei. Nach einem Spendenaufruf, der auch von Richard Dawkins über Twitter verbreitet wurde, kam sie im November 2015 in Deutschland an.

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Kardinäle wettern gegen McDonald’s am Vatikan

© dpa McDonald’s? Passt hier nicht hin, finden viele Kardinäle.
© dpa McDonald’s? Passt hier nicht hin, finden viele Kardinäle.
Die geplante Eröffnung eines „McDonald’s“ am Vatikan sorgt in höchsten kirchlichen Kreisen für Streit: Pilgern werde ungesundes Essen statt „traditioneller römischer Küche“ angeboten. Es geht aber auch um beträchtliche Mieteinnahmen.
 

Frankfurter Allgemeine

Ein geplantes McDonald’s-Restaurant in unmittelbarer Nähe des Petersplatzes in Rom hat Proteste von Anwohnern und Kardinälen hervorgerufen. Das Fastfood-Restaurant soll in einem Gebäude öffnen, das dem Vatikan gehört und nur wenige Schritte vom Kirchenstaat entfernt ist. „Wir sind sehr besorgt, wir protestieren auf jeder Ebene“, sagte der Präsident der Organisation zur Rettung des Stadtviertels Borgo, Moreno Prosperi, der Nachrichtenagentur Adnkronos.

„Das Fastfood-Restaurant nur 50 Meter vom Eingang des Vatikans entfernt ist ein Widerspruch zu den Prinzipien, die Papst Franziskus vertritt“, sagte Prosperi. Seine Organisation plane eine „Anti-McDonald’s-Demo“.

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Im Namen des Propheten

Lutz Berger Die Entstehung des Islam
Lutz Berger
Die Entstehung des Islam

Der Islamwissenschaftler und Turkologe Lutz Berger versteht es, die Geschichte des Islam in dessen ersten 100 Jahren nüchtern und zugleich farbig darzulegen. Nüchtern, weil der Autor immer wieder auf die schwierige Quellenlage hinweist. Farbig, weil er pointiert Einblicke in eine Welt gibt, die von unseren heutigen Denkweisen sehr weit entfernt ist – ohne deren Kenntnis man das derzeitige Geschehen aber nicht verstehen kann.

Von Christian Hellmann | Spektrum.de

Die Anfangszeit einer Religion, ob Islam, Juden- oder Christentum, ist historisch meist schwer zu fassen. Zeitgenössische Dokumente sind in der Regel äußerst rar, und Schriften aus späteren Epochen idealisieren und überformen die frühen Jahre üblicherweise. Berger bettet die Entstehung des Islam deshalb detailliert in die Geschichte des 6. und 7. Jahrhunderts ein. Die religiösen Probleme dieser Zeit verbindet er geschickt mit dem politischen Geschehen, das auf der einen Seite bis weit nach Asien und auf der anderen bis nach Europa ausstrahlte. Die Jahrzehnte damals waren überschattet von einem Konflikt zweier mächtiger Imperien, die sich einen langen und erbitterten Abnutzungskrieg lieferten: Das oströmische Reich und das iranische Reich der Sassaniden. Beide standen sich unter anderem in religiösen Belangen als Kontrahenten gegenüber. Im Sassanidenreich dominierte der Zoroastrismus, der eng mit dem Iranertum verbunden war. Im oströmischen Reich hingegen das Christentum, wenn auch zerrissen von zahlreichen Auseinandersetzungen um die richtige Lehre. Das andauernde Ringen der Imperien band wirtschaftliche und militärische Kräfte und schwächte beide Großreiche enorm.

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Mossul: Das lange Warten auf die Stunde null

In die Millionenstadt Mossul selbst sollen nur die irakische Armee und sunnitische Kämpfer (Bild) vordringen. / Bild: REUTERS
In die Millionenstadt Mossul selbst sollen nur die irakische Armee und sunnitische Kämpfer (Bild) vordringen. / Bild: REUTERS
Im Irak sind die Vorbereitungen für die Befreiung der Stadt Mossul vom IS abgeschlossen. Die Herausforderung ist keine militärische allein, es muss auf zahlreiche ethnische Interessen und Ängste der Bevölkerung Rücksicht genommen werden.

