Richard David Precht: „Unvereinbar mit unserer Moral“

Publizist und Philosoph Richard David Precht beschäftigt sich seit einem Vierteljahrhundert mit tierethischen Fragen. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Publizist und Philosoph Richard David Precht beschäftigt sich seit einem Vierteljahrhundert mit tierethischen Fragen. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Der Philosoph Richard David Precht ist „sehr optimistisch“, dass es Fortschritte im Tierschutz geben wird. Die Gesellschaft müsse die „Reichweite des Mitgefühls stärker auf Tiere ausweiten“, forderte Precht im Deutschlandfunk. Der heutige Umgang mit Tieren sei „nicht mit unseren Vorstellungen von Moral, Liberalität und Sensibilität vereinbar.“

Richard David Precht im Gespräch mit Susanne Fritz | Deutschlandfunk

Susanne Fritz: In Deutschland leben rund 7,8 Million Vegetarier und etwa 900.000 Veganer. Neben allen gesundheitlichen Motiven spielt dabei auch nach wie vor eine ethische Verpflichtung gegenüber Tieren eine große Rolle. Die überwiegende Mehrheit der Menschen in den westlichen Ländern verzehrt mehr Fleisch denn je. Das funktioniert, weil viele das Elend in den Tierfabriken verdrängen und noch nie einen Schlachthof von innen gesehen haben. Aber auch, weil unser Verhältnis zu Tieren auf einer Ethik basiert, die Tiere nicht zu Mitgeschöpfen macht, sondern zu Sachen. Wie konnte es dazu kommen? Die Philosophie und die Religionen haben die Haltung der Menschen gegenüber den Tieren geprägt. Darüber habe ich mich mit dem Philosophen Richard David Precht unterhalten. Er hat ein Buch über Tierethik geschrieben, das heute unter dem Titel „Tiere denken – vom Recht der Tiere und den Grenzen des Menschen“ erschienen ist. Herr Precht, das Verhältnis des Menschen zum Tier ist grotesk widersprüchlich: Einerseits verhätscheln wir unsere Haustiere – ob Hund, Katze oder Meerschweinchen –, andererseits beuten wir Tiere gnadenlos aus. Doch das ist ja alles seit langem bekannt. Was hat Sie gerade jetzt dazu veranlasst, das Thema wieder aufzugreifen und ein Buch über unseren Umgang mit Tieren zu schreiben?

Richard David Precht: Ich glaube, das Thema liegt heute noch sehr viel dringlicher in der Luft als früher – und zwar aus folgendem Grund: Auf der einen Seite ist die Zahl der Vegetarier und der Veganer in Deutschland rasant angestiegen. Ganz viele junge Leute wollen kein Fleisch mehr essen. Und auf der anderen Seite ist die Massentierhaltung heute noch grotesker, als sie vor 20, vor 50 oder vor 100 Jahren war.

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Hitlers Geburtshaus wird abgerissen

Hitlers Geburtshaus / Bild: (c) FABRY Clemens Hitlers Geburtshaus / Bild: (c) FABRY Clemens
Hitlers Geburtshaus / Bild: (c) FABRY Clemens
Die Expertenkommision empfiehlt einen Neubau. Und Innenminister Sobotka folgt dieser Empfehlung.

Von Rainer Nowak | Die Presse.com

Nach jahrelangen Diskussionen über die Verwendung des Geburtshauses Adolf Hitlers im oberösterreichischen Braunau steht die Entscheidung nun fest. Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) kündigt am Montag im Gespräch mit der „Presse“ an: „Das Hitler-Haus wird abgerissen. Die Kellerplatte kann bleiben, aber es wird ein neues Gebäude errichtet. Das Haus wird dann entweder einer karitativen oder einer behördlichen Nutzung durch die Gemeinde zugeführt.“

Er folge damit der Empfehlung der Expertenkommission, die er vor wenigen Tagen erhalten habe, und der er vollinhaltlich zustimme, erklärte Minister Sobotka weiter. Bereits am Dienstag werde er den parlamentarischen Prozess für die Verwirklichung dieses Vorhabens einleiten. Denn für die im Ministerrat Mitte Juli grundsätzlich abgesegnete Enteignung und Entschädigung der Besitzerin des unter Denkmalschutz stehenden Hauses ist der Beschluss eines Bundesgesetzes erforderlich.

