„Minderjährigen-Ehen sind ein Symptom von Krisen, nicht von Religion“


Nach Berechnungen der Kinderhilfsorganisation Save the Children werden weltweit immer mehr Kinder verheiratet - hier eine junge...Foto: Sajneev Gupta/epa-dpa
Nach Berechnungen der Kinderhilfsorganisation Save the Children werden weltweit immer mehr Kinder verheiratet – hier eine junge…Foto: Sajneev Gupta/epa-dpa
Bund und Länder bereiten ein Verbot der Ehen von Minderjährigen vor. Der Kinderrechtsexperte Dominik Bär vom Deutschen Institut für Menschenrechte hält dies für falsch – im Sinne der Jugendlichen.

Von Andrea Dernbach | DER TAGESSPIEGEL

Die Zahl verheirateter Jugendlicher ist  erschreckend hoch: Aktuell sind laut Ausländerzentralregister knapp 1500 junge Leute betroffen, zu mehr als zwei Dritteln Mädchen. 361 von ihnen sind sogar Kinder, also jünger als 14 Jahre. Sie sind dennoch gegen ein generelles Verbot solcher Ehen – warum?

Ehen von Kindern unter 14 Jahren sollten in jedem Fall aufgehoben werden. Diese Ehen sind in Deutschland schon jetzt verboten und es muss auch wegen Verdacht des sexuellen Missbrauchs ermittelt werden. In der aktuellen Diskussion geht es ja nicht um ein Verbot von Eheschließungen in Deutschland, sondern um schon bestehende Ehen, die in einem anderen Land geschlossen wurden. Bei diesen Ehen von älteren Minderjährigen halten wir ein pauschales Verbot nicht für sinnvoll. Denn es ist nicht davon auszugehen, dass bei allen minderjährigen verheirateten Flüchtlingen per se die freie Selbstbestimmung bei ihrem Heiratsbeschluss fehlte. Und eine Unwirksamkeit der Ehe würde zahlreiche negative Folgen für die Minderjährigen nach sich ziehen, wie den möglichen Verlust von Unterhaltsansprüchen. Der Unterschiedlichkeit der Fälle würde damit keine Rechnung getragen. Über die Motive für die Eheschließungen können wir nur spekulieren. Natürlich sind Fälle von Zwangsehen möglich, die aufgehoben werden müssen. Aber es kann sich auch um einvernehmliche Ehen, Liebesheiraten oder den Wunsch, eine schon eingetretene Schwangerschaft zu legitimieren, handeln. Man weiß, dass viele Minderjährige vor der Flucht heiraten, da sie auf Schutz vor sexuellem Missbrauch während der Flucht hoffen. Das Deutsche Institut für Menschenrechte spricht sich daher dafür aus, dass jeder Einzelfall geprüft und auf Grundlage des Kindeswohls entschieden wird.

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