Von Alfred Hackensberger | Die Presse

Sie sind schon seit fünf Uhr morgens unterwegs. Ihre Haare sind zerzaust und verstaubt. Die Augen wirken müde. „Nein, nein, wir sind topfit“, wiegelt ein Soldat in schwarzer Uniform ab. „Wir sind aus Stahl“, behauptet er und zeigt stolz auf das rote Wappen mit dem gelben Adlerkopf, das er am rechten Oberarm trägt. Es ist das Zeichen der Goldenen Division, der berühmt-berüchtigten Elitetruppe der irakischen Armee. Sie kommt nur zum Einsatz, wenn eine Schlacht besonders schwierig und wichtig ist. „Wir werden Mossul befreien und so viele IS-Terroristen wie möglich töten!“, ruft der Elitekämpfer siegessicher. Der 24-Jährige, der aus Bagdad stammt, ist einer von 1500 Mann der Spezialeinheit, die gerade an der Militärbasis von Machmur in der autonomen Kurdenregion (KRG) angekommen sind. Entlang der Straße stehen weit über Hundert ihrer schweren Lastwagen mit gepanzerten Fahrzeugen und Artillerie auf den Ladeflächen. Der Konvoi wartet auf die Weiterfahrt an die Front.

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Hinkley Point muss gebaut werden – aus militärischen Gründen

Ein mit Trident-Raketen bewaffnetes U-Boot der Vanguard-Klasse, das ersetzt werden soll. Bild: LA(Phot) Will Haigh/MOD/OGL
Ein mit Trident-Raketen bewaffnetes U-Boot der Vanguard-Klasse, das ersetzt werden soll. Bild: LA(Phot) Will Haigh/MOD/OGL
Setzt man sich mit dem extrem teuren Neubau der beiden neuen Atommeiler im britischen Hinkley Point auseinander, dann wird schnell klar, dass es eine massive Vermischung von verschiedensten Interessen gibt, die dafür sorgen, dass ein Projekt umgesetzt werden soll, das zweifellos „wirtschaftlicher Wahnsinn“ ist und Verbraucher und Steuerzahler sehr teuer zu stehen kommen wird.

Von Ralf Streck | TELEPOLIS

Dass die französische Atomindustrie auf eine Wiedergeburt und die Rettung ihres Pleite-Sektors aus ist, liegt auf der Hand (Der neue Traum von der „Wiedergeburt der Atomenergie“). Die Universität Sussex kommt in einer Studie zur Feststellung, dass das militärische atomare Abschreckungsprogramm (Großbritannien baut neue Atomsprengköpfe) letztlich den Ausschlag gab, koste es was es wolle, unsinnige und teure zivile Atomprojekte zu realisieren.

Die Universität Sussex in England hatte schon im September eine 97-seitige Studie vorgelegt, die sich mit der britischen Atompolitik, auch mit dem geplanten Neubau von zwei Meilern in Hinkley Point, auseinandersetzt. Schon bevor der Vertrag zwischen der französischen EDF (zum größten Teil in Staatshand), die federführend das Projekt realisieren soll, dem chinesischen Staatsunternehmen General Nuclear Power Corporation (CGN), das zu einem Drittel beteiligt ist, und der britischen Regierung unterschrieben wurde, hatten Forscher der Universität herausgestellt, dass das Programm der atomaren Unterseeboote des Königreichs hinter dem Projekt steht, da sonst das Abenteuer nicht erklärbar ist.

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Who Are You Calling an Atheist?

Image: churchandstate.org.uk
Image: churchandstate.org.uk
Are there any good reasons these days to declare yourself an atheist? Won’t the label’s tribal militancy, its prickly company, its easy derision, dishonor your family, alienate your friends, and upend your career? And if you are one—and you don’t fess up—might not that lack of honesty trouble you?

By Thomas Larson | Church and State

After all, it is the truth, isn’t it? What’s more, if you don’t make the call (choose, instead, the less excitable “humanist” or “secularist”), someone else will mark you, a stamp that may stick, inerasable, like a Sharpie on your forehead. Whosoever’s badge you go with, how high on your chest will you wear it?