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So einfach ist es, das menschliche Gedächtnis zu hacken

 Für Julia Shaw ist das Gedächtnis formbar wie ein Klumpen Ton © Tagesspiegel/picture-alliance
Für Julia Shaw ist das Gedächtnis formbar wie ein Klumpen Ton © Tagesspiegel/picture-alliance
Die Kriminalpsychologin Julia Shaw zeigt mit spektakulären Experimenten, wie sich unsere Erinnerung manipulieren lässt. Und das gelingt mit erschreckend einfachen Mitteln.
 

Von Stefan Schmitz | stern.de

Die Täterin ist blond, hübsch und skrupellos. Sie bricht nicht in Wohnungen ein, sondern in Köpfe. „Ich hacke Ihr Gedächtnis“, sagt Julia Shaw, eine Kriminalpsychologin von der Londoner South Bank University. In fremde Hirne schmuggelt sie gefälschte Erinnerungen. Nur drei Sitzungen sind dazu nötig, dann ist im Gedächtnis der Probanden fest verankert, wie sie – zum Beispiel – mit einem Stein auf eine Mitschülerin losgegangen sind. Während des Experiments läuft die Überwachungskamera: Die Familie habe gerade beim Abendessen gesessen, erzählt eine Probandin. Zwei Polizisten klingelten an der Haustür, die Mutter rief, sie solle kommen – so sprudelt es nach der Behandlung aus der vermeintlichen Delinquentin heraus.

Dabei ist alles nur erfunden. „Implantiert“ von Frau Doktor. Wissenschaft, die Gänsehaut auslöst. Shaw beginnt in ihren Experimenten mit Begebenheiten aus der Jugend der Versuchspersonen, die sie etwa bei deren Eltern in Erfahrung gebracht hat. Das sind die Köder, mit denen die 1987 in Köln geborene Forscherin ihre Opfer in fiktive Geschichten lockt. Sie fängt an, Erfundenes hinzuzufügen – und fordert die Menschen, deren Hirne sie knacken will, dazu auf, sich das immer wieder bildlich vorzustellen.

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DNA-Verbindung zum NSU: Peggys Mutter trat vor Verschwinden zum Islam über

Steht Peggys Tod in Verbindung zum NSU? Die Hinweise verdichten sich: Kurz nach ihrem Verschwinden schrieb ein Neonazi Peggys Mutter offenbar einen Brief. Erst jetzt wurde sein Inhalt bekannt.

DIE WELT

Im Fall der getöteten Peggy verdichten sich die Hinweise auf eine Verbindung in die rechtsextreme Szene. Einem Medienbericht zufolge erhielt die Mutter Susanne Knobloch nur wenige Tage nach dem Verschwinden ihrer Tochter einen von Neonazis verfassten Brief. Das schreibt die „Bild“-Zeitung unter Berufung auf Ermittlungsakten der „Soko Peggy“.

Demnach habe die Polizei den „maschinengeschriebenen“ Brief nach Peggys Verschwinden aus ermittlungstaktischen Gründen abgefangen. Laut Aktenvermerk sei das Schreiben „beleidigenden Inhalts“ und „in schlimmster Weise von einem offensichtlich äußerst rechts orientierten Menschen geschrieben.

Er soll auf den Übertritt der Mutter zum Islam anspielen und auf den Umstand, dass sie mit einem Türken zusammenlebte. Die Mutter habe ein „so arisches Kind wie Peggy nicht verdient“, heißt es in dem Bericht weiter. Knobloch sei bei Überreichung des Briefes in Tränen ausgebrochen und hätte sich kaum beruhigen können.

