Erinnerungskultur – Geschichte kann man nicht ausradieren


Porträt von Johann Gottlieb Fichte: Menschen sind selten eindeutig / Gemälde von Heinrich Plühr, picture alliance
Porträt von Johann Gottlieb Fichte: Menschen sind selten eindeutig / Gemälde von Heinrich Plühr, picture alliance
In Freiburg berät eine Kommission darüber, welche Straßennamen akzeptabel sind oder nicht. Heraus kommen bizarre Verrenkungen
 

Von Alexander Grau | Cicero

Vergangenheit vergeht nicht. Das macht sie mitunter zu einer Zumutung. Insbesondere die deutsche Vergangenheit will sich partout nicht auflösen im Nebel der Geschichte. Also wurden in den letzten Jahrzehnten hierzulande Psychotechniken entwickelt, an denen Sigmund Freud seine Freude gehabt hätte: die „Vergangenheitsbewältigung“ und die „Erinnerungskultur“.

Doch Vergangenheit lässt sich nicht bewältigen. Allenfalls lässt sie sich zurechtstutzen, etwa zum pädagogischen Gebrauch. Denn um aus der Geschichte zu lernen, muss man sie moralisch beurteilen. Moralische Urteile aber sind nicht zeitlos, sondern Produkte ihrer jeweiligen Gegenwart. Ergebnis: Geschichtsbetrachtung in pädagogischer Absicht verkommt zu Enthistorisierung – also zum genauen Gegenteil dessen, was eigentlich beabsichtigt war. Hier liegt die Krux.

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