Take the astrophysicist Neil DeGrasse Tyson, host of Cosmos and director of the Hayden Planetarium in New York. When Bill Moyers asked him whether he supported “the effort” by well-meaning people “to reconcile faith and reason,” Tyson said flatly, “they’re irreconcilable.” All attempts to describe science with faith “have failed. Anyone who tried to explain the nature of the universe, based on Bible passages, got the wrong answer.” To the charge that dark matter is God, he perked up: “If that’s where you’re going to put your God in this world, then God is an ever-receding pocket of ignorance. Get ready to have that [mystery] undone.”

Because of such statements, Tyson says he’s assailed a few times a month by nonbelievers who pester him: “I thought you were an atheist.” No, he counters, he never uses that word. If he has to have one, it’s “agnostic,” but even that term has scant meaning, he admits, since he’s confident science will solve the “divine” mysteries. Recently, he told Bill Maher that only two descriptors fit him: scientist and educator. Physics has no religiosity, Tyson said. “You don’t ‘believe in’ science. It’s true whether or not you believe in it.” Not only does he sound unfailingly uninterested in religious belief, but Tyson makes no case that he’s agnostic about anything.

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Asyl-Chaos verhindert neue Illegalen-Schätzung

 Bundesinnenminister de Maizière und BAMF-Chef Weise legen die Asylzahlen für September 2016 sowie 3. Quartal 2016 vor. In der Vergangenheit wurde wild mit Asylprognosen und Abschiebezahlen spekuliert. Quelle: Die Welt
Bundesinnenminister de Maizière und BAMF-Chef Weise legen die Asylzahlen für September 2016 sowie 3. Quartal 2016 vor. In der Vergangenheit wurde wild mit Asylprognosen und Abschiebezahlen spekuliert. Quelle: Die Welt
Mit der gestiegenen Zahl der Migranten in den vergangenen beiden Jahren stieg auch die Zahl der illegalen Einwanderer. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge wollte die Zahlen für 2015 schätzen lassen. Doch das ist unmöglich. Denn wegen der Behördenüberlastungen im Zuge der Flüchtlingskrise wurden zu viele Einwanderer falsch kategorisiert.

Von Marcel Leubecher | DIE WELT

Eine Gruppe fehlt in all den Zahlenwerken über eingereiste Ausländer: die sogenannten illegal Aufhältigen oder Papierlosen. Sie traten entweder noch nie mit einer Behörde in Kontakt. Oder sie waren schon einmal gemeldet – als Asylsuchende, Gastarbeiter oder Touristen –, tauchten aber irgendwann ab, meldeten sich nicht mehr beim Amt, wählten ein Schattendasein.

Weil man Ausländer, die jede Polizeikontrolle und jeden Kontakt mit dem Staat scheuen, nicht zählen kann, gibt es nur wissenschaftliche Annäherungsmöglichkeiten. Um die gröbsten Verharmlosungen oder Dramatisierungen zu entkräften, erstellten Wissenschaftler um die Bremer Migrationsforscherin Dita Vogel für das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) eine Studie, die im vergangenen Jahr vorgelegt wurde. Ergebnis: Mindestens 180.000 bis höchstens 520.000 Ausländer ohne Asyl- oder ausländerrechtlichen Aufenthaltsstatus, ohne Duldung und ohne Erfassung lebten 2014 im Land.

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Weißes Haus in Frauenhand

Hillary Clinton vergangenes Jahr beim Women in the World Summit in New York. / Bild: JASON SZENES / EPA / picturedesk.com
Hillary Clinton vergangenes Jahr beim Women in the World Summit in New York. / Bild: JASON SZENES / EPA / picturedesk.com
Donald Trump könnte mit seinem vulgären Sextratsch vier Wochen vor der US-Wahl 2016 seiner Gegnerin Hillary Clinton den Sieg geschenkt haben. Denn sein ohnehin schwacher Rückhalt bei Frauen bricht auf einen Rekordtiefststand ein.

Von Oliver Grimm | Die Presse

Aleidra Allen ist eine jener jungen Frauen aus der Generation Y, von denen es gut ein Jahr lang hieß, dass Hillary Clinton bei ihnen keine Chance habe.