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Argentinien: Kirche wegen Missbrauchs verurteilt

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Erstmals hat ein Zivilgericht in Argentinien die katholische Kirche wegen sexuellen Missbrauchs verurteilt. Nach Angaben von Rechtsexperten handelt es sich um das erste Urteil eines argentinischen Zivilgerichts gegen die katholische Kirche.

religion.ORF.at

Das Gericht in Buenos Aires verhängte wegen des Missbrauchs eines Seminaristen 1992 durch einen mittlerweile gestorbenen Erzbischof gegen die Kirche eine Geldstrafe in Höhe von umgerechnet 45.000 Euro. Der katholischen Kirche gehören in dem südamerikanischen Land rund 90 Prozent der Bevölkerung an.

Ehemaliger Erzbischof geklagt

Der Theologiestudent Ruben Descalzo hatte den ehemaligen Erzbischof von Santa Fe, Edgardo Storni, vor 15 Jahren geklagt. Ein Strafgericht hatte Storni 2009 zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Doch das Urteil wurde zwei Jahre später wieder aufgehoben.

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Tausende demonstrierten in Paris für Abschaffung der Homo-Ehe

foto: apa/afp/eric feferberg Unterstützt wurde die Demo von der Front National-Politikerin, Marion Maréchal-Le Pen. Sie ist Abgeordnete der Nationalversammlung und Nichte der aktuellen Parteivorsitzenden Marine Le Pen.
foto: apa/afp/eric feferberg Unterstützt wurde die Demo von der Front National-Politikerin, Marion Maréchal-Le Pen. Sie ist Abgeordnete der Nationalversammlung und Nichte der aktuellen Parteivorsitzenden Marine Le Pen.
Demonstration der katholisch geprägten Bewegung „Manif pour tous“ wurde von Aktivistinnen der feministischen Gruppe Femen unterbrochen
 

dieStandard.at

Tausende Menschen haben am Sonntag in Paris für die Wiederabschaffung der Homo-Ehe demonstriert. Sie riefen die KandidatInnen für die französische Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr dazu auf, sich für „traditionelle Familienwerte“ einzusetzen.

An dem Protestmarsch durch die gutbürgerlichen Viertel der französischen Hauptstadt nahmen nach Angaben der Polizei 24.000 Menschen teil, die OrganisatorInnen sprachen von 200.000 TeilnehmerInnen.

Femen-Aktivistinnen unterbrachen Demo

Die DemonstrantInnen, darunter viele Familien mit Kindern und Ältere, marschierten hinter einem Spruchband, auf dem „2017 werde ich für die Familie stimmen“ stand. Der Marsch wurde kurzfristig von Nacktprotesten von Femen-Aktivistinnen unterbrochen. Als diese von KundgebungsteilnehmerInnen umringt wurden, griff die Polizei ein und brachte die Frauen rasch fort.

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Placebos wirken auch ohne Täuschung

© Ronaldo Taveira/freeimages Eine Placebo-Pille kann selbst dann wirken, wenn wir wissen, dass es nur ein Scheinmedikament ist.
© Ronaldo Taveira/freeimages Eine Placebo-Pille kann selbst dann wirken, wenn wir wissen, dass es nur ein Scheinmedikament ist.
Überraschend wirksam: Placebos wirken selbst dann, wenn wir diese Scheinmedikamente wissentlich bekommen. Ihre schmerzlindernde Wirkung scheint demnach nicht von falschen Erwartungen und der Täuschung der Patienten abzuhängen, wie ein Experiment belegt. In diesem linderten Placebo-Pillen Rückenschmerzen der Teilnehmer um 30 Prozent – obwohl diese wussten, dass sie wirkungslose Zuckerpillen bekamen.

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Der Placebo-Effekt sorgt dafür, dass selbst Scheinmedikamente eine mess- und spürbare körperliche Wirkung entfalten. Gängiger Lehrmeinung nach spielt für diese Wirkung vor allem die Erwartung des Patienten eine Rolle: Glaubt er, ein wirksames Mittel zu erhalten, dann scheint dies die Selbstheilungskräfte des Körpers zu mobilisieren. Weitere Einflussfaktoren sind die Art der Präsentation und die genetische Veranlagung.

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‚Tagesschau‘-Chefredakteur: AfD als demokratisch legitimierte Partei behandeln

Kai Gniffke (im Juni 2010), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/ Martina Nolte
Kai Gniffke (im Juni 2010), Bild: wikimedia.org/CC BY-SA 3.0 de/ Martina Nolte

Gniffke berichtete u.a., warum die „Tagesschau“ die AfD nicht mehr als „rechtspopulistisch“ bezeichnet: Man müsse es lernen, die AfD als eine demokratisch legitimierte Partei zu behandeln.

kath.net

Die „Tagesschau“ erhebt keinen Anspruch auf Unfehlbarkeit – auch wenn ihr das immer wieder unterstellt wird. Das sagte der Erste Chefredakteur von ARD-aktuell, Kai Gniffke (Hamburg), beim 4. Evangelischen Medienkongress vom 12. bis 13. Oktober in Hamburg. Gniffke zufolge beansprucht die „Tagesschau“ auch keine Deutungshoheit über das politische Geschehen: „Wir schreiben den Leuten nicht vor, was sie zu glauben haben.“ Gniffke berichtete ferner, warum die „Tagesschau“ die AfD nicht mehr als „rechtspopulistisch“ bezeichnet. Viele Zuschauer hätten dies als belehrend empfunden. Die „Tagesschau“ habe sich den Begriff deshalb „abgewöhnt“. Man müsse es lernen, die AfD als eine demokratisch legitimierte Partei zu behandeln.

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Knapp Viertel des Great Barrier Rief in kurzer Zeit abgestorben

Forscher inspizieren den Zustand des Riffs. / Bild: REUTERS
Forscher inspizieren den Zustand des Riffs. / Bild: REUTERS
Durch das Wetterphänomen El Nino hat das Great Barrier Reef die schlimmste Korallenbleiche jemals erlebt. Es sei aber noch nicht tot, sagt ein Forscher.

Die Presse.com

Das größte Korallenriff der Welt, das Great Barrier Reef in Australien, ist nach Angaben der Marineparkbehörde durch die Korallenbleiche vergangener Monate zwar angegriffen, aber nicht tot. Behördenchef Russell Reichelt reagierte am Sonntag verärgert auf einen viel zitierten „Nachruf“ auf das Riff, den ein Journalist und Essay-Schreiber veröffentlicht hatte.

„Das Great Barrier Reef in Australien ist nach langer Krankheit 2016 verstorben. Es war 25 Millionen Jahre alt“, schrieb Rowan Jacobsen vergangene Woche auf dem Portal „globalreseach.ca“, das nach Angaben der Website eine unabhängige Forschungs- und Medienorganisation in Kanada betreibt. „Niemand weiß, ob ernste Anstrengungen das Riff hätten retten können, aber es ist klar, dass solche Anstrengungen nicht unternommen wurden.“

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Feuerbestattung: Verbrennt das imago dei

DerverzweifelteJesusIn deutschen Großstädten werden inzwischen mehr als die Hälfte aller Verstorbenen auf diese Weise beigesetzt – Dass sich heute auch Christen verbrennen lassen, liegt Brendel zufolge an theologischer Unkenntnis