Die 27-jährige Afroamerikanerin leitet das Programm für multikulturelle Bildung an der Saint Louis University, und sie nimmt es der früheren First Lady, Senatorin und Außenministerin noch immer übel, in den 1990er-Jahren die harte Justizpolitik ihres Gatten Bill Clinton unterstützt zu haben. Damit hätten die Clintons zur ungerechtfertigten massenhaften Kriminalisierung junger Schwarzer beigetragen, sagt Allen im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“. Doch dann wischt Allen die grundlegenden Bedenken gegen die Kandidatin Clinton mit einem Verweis auf deren Konkurrenten beiseite: „Was soll’s, das war 1996. Menschen wachsen und lernen. Ich werde für sie stimmen, denn ich könnte niemals rechtfertigen, Donald Trump meine Stimme zu geben. Seine Kommentare werden immer schlimmer, er hört nicht auf, allerlei Gruppen zu beleidigen und auszugrenzen.“

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Neues BND-Gesetz: Weltpolizist BRD im rechtlosen Raum

Grafik: heise.de/TP
Grafik: heise.de/TP
Am 21. Oktober Abstimmung im Bundestag – Illegales Handeln soll nun legalisiert werden

Von Thomas Moser | TELEPOLIS

Die gute Nachricht zuerst: Der parlamentarische Untersuchungsausschuss über den US-amerikanischen Nachrichtendienst NSA hat illegale Praktiken des bundesdeutschen Nachrichtendienstes BND enthüllt und eine Debatte darüber erzwungen. Nun die schlechte: Der Auslandsgeheimdienst lässt sich sein Handeln in Zukunft mit einem Gesetz legalisieren – wieder einmal.

Doch drehen wir dieses Mal die Reihenfolge um und beginnen mit der schlechten Nachricht: Ein Geheimdienst nutzt seine Verfehlungen, um sich zu restaurieren. Die gute Nachricht ist aber: Er ist ertappt, die Methode erkannt und öffentlich angeprangert.

Wie bei der Anhörung im Innenausschuss des Bundestages Ende September, als vor gut gefüllten Zuhörerrängen Dinge zur Sprache kamen, die Sicherheitsdiensten wie Sicherheitspolitikern nicht schmecken können.

„Ausland-Ausland-Fernmeldeaufklärung“

Die gesetzlosen Praktiken des BND, das sind vor allem Telefonüberwachungen von Ausländern im Ausland und zwar vom Inland aus – „Ausland-Ausland-Fernmeldeaufklärung“ genannt. Sie berührt die Rechte von Nicht-Bundesbürgern, die Rechte fremder Staaten, aber zugleich auch die Rechte von Bundesbürgern, die vom BND-Daten-Staubsauger automatisch mit erfasst werden. Denn eine Unterscheidung, ob ein Ausländer oder ein Bundesbürger gerade telefoniert, ist nach allgemeiner Übereinstimmung nicht nur von IT-Experten technisch unmöglich.

Lassen wir für einen Moment die Sachverständigen sprechen. Für Matthias Bäcker vom Institut für Technologie in Karlsruhe ist, wie er bei der Anhörung ausführte, die Grundannahme des angepassten BND-Gesetzes, ausländische Bürger könnten gegenüber Bundesbürgern rechtlich schlechter gestellt werden und gegen Abhöraktivitäten weniger geschützt sein, falsch und verfassungswidrig.

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For the First Time, Researchers Bridge Quantum Computers on a Single Chip

Five qubit quantum circuit. Image: Martinis Group/UCSB
Five qubit quantum circuit. Image: Martinis Group/UCSB
Despite the rapid emergence of mobile devices and cloud computing, it’s still intuitive to think of computers as relatively self-contained systems. And, as self-contained systems, they can be relied on to have many if not most of the same capabilities offline as they do online. They work just fine in isolation.

By Michael Byrne | MOTHERBOARD

Quantum computing is poised to upend a great many of our assumptions about computers and what it even means to be such a thing. Rather than centralized machines, it may make more sense to imagine the future’s powerful quantum computers as distributed networks of very tiny computers operating in a way similar to how parallel computation occurs in classical computing. A problem is broken apart many times and then sent across many different processors at once; at the other end, all of the results are put together into a final solution.

Physicists are routinely breaking distance records for quantum correlations, but connecting quantum computers at very short distances is important too when it comes to distributed quantum computing. To this end, researchers at Sandia National Laboratories have successfully bridged quantum computers at atomic scales. Their work, which is described in the current issue of Science, offers the possibility of arranging many small quantum computers into dense, powerful parallel networks.

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