 

kath.net

Immer mehr Menschen entscheiden sich für eine Feuerbestattung. Auf diese Weise werden in deutschen Großstädten inzwischen mehr als die Hälfte aller Verstorbenen beigesetzt. Diese Entwicklung bedauert der lutherische Theologe Tobias Brendel (Hilpoltstein/Mittelfranken) in einem Beitrag für das Magazin „CA – Confessio Augustana“ (Neuendettelsau). Er respektiere zwar die Entscheidung eines Menschen, sich einäschern zu lassen, und setze als Pfarrer die Asche bei, „doch an sich lehne ich die Feuerbestattung ab“. Laut Brendel kennt die Bibel nur die Körperbestattung im Erdreich oder im Felsengrab. Christen glaubten an einen Gott, der selbst in seiner Menschwerdung den Leib angenommen habe: „Verbrennen wir den Leib, zerstören wir ein Werk des Schöpfers mutwillig.“ Christen glaubten an die leibliche Auferweckung, nicht nur an ein Fortleben der Seele. Der Mensch des kommenden Reiches Gottes werde einen Leib haben: „Leib und Seele werden in ihm wieder vereint sein.“ Christus sei nicht als Geist auferstanden, sondern mit seinem Körper. Zu seinen Jüngern habe er nach seiner Auferstehung gesagt: „Seht meine Hände und meine Füße, ich bin es selber. Fasst mich an und seht; denn ein Geist hat nicht Fleisch und Knochen, wie ihr seht, dass ich sie habe“ (Lukas 24,39).

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Regierung lehnt Entschädigung an Herero und Nama ab

Herero- und Nama-Delegierten in Berlin vor dem Sitz des Bundespräsidenten (Archivfoto)
Herero- und Nama-Delegierten in Berlin vor dem Sitz des Bundespräsidenten (Archivfoto)
Vertreter der Herero und der Nama fordern eine Mitwirkung bei den Verhandlungen über die Aufarbeitung des Völkermordes im ehemaligen Deutsch-Südwest-Afrika. Reparationszahlungen müssten bei den Nachfrahren der Opfer ankommen und nicht beim Staat Namibia. Das lehnt die Bundesregierung bisher ab.

MiGAZIN

Vertreter der Volksgruppen der Herero und der Nama in Namibia wollen an den Regierungsverhandlungen über den Umgang mit dem Völkermord im ehemaligen Deutsch-Südwest-Afrika mitwirken. Eine offizielle Entschuldigung Deutschlands für den Genozid 1904 und 1908 an vermutlich rund 100.000 Menschen habe nur dann Bedeutung, wenn die Nachfahren der Opfer an den Gesprächen über Aufarbeitung und Wiedergutmachung beteiligt würden, sagte Herero-Vertreter Vekuii Rukoro am Freitag in Berlin.

Das Gebiet des heutigen Namibia war von 1884 bis 1918 deutsche Kolonie. 1904 und 1908 schlugen die deutschen Kolonialtruppen Aufstände der Herero und Nama blutig nieder. Zehntausende Menschen aus beiden Volksgruppen starben, bei den Herero waren es fast 80 Prozent der Bevölkerung. „Deutschland hat an unserem Volk den Holocaust geübt“, erklärte Rukoro.

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Intolerant, das sind die anderen!

Burka und Burkini, Islam und Österreich: Toleranz an den Tag zu legen bedeutet nicht nur, das Andere, Abweichende auszuhalten, sondern vor allem, sich selbst auszuhalten. Anmerkungen zu Österreichs (In-)Toleranz.

Von Amani Abuzahra | der Standard.at

Toleranz ist schei*e“, so der Titel einer Podiumsdiskussion bei einem Festival im Nachbarland. Goethe drückte es nicht ganz so direkt aus, als er bereits im 18. Jahrhundert schrieb: „Toleranz sollte eigentlich nur eine vorübergehende Gesinnung sein; sie muss zur Anerkennung führen. Dulden heißt beleidigen.“

Wie dehnbar der Begriff Toleranz ist, zeigt, dass für die einen Toleranz einer Geringschätzung gleichkommt, für die anderen wiederum die idealste Form des Zusammenlebens ist.

Elastischer Begriff

Toleranz scheint also ein elastischer Begriff zu sein. Duldung, Akzeptanz, Anerkennung und Respekt, aber auch Beleidigung, Indifferenz und Verkennung – all dies soll sich unter Toleranz ausgehen. Wie die Österreicher dazu stehen und vor allem wie dehnbar der Begriff ist, untermauert die „Toleranzumfrage“, die vom Mauthausen-Komitee in Auftrag gegeben wurde. Die Studienleiterin von meinungsraum.at, Christina Matzka, attestiert insgesamt eine Verbesserung und zunehmend tolerantere Haltung der Österreicher, vor allem in Bezug auf Behinderung, Geschlecht und Homosexualität. Lediglich beim Islam werde eine Ausnahme gemacht: Dem sei man nicht so tolerant gegenüber. Genauso wenig tolerant zeigt der Österreicher sich in der Einschätzung des Toleranzpotenzials seiner österreichischen Mitbürger.

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Der Traum vom Großtürkischen Reich

Süleyman I., Bild: wikimedia.org/PD
Süleyman I., Bild: wikimedia.org/PD
Tagtäglich erreichen uns neue Nachrichten über Verhaftungen von Schriftstellern, die Schließung von regimekritischen Medien, Projekten und öffentlichen Einrichtungen. Auch die Absetzung von unliebsamen Bürgermeistern in den kurdischen Gebieten wird fortgeführt. Nun stellt Erdogan auch noch den Lausanner Vertrag in Frage (Säbelrasseln in der Ägäis?). Mit Demokratie hat dies schon lange nichts mehr zu tun.

Von Elke Dangeleit | TELEPOLIS

Die Parallelen zu einer faschistischen Diktatur treten immer offener zu Tage. Europa verhält sich derzeit wie damals Chamberlain zu Hitler, sie werden zu Gehilfen eines neuen faschistischen Systems vor den Toren Europas. Würde dies alles in Russland passieren, es ginge ein Aufschrei durch die Welt. Aber zur Türkei schweigt man.

Die Frage, die sich stellt ist: Ist die Türkei schon eine faschistische Diktatur oder ist sie ein totalitäres System mit faschistischen Tendenzen? Im Wörterbuch der Soziologie von Karl-Heinz Hillmann wird Faschismus definiert als ein Herrschaftssystem, „das a) die Vorrechte bestimmter, als elitär bewerteter Gruppen schützt, Opposition als zersetzend und gemeinschaftsgefährlich unterdrückt und in allen Bereichen das Führerprinzip durchsetzt; b) durch politische Herrschafts- und Kampfmethoden, die mit Terror, Propaganda und Demagogie die Volksmassen zum Gehorsam und zum unbedingten Glauben gegenüber den Führern bringen wollen…und den Hass…auf kritisch-rationale oder ethnische und politische Minderheiten (Intellektuelle, Farbige, Juden, Kommunisten) lenken“.1

Was den Faschismus vom Totalitarismus unterscheidet, ist die Ausrichtung auf das Völkische. In der Türkei können wir dies durch die Propaganda des „Türkentums“ in Kombination mit dem sunnitischen Islam beobachten. Andere Ethnien (z.B. Kurden und Armenier) oder Religionsgemeinschaften (z.B. Aleviten, Christen und Eziden) werden nicht anerkannt, bzw. einer Assimilierung unterzogen. Minderheiten wie Schwule und Lesben spüren die zunehmende Islamisierung besonders stark, wie die europäische-Kommission gegen Rassismus und Intoleranz in ihrem jüngsten Bericht feststellte.

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Degrowth-Bewegung: Wachstum im Schneckentempo ist auf einmal in

© AFP Schnecken aller Welt vereinigt euch!, heißt das neue wachstumskritische Manifest.
© AFP Schnecken aller Welt vereinigt euch!, heißt das neue wachstumskritische Manifest.
Ob TTIP-Gegner oder Romantiker: Degrowth ist im Trend. Die Protestbewegung eint Wachstumskritiker aller Länder. Der Fortschritt hat kaum noch Freunde. Wie konnte das passieren?

Von Rainer Hank | Frankfurter Allgemeine

Die Wachstumskritiker machen mobil. „Wachstum ist der Krebs der Wirtschaft“, hat Marianne Grimmenstein-Balas vergangene Woche in dieser Zeitung behauptet: „Wenn wir alle nur an Profit denken, werden wir alle geschädigt.“

Im Hauptberuf war Grimmenstein-Balas Flötenlehrerin in Lüdenscheid. Ihre Leidenschaft aber gilt dem Kampf gegen Ceta und TTIP, die umstrittenen Freihandelsabkommen mit Kanada und den Vereinigten Staaten. Dass sie fast 70000 Unterschriften für eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht hinter sich gebracht hat, macht sie stolz. Dass sie sich am vergangenen Donnerstag in Karlsruhe erst einmal eine Abfuhr geholt hat, wird ihren Kampfgeist nur noch anstacheln: „Freihandel nein, Demokratie ja.“

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Israelis believe Clinton will push them harder on peace, back her anyway — poll

Prime Minister Benjamin Netanyahu meets with Democratic nominee Hillary Clinton in New York, September 25, 2016 (Kobi Gideon/GPO)
Prime Minister Benjamin Netanyahu meets with Democratic nominee Hillary Clinton in New York, September 25, 2016 (Kobi Gideon/GPO)
Survey shows Israelis may have given up for now on peace, but not peace talks; Arab Israelis more optimistic than Jewish counterparts about state’s future

By Marissa Newman | The Times of Israel

Last month, Republican presidential nominee Donald Trump’s Israel adviser took to local television to reassure Israelis that, if elected, the GOP candidate would not seek to impose a two-state solution and would back the Jewish state in “any path it chooses.”

But according to a survey released on Sunday, the bid to drum up Israeli support for Trump with promises of eschewing a peace push has largely failed to make a dent.

The monthly Peace Index, conducted by the Israel Democracy Institute and Tel Aviv University, shows that most Israelis — of all political persuasions — believe Democratic candidate Hillary Clinton will apply greater pressure on Israel to negotiate with the Palestinians than her rival Trump. But they support her over the Republican candidate anyway.

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„Schulen fehlt Respekt gegenüber ausländischen Kindern“

Safter Cinar: „Solange sie in der Pause keine Scheiben einschlagen, ist doch alles gut“ Quelle: picture alliance / dpa
Safter Cinar: „Solange sie in der Pause keine Scheiben einschlagen, ist doch alles gut“ Quelle: picture alliance / dpa
Der Türkische Bund Berlin-Brandenburg will die Regel aufheben, dass auf Berliner Schulhöfen nur Deutsch gesprochen wird.
Vorstandsmitglied Safter Çinar hält die Deutschpflicht für einen Eingriff in die Freizeit und Freiheit der Kinder. Die Sprachkompetenz habe weniger mit der Staatsbürgerschaft sondern mit der sozialen Herkunft zu tun, sagt Çinar.

Von Kathrin Spoerr | DIE WELT

Warum das wichtig ist:
Nachdem die Deutschpflicht an der Herbert-Hoover-Realschule in Berlin eingeführt wurde, verbesserten sich die Schulabschlüsse der Kinder, mehr schafften es aufs Gymnasium.

Nach der Debatte um den Handschlag, den ein türkischer Imam der Lehrerin seines Sohnes verweigert hatte, hat Berlin nun eine neue Diskussion über Integration. Mitten in den Koalitionsverhandlungen von SPD, Linken und Grünen fordert der Türkische Bund Berlin-Brandenburg (TBB) die Aufhebung der Regel, der zufolge auf Schulhöfen ausschließlich Deutsch zu sprechen sei – eine freiwillige Vereinbarung, zu der sich viele Schulen in Problembezirken Berlins vor zehn Jahren durchgerungen hatten. Welche Absichten verfolgt der TBB? Ein Gespräch mit Safter Çinar, Vorstandsmitglied des Vereins, der eigenen Angaben zufolge 5000 bis 6000 Mitglieder vertritt.

Die Welt: Herr Çinar, haben Sie etwas gegen die deutsche Sprache?

Safter Çinar: Natürlich nicht. Ich selbst spreche sie gut und gern.

Die Welt: Wenn Sie nun aber verlangen, dass türkische Kinder in der Pause Türkisch sprechen, verhindern Sie dann nicht, dass sie genauso gut Deutsch sprechen lernen wie Sie?

Çinar: Zunächst einmal: Es geht mir gar nicht nur um türkische Kinder. Es geht um alle Kinder, die eine andere Muttersprache sprechen als Deutsch, also Arabisch, Russisch, Chinesisch, egal. Ihnen in der Pause die Sprache vorzuschreiben, ist ein Eingriff in ihre Freizeit, ja sogar in ihre Freiheit. Kinder sollen sich in der Pause erholen. Warum will man ihnen dann die Benutzung der Muttersprache verbieten? Ich bin der Meinung, dass es wichtig ist, dass Kinder in der Pause keinen Unsinn machen. Darauf muss geachtet werden. Welche Sprache Kinder mit ihren Freunden sprechen, ist Privatsache. Mal abgesehen davon, dass es für so ein Gebot auch keine Rechtsgrundlage gibt.

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Florida Christians Want to Kill Women Who Have Abortions

Abolish Abortion Florida, an evangelical Christian group, is calling for a ballot measure in 2018 that would treat all abortion providers and receivers as complicit in first degree murder, making them eligible for the death penalty. (Source: Friendly Atheist)
Abolish Abortion Florida, an evangelical Christian group, is calling for a ballot measure in 2018 that would treat all abortion providers and receivers as complicit in first degree murder, making them eligible for the death penalty. (Source: Friendly Atheist)
Abolish Abortion Florida – a Christian-run political group aimed at ending legal abortion in the United States – wants women who obtain abortions to be punished. That is, they believe any woman who obtains an abortion should receive the death penalty.

By Tim Peacock | Church and State

The push to kill women for exercising control and choice over their bodies follows similar (yet less deadly) calls earlier this year by GOP presidential candidate Donald Trump to punish women for abortion. His campaign’s newest advisor wants to ban abortion in all forms – even in cases of rape, incest, and when necessary to save the woman’s life.

Based on the GOP’s focus on abortion this election it should come as no surprise the next logical step for Christian conservatives is to literally kill the women who want to choose what happens to their bodies.

Basing their reasoning in the notion that abortion is actually murder and would hold accountable not just those who perform abortion but those who obtain them, Abolish Abortion Florida is pushing for a 2018 state ballot measure (that would immediately be struck down assuming the Supreme Court isn’t stacked with Scalia-style judges) making all of those involved criminals with the possibility of being put to death.

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Watch a Supermoon and a Hunter’s Moon Coincide on Sunday Night

Nothing inspires Halloween spirit quite like the sight of a radiant moon in the evening sky, and on the night of October 16, the universe has deemed fit to serve up an especially brilliant show.

By Becky Ferreira | MOTHERBOARD

Not only will the Moon be full on Sunday evening, it will also reach perigee, or its tightest approach to Earth, at 7:36 PM Eastern time. At this point, our satellite will be about 30,000 miles nearer to our planet than at its farthest point (called an apogee). These orbital close passes are called “supermoons,” because they make our satellite appear as much as 30 percent brighter than normal full moons and 14 percent larger over the horizon.

As if this wasn’t already enough of an excuse to indulge in some appropriately autumnal Moon-watching, Sunday’s supermoon coincides with yet another special lunar event called the Hunter’s Moon